Swiss 2025 wieder in der harten Vor-Coronazeit gelandet
Kloten – Die traumhafte Phase nach der Coronapandemie mit Spitzenergebnissen für die Swiss ist vorbei. Die Turbulenzen am Markt und hausgemachte Probleme haben der Lufthansa-Tochter einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Nach dem Umsatzrekord im Vorjahr fiel der Umsatz um 2,6 Prozent auf 5,5 Milliarden Franken, wie die Airline am Freitag in einem Communiqué bekannt gab. Der operative Gewinn sackte auf 502,2 Millionen Franken ab. Das ist ein sattes Minus von über einem Viertel. Der Betriebsgewinn liegt sogar noch unter den letzten Jahren vor der Pandemie.
«Hoher Wettbewerbsdruck, eine volatile Nachfrage sowie steigende Gebühren und Wartungskosten haben Spuren in unserem Ergebnis hinterlassen», erklärte Finanzchef Dennis Weber im Communiqué. Auch das Frachtgeschäft sei hinter dem Vorjahresniveau zurückgeblieben, da die Swiss überdurchschnittlich stark von geopolitischen Unsicherheiten betroffen gewesen sei.
Gegenwind gab es für die Swiss auf den lukrativen Paradestrecken in die USA. Wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump und seinen Strafzöllen gegen die ganze Welt hatten weniger Schweizer Lust, in die Vereinigten Staaten zu reisen. Dies habe sich nicht in den Premiumklassen ausgewirkt, wo es mehr Passagiere gegeben habe.
Aber in der Economy-Klasse habe man eine sinkende Nachfrage gespürt, was auf die Ticketpreise gedrückt habe. Die Swiss habe mit Aktionspreisen die Flieger füllen müssen. Die Durchschnittserlöse seien gesunken, erklärte Finanzchef Weber.
Goldhandel schlägt durch
Zudem habe das Frachtgeschäft gelitten. Nach einem sehr starken Startquartal sei das Ergebnis arg getaucht. Dabei hat sich auch der Handelsstreit von Donald Trump gegen die Schweiz ausgewirkt. Trump ging gegen den hohen Handelsbilanzüberschuss der Schweiz gegenüber den USA vor, der während einiger Monate durch den Goldhandel in die Höhe getrieben worden war.
Nach dem Startquartal hätten die Goldtransporte über den Atlantik deutlich abgenommen, sagte Weber im Gespräch. Das habe auch die Swiss getroffen.
Zudem gingen die Kosten für Personal, Verpflegung an Bord, Gebühren oder Umweltkosten bei der Swiss deutlich nach oben. Da kam es der Airline gerade recht, dass die Treibstoffpreise tiefer waren als im Vorjahr. Hier habe die Swiss rund 100 Millionen im Vergleich zum Vorjahr gespart, sagte Weber am Rande im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Die Tankrechnung sei mit 1 Milliarde Franken der grösste einzelne Kostenblock der Airline.
Flugzeuge am Boden
Darüber hinaus hatte die Fluggesellschaft mit Engpässen im Betrieb zu kämpfen. «Konkret fehlten der Swiss sowohl verfügbare Triebwerke als auch Crews. In der Folge standen Flugzeuge länger als geplant am Boden oder konnten nicht im vorgesehenen Umfang eingesetzt werden», hiess es. Dadurch habe die Airline das geplante Flottenwachstum nur teilweise umsetzen und die Kapazitäten nicht wie vorgesehen ausbauen können.
Um dennoch fliegen zu können, muss die Swiss Flugzeuge samt Besatzung von anderen Airlines mieten (im Fachjargon Wetlease genannt). Derzeit habe die Airline 27 Maschinen von Helvetic und Air Baltic im Einsatz, hiess es. Diese verursachen Kosten, die zusätzlich zu den Kosten für die Swiss-Maschinen anfallen, die nicht fliegen können.
Deshalb will die Swiss die Zahl der Wetlease-Maschinen zurückfahren, sobald mehr Triebwerke und Piloten zur Verfügung stehen. Dies würde die Profitabilität wieder steigern. Um den steigenden Kosten zu begegnen, hat die Swiss auch strukturelle Massnahmen ergriffen. «Dazu gehört unter anderem ein unternehmensweites Kostensparprogramm.»
Die Swiss wolle die Strukturen verschlanken und nachhaltig effizienter werden, erklärte Konzernchef Jens Fehlinger: «Eine Airline, die schrumpft, statt zu wachsen, verliert an Wettbewerbsfähigkeit.» Finanzchef Weber gestand ein, dass die Swiss Marktanteile einbüsse.
Die Kosten von einer Woche Krieg im Mittleren Osten seien schwierig zu beziffern, sagte Weber. Aber sie seien nicht in einer Grössenordnung, dass er besorgt sei über den finanziellen Ausblick für das Geschäftsjahr 2026. Wenn der Treibstoffpreis, der seit vergangener Woche um 50 Prozent nach oben geschossen ist, auf dem jetzigen Niveau bleibe, dürfte das die Swiss einen dreistelligen Millionenbetrag zusätzlich kosten. (awp/mc/ps)