Philippe A. Naegeli, CEO GenTwo, im Interview

Philippe A. Naegeli, CEO GenTwo, im Interview
Philippe A. Naegeli, CEO and Co-Founder at GenTwo. (Photo: GenTwo)

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Naegeli, GenTwo bringt es heute auf über 7 Milliarden USD «Assets under Service», London steht seit Oktober 2024. Wo steht GenTwo heute bezüglich der US-Expansion, welche Regionen folgen in den nächsten drei Jahren?

Philippe A. Naegeli: GenTwo ist heute in über 26 Ländern aktiv, auch in UK und in den USA. In den letzten Jahren haben wir diese Märkte genau studiert und Erfahrung gesammelt, jetzt gehen wir in die Umsetzung. Die USA sind einer unserer wichtigsten Wachstumsmärkte. Wir haben dort Kunden gewonnen und bauen unsere Präsenz laufend aus. Den grössten Hebel sehen wir im Offshore-Wealth-Markt der gesamten Amerikas, also USA und Lateinamerika zusammen, gemeinsam mit unserem Partner Luma. Der eigentliche Wert unserer Plattform liegt in ihrer grenzüberschreitenden Fähigkeit: Ein in Zürich strukturiertes Zertifikat kann heute in Dubai oder Singapur verkauft werden. Das ist eines der wertvollsten Dinge, die wir bieten. Nach der Schweiz, UK und den USA steht Singapur als nächster Hub an. Wir setzen unseren Anker dort, wo unsere Kunden schon im Hafen auf uns warten, statt unsere Fahne aufs Geratewohl in fremden Märkten zu hissen.

«Den grössten Hebel sehen wir im Offshore-Wealth-Markt der gesamten Amerikas, also USA und Lateinamerika zusammen, gemeinsam mit unserem Partner Luma.» Philippe A. Naegeli, CEO GenTwo

Wie hat sich der operative Gewinn von GenTwo in den letzten zwei Jahren entwickelt, welche Ziele haben Sie sich für die kommenden zwei Jahre gesetzt?

Detaillierte Zahlen legen wir nicht offen. So viel: Beim Umsatz bewegen wir uns im zweistelligen Millionenbereich. Was wir verdienen, fliesst gleich wieder in zwei Dinge: Technologie und Menschen. Auf der Tech-Seite sind das KI, Automation, APIs und unsere GenTwo Pro-Plattform. Das erhöht die Effizienz in der Strukturierung enorm, und wir führen den Weg zu einer KI-getriebenen Plattform an. Mit allen verfügbaren Werkzeugen wollen wir an der Front stehen.

Auf der Personalseite investieren wir in Financial Engineering und in unser globales Team, die eigentliche Anlaufstelle für Securitization-as-a-Service. Unsere Ziele für die kommenden Jahre sind klar: Wir wollen unsere globale Führungsrolle in der Assetization, also in Securitization und Tokenization, weiter ausbauen und der One-Stop-Shop dafür sein. Und wir beschleunigen unser Wachstum aus den Hubs UK, USA und Singapur heraus.

Welcher Prozentsatz der 1’600 mit GenTwo emittierten Produkte landet heute in den Depots von Privatanlegern, welcher in Family Offices und institutionellen Mandaten? Wo steht die «Demokratisierung» der Assets Ihrer Ansicht nach heute?

Ehrlich gesagt: Den genauen Split kennen wir nicht. Wir sind ein B2B-Geschäft und machen Securitization-as-a-Service. Einen detaillierten Lookthrough auf die Investoren-Ebene haben wir nicht. Die Investoren werden von unseren Kunden betreut, nicht von uns. Das ist eine wichtige Unterscheidung, die oft untergeht: GenTwo strukturiert und emittiert, die Beziehung zum Investor liegt bei unseren Kunden. Und genau dort, bei unseren Kunden, schreitet die Demokratisierung voran. Sie bringen immer mehr und immer breitere Anlageideen in die Portfolios. Man sieht es schon an der Vielfalt der Ideen, die strukturiert werden: Uran, Filmrechte, tokenisierte Real-World-Assets, Revenue Streams auf Sporttalente. Wer in sein «Ding» investieren will, kann das heute tun. Das ist der Reiz von Assetization.

Kryptowährungen, Private Markets, tokenisierte Immobilien, Musik Lizenzgebühren …; Ihr Buch «Assetization», das Sie zusammen mit Patrick Loepfe und Tom Lyons verfassten, zählt einen verbriefbaren Markt von rund 510 Billionen USD auf. In welche zwei oder drei Asset-Kategorien fliessen die meisten Engineering-Ressourcen von GenTwo in den nächsten drei Jahren?

