ABB-Chef warnt vor grossen Jobverlusten in Europa
Zürich – ABB-Chef Morten Wierod hat vor einem deutlichen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit Europas und möglichen Massenentlassungen gewarnt. Europa müsse dringend deregulieren, sagte der CEO des Schweizer Technologiekonzerns in einem Gespräch mit der «Financial Times». Andernfalls drohe eine grössere Krise mit «Massenarbeitslosigkeit».
Wierod kritisierte gemäss dem Beitrag vom Sonntagabend, dass europäische Gesetzgeber bei Reformen «kein Gefühl der Dringlichkeit» gezeigt hätten. Der von Ex-Italien-Premier Mario Draghi vorgelegte Reformplan liege seit fast zwei Jahren auf dem Tisch, umgesetzt worden sei jedoch wenig. «Ich hoffe, dass wir nicht erst eine viel grössere Krise mit Massenarbeitslosigkeit erleben müssen. So weit sollte es nicht kommen müssen, damit die notwendige Dringlichkeit erkannt wird», sagte er.
Der ABB-Chef forderte klare Verbesserungen: «Der Binnenmarkt oder die EU müssen mehr Regulierung abbauen, und zwar nicht nur vereinfachen, sondern Vorschriften ganz abschaffen und den Binnenmarkt weiter vorantreiben. Das wird das Wirtschaftswachstum ankurbeln.»
Zugleich warnte der ABB-Chef vor möglichen Nebenwirkungen neuer EU-Vorgaben zur Verringerung der Abhängigkeit von ausländischer Technologie. ABB befürworte den freien Handel, «Made in Europe»-Regeln könnten jedoch unbeabsichtigte Folgen haben und Kosten erhöhen.
USA im Vorteil bei Energiekosten
Als Stärke Europas bezeichnete Wierod die gut ausgebildeten Arbeitskräfte, hochwertige Bildungssysteme und die Fähigkeit zum Krisenmanagement. Die rasche Verringerung der Abhängigkeit von russischem Gas habe dies gezeigt.
Wegen des Iran-Kriegs und höherer Gaspreise verschlechtere sich jedoch die Wettbewerbsfähigkeit Europas gegenüber den USA. Gas werde verfügbar bleiben, aber zu höheren Preisen, die laut Wierod auch 2026 und 2027 anhalten dürften. Dies belaste Europa stärker als die USA, die über eigene Gasvorkommen verfügten.
Wierod reiht sich in eine wachsende Zahl von Unternehmenschefs ein, die von der EU weniger Bürokratie und raschere Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit fordern. Bereits im vergangenen Herbst hatten die Chefs von Totalenergies und Siemens in einem offenen Brief den Abbau von EU-Vorschriften verlangt. (awp/mc/ps)