Altersvorsorgedepot und Erbschaftsteuer: Wie ein deutscher Honorarberater die doppelte Reformfalle analysiert
Zwei politische Entwicklungen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, treffen für eine bestimmte Gruppe von Vermögensinhabern zusammen: Familienunternehmer in Deutschland. Matthias Wolf, Gründer der Goldpfad GmbH, beobachtet die Kombination seit Wochen mit wachsender Aufmerksamkeit.
Von Matthias Wolf
«Die Unternehmer, die heute gut aufgestellt sind, haben nicht mehr Vermögen als andere. Sie haben früher begonnen, die richtigen Fragen zu stellen.»
Auf der einen Seite steht das neue Altersvorsorgedepot, das der Bundestag am 27. März 2026 beschlossen hat. Es öffnet erstmals den Kapitalmarkt als Förderinstrument auch für Selbstständige und Freiberufler – ein lange geforderter Schritt. Auf der anderen Seite steht eine drohende Erbschaftsteuerreform. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat Entscheidungen noch für 2026 angekündigt. Das Bundesverfassungsgericht verhandelt parallel die bestehenden Verschonungsregelungen für Betriebsvermögen.
Der SPD-Vorschlag sieht einen einheitlichen Unternehmensfreibetrag von fünf Millionen Euro vor. Was darüber liegt, soll progressiv besteuert werden. Für einen mittelständischen Betrieb mit einem Substanzwert von zehn Millionen Euro kann das eine Steuerbelastung von 1,5 Millionen Euro beim Generationenübergang bedeuten, ohne jede Möglichkeit der Stundung oder Ratenzahlung in der bisherigen Form.
«Das Altersvorsorgedepot löst das Vorsorgeproblem von Unternehmern strukturell nicht», sagt Wolf. «Die staatliche Förderung von 1.800 Euro jährlich ist für jemanden, der siebenstellige Beträge anlegen möchte, nicht relevant. Gleichzeitig soll dasselbe Unternehmen beim Generationenübergang eine Steuer tragen, die an seiner Substanz zehrt.»
Die aktuelle politische Konstellation gibt diesem Ansatz neue Dringlichkeit. Laut einer Analyse von S&P Global werden durch das neue Altersvorsorgedepot jährlich bis zu 56 Milliarden Euro mobilisiert, die jedoch zu einem grossen Teil über provisionsgetriebene Bankvertriebe in Standardprodukte fliessen. Für Unternehmer mit komplexer Vermögensstruktur entsteht damit eine strukturelle Beratungslücke genau dort, wo die Fehler am teuersten werden.
| Über Matthias Wolf: Matthias Wolf berät Unternehmerinnen und Unternehmer seit Jahren mit einem Ansatz, den er selbst Financial Life Planning nennt: Betrieb, persönliche Vorsorge, Haftung und Nachfolge werden nicht separat betrachtet, sondern als System. Die Goldpfad GmbH aus Bautzen arbeitet ausschliesslich auf Honorarbasis. Keine Provisionen, keine Bindung an Finanzprodukte – ein Modell, das in Deutschland nach wie vor selten ist. |