Unsere Engineering-Ressourcen fliessen nicht in einzelne Asset-Klassen. Sie fliessen in die Plattform und die Infrastruktur. Wir bauen etwas, das mit allem umgehen kann. Genau das ist der Sinn von GenTwo. Die Asset-Klassen bringen unsere Kunden. Und die Bandbreite ist riesig: von traditionellen Anlagen über Private Markets, alternative Anlagen und Krypto bis hin zu Real-World-Assets und Exoten. Alles, was unsere Kunden an Basiswerten und Strategien zu uns bringen, können wir umsetzen, solange es legal und vertretbar ist.

«In der Legal-Abteilung bauen Experten mit KI eigene KYC-Tools, Key Accounter bauen interne Strukturierungs-Bots. Bei GenTwo kann praktisch jede und jeder mit KI arbeiten und ist zur oder zum Engineer geworden, egal in welcher Asset-Klasse.»

Entscheidend ist dabei, dass das Engineering bei uns datengetrieben ist, unabhängig von der Asset-Klasse. In der Legal-Abteilung bauen Experten mit KI eigene KYC-Tools, Key Accounter bauen interne Strukturierungs-Bots. Bei GenTwo kann praktisch jede und jeder mit KI arbeiten und ist zur oder zum Engineer geworden, egal in welcher Asset-Klasse.

Grosse Sprachmodelle bieten Effizienz, aber auch Haftungsrisiken: ein falsch generierter Prospekt oder eine fehlerhafte Klassifikation als komplexes Produkt nach MiFID II kann das Geschäftsmodell gefährden. Wie sieht Ihr Governance-Framework für AI-Agents aus, wer haftet im Schadensfall und welche Versicherungslösung steht hinter Ihrer «Vibe-Finance»-Vision?

Wir liefern die Schienen für Assetization. Was darauf transportiert wird, liegt in der Verantwortung unserer Kunden. Und unsere Kunden sind durchwegs regulierte Parteien. Das ist eine zusätzliche Ebene, die über den Schienen liegt. Dazu kommt: GenTwo ist von Anfang an mit klaren Governance-Strukturen aufgebaut worden, mit tiefer Expertise in Legal und Compliance. Das ist Teil unserer DNA, nicht etwas, das wir nachträglich angebaut haben. Bei der Qualitätssicherung des Outputs, etwa von Term Sheets oder Bewertungen, haben Sie recht. Die Maschine kann vieles: Plausibilisierung, Kontrolle, Redundanz. Doch am Ende steht bei GenTwo immer ein Mensch, der mit Kompetenz, Verstand und langjähriger Expertise für die Qualität unserer Lösung bürgt. Alles andere wäre gegenüber Kunden und Investoren nicht vertretbar.

Welchen messbaren Mehrwert bringt das Label «Swiss made» noch in der neuen Welt der Verbriefung, der Automatisierung mit Künstlicher Intelligenz und der angestrebten Demokratisierung der Verbriefung?

Wir Schweizer sind nicht nur im Tunnelbau Pioniere, auch im Struki-Bereich. Schweizer Finanzhäuser haben über Jahrzehnte enormes Know-how in Financial Engineering und Strukturierung aufgebaut. GenTwo ist ein Sprössling dieser «Generation One». Doch egal, zu welcher technologischen Generation man gehört: Vertrauen bleibt die eigentliche Währung von «Swiss Made» Finance. Tech ist global. Trust bleibt mit Schweizer Herkunft und Haltung verbunden. Deshalb tragen wir unsere Schweizer Wurzeln bewusst in die Welt hinaus, wie einst Hoteliers wie César Ritz.

«Vertrauen bleibt die eigentliche Währung von «Swiss Made» Finance. Tech ist global. Trust bleibt mit Schweizer Herkunft und Haltung verbunden.»

Verbriefung ist Spezialistenarbeit an den Schnittstellen von Finanzmarktgesetzen, Steuerstrukturierung und Smart-Contract-Entwicklung. Spezialisten, die auch im Fintech-Sektor schwer zu finden sind. Wie viele Mitarbeitenden bilden Sie heute selbst aus – über Praktika, Lehrlinge oder Trainee-Programme – und in welchen Disziplinen greifen Sie auf ausländische Spezialisten zurück, weil der Schweizer Arbeitsmarkt sie nicht liefert?

Bei GenTwo ist jede/r Aktionär/in. Das kittet enorm. Auch wenn wir ein globales Talent-Magnet sind, betreiben wir in Spezial-Bereichen Talent-Scouting, so wie im Spitzensport auch. Bei GenTwo stehen heute über 20 Nationen am Start – in Spezial-Disziplinen wie Financial Engineering, Modelling, Investment Solutions, KI, Data oder Structuring. Gerade Letzteres lernt man vor allem in der Praxis. Deshalb setzen wir stark auf internes Lernen, KI-Enablement, Mentoring und ein eigenes A-Talent-Programm.

Mit Florian Marty haben Sie 2026 den ehemaligen Blockchain-Chef von Vontobel verpflichtet – genau jener Bank, deren Deritrade-Plattform Ihr Mitgründer Patrick Loepfe einst mit aufgebaut hat. Wie sehen die traditionellen Anbieter heute GenTwo und Ihr Bemühen um die Demokratisierung der Verbriefung?

Wie wir gesehen werden, fragen Sie am besten die traditionellen Anbieter direkt.  Wir nennen sie mit Respekt «Generation One». Denn sie haben über Jahrzehnte das Know-how in Sachen Financial Engineering und Strukturierung aufgebaut. Ohne die «GenOne» gäbe es keine GenTwo. Bei der Ablösung vom Elternhaus hatten wir anfänglich ein paar «pubertäre» Generations-Konflikte. Nun sind wir als GenTwo im jungen Erwachsenenalter und Teil der Schweizer Struki-Familie. Mit unserer Mitgliedschaft im SSPA stehen wir klar zu unseren Wurzeln.

Der globale Immobilienmarkt fasst gemäss Ihrem Buch 393 Billionen USD – allein in der Schweiz beträgt das Volumen rund 4’000 Milliarden CHF, die Eigenheimpreise sind seit 2015 um über 50 Prozent gestiegen. Eine massenhafte Verbriefung und Tokenisierung von Wohnimmobilien würde zusätzliche Liquidität in einen bereits überhitzten Markt pumpen. Wo sehen Sie die Linie zwischen sinnvoller Demokratisierung und der Befeuerung einer Preisblase, wenn sich Schweizer Mittelstandsfamilien schon heute kaum noch Wohneigentum leisten können?

Das ist eine berechtigte Frage. Technologie ist neutral und die Frage unterstellt meines Erachtens einen Zusammenhang, den man differenzieren muss. Die Treiber überhitzter Wohnmärkte liegen woanders – und davon ist keiner eine Frage der Liquidität durch Verbriefung. Demokratisierung und Verbriefung sind in erster Linie Instrumente, die verändern, wie bestehende Vermögenswerte gehalten, finanziert und zugänglich gemacht werden – sie sind nicht per se eine Quelle neuen spekulativen Kapitals.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Bestand und Neubau. Wenn wir bestehende Wohnungen nur fraktionieren und handelbar machen, verändern wir die Eigentumsform, nicht das Angebot. Lenkt die Verbriefung dagegen Kapital effizienter in Neubau, Verdichtung und Sanierung, erhöht sie das Angebot und wirkt damit eher preisdämpfend als -treibend. Wichtig ist auch die Differenzierung, was Demokratisierung hier bedeutet: besserer Zugang zur Anlageklasse Immobilie, nicht automatisch der Weg ins eigene Zuhause. Das sind zwei verschiedene Themen, und es sei nicht zu behaupten, die Technologie löse das zweite. Die Linie verläuft für mich deshalb beim Zweck: Demokratisierung als Instrument für effizientere Finanzierung, mehr Transparenz und breiteren Zugang ist kein Spekulationstreiber. Erst wenn sie zum reinen Renditekanal auf den Wohnbestand wird, entsteht das Risiko, das Ihre Frage anspricht – und genau dort liegt der Unterschied.

«Demokratisierung als Instrument für effizientere Finanzierung, mehr Transparenz und breiteren Zugang ist kein Spekulationstreiber.»

Schweizer Pensionskassen halten rund 25 Prozent ihrer 1’200 Milliarden CHF Vermögen in Immobilien, die OAK (Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge) warnt seit Jahren vor Klumpenrisiken und zu wenig Liquidität. Tokenisierung verspricht einen Sekundärmarkt – aber bisher fehlt das regulatorische Setup für eine direkte BVG-Allokation in tokenisierte Assets. Ab wann wird ein Schweizer Vorsorgewerk Ihrer Erwartung nach legal und mit Treuhandsegen tokenisierte Liegenschaften beimischen können?

Technologie entwickelt sich immer schneller als deren Governance, das gilt hier wie überall. Die Technik ist da. Mit dem DLT-Gesetz hat die Schweiz eine gute Ausgangslage geschaffen. Aber machen wir uns nichts vor: Tokenisierung schafft heute noch nicht bei allen Werten und nicht in jedem Fall zusätzliche Liquidität. Nicht weil die Technologie fehlt, sondern weil die Distributions-Seite schlicht nicht bereit ist.

Verwahrstellen können digitale Wertrechte mehrheitlich noch nicht halten. Broker und Intermediäre können Token noch nicht handeln. Ein Sekundärmarkt entsteht nur, wenn auf beiden Seiten institutionell taugliche Infrastruktur steht. Das heisst: Der versprochene Liquiditätsvorteil für Schweizer PKs ist heute noch theoretisch. Erst wenn Depotbanken, Revisoren und Aufsichtsorgane, inklusive der OAK, diese Strukturen akzeptieren und operativ abbilden können, wird aus dem Versprechen Realität. «It’s not the car. It’s the driver.» Nicht die Technologie ist der Flaschenhals, sondern die institutionelle Infrastruktur auf der Distributions-Seite.

«Tokenisierung schafft heute noch nicht bei allen Werten und nicht in jedem Fall zusätzliche Liquidität. Nicht weil die Technologie fehlt, sondern weil die Distributions-Seite schlicht nicht bereit ist.»

Jim Wiandt, Gründer von ETF.com, schreibt in seinem Vorwort zu Ihrem Buch, Assetization knüpfe genau dort an, wo die ETF-Revolution aufgehört habe – sie öffne die 83 Prozent des Wirtschaftsgeschehens, die nicht an öffentlichen Märkten gehandelt werden. Die ETF-Geschichte zeigt aber auch: Aus tausenden thematischen ETFs wurden nicht nur Demokratisierung, sondern auch Marketing-Vehikel. Welche drei Lehren aus dem ETF-Boom haben Sie ins Buch und in das Produkt-Design von GenTwo übernommen, damit Assetization nicht in einer ähnlichen Inflation austauschbarer Wrapper endet?

Die ETF-Revolution hat gezeigt, wie mächtig Demokratisierung und Standardisierung sein können. Sie zeigt aber auch, wie schnell Produktinflation entsteht. Wir lernen daraus 3 Dinge: Erstens, ein Produkt muss ein reales Investment-Problem lösen, und nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen. Zweitens: Der Zugang zur Infrastruktur sollte  für möglichst viele offen und flexibel sein, statt für möglichst wenige, die dann Massenware in Portfolios abspitzen. Und drittens: Langfristig gewinnen nur Vertrauen, Verständlichkeit und Access – nicht maximale Komplexität. Assetization darf kein Selbstzweck werden, sondern muss einen Beitrag leisten, um reale Herausforderungen zu meistern.

Sie veranschlagen einen «assetisierbaren» Markt von rund 510 Billionen USD – mit der Annahme, 50 Prozent davon könnten in den nächsten Dekaden investierbar werden. Welche Verbriefungs-Ideen, die Sie im Buch durchspielen – Future Royalties à la David Bowie, Sport Memorabilia, tokenisierte Maschinenstunden, sogar Personal Data – würden Sie persönlich heute nicht verbriefen, auch wenn die Technologie es zuliesse?

Es geht hier weniger um meine persönliche Sicht als um unsere ethische Grundhaltung bei GenTwo. Alles, was sich ausserhalb klarer rechtlicher und regulatorischer Rahmen bewegt, kommt für uns nicht infrage. Die spannendere Frage beginnt dort, wo etwas zwar legal wäre, gesellschaftlich aber kritisch diskutiert wird. Denn nicht alles, was technologisch möglich ist, sollte auch automatisch umgesetzt werden. Gerade bei Themen wie Personal Data braucht es Verantwortung und klare Grenzen. Unsere Position ist klar: Assetization darf nie Selbstzweck sein. Sie sollte echten Nutzen schaffen – für Menschen, Märkte und für die Realwirtschaft. Das haben wir im Buch auch so beschrieben.

Im Galerie-Szenario kauft ein Investor Sekunden nach der AI-gestützten Strukturierung für 200’000 USD-Anteile an Skulpturen, die der Algorithmus auf 12 Millionen USD taxiert hat – signiert wird per Daumenabdruck. Das ist eine starke Vision, regulatorisch aber Science-Fiction: MiFID-Geeignetheitsprüfung, FIDLEG-Kundeneinstufung und AMLA-Verfahren brauchen heute Stunden bis Tage. Welchen realistischen Zeithorizont geben Sie diesem Szenario in der Schweiz und in der EU und welche regulatorischen Reformen müssten durchgeführt werden, damit Welle 3 nicht eine Romanszene bleibt?

Ehrlich gesagt halte ich das überhaupt nicht für Science-Fiction. Ihre Frage unterstellt, dass radikale Automation nicht funktionieren kann, weil die regulatorischen Prozesse und Kontrollen zu langsam sind. Heute trifft das zu. In Zukunft muss es das nicht. In unserem Buch machen wir deutlich, dass radikale Automation nur dann funktioniert, wenn die regulatorischen und Compliance-Rahmen direkt in den Prozess eingebaut sind, Teil der Maschinerie. Das ist die Voraussetzung. Heute ist das noch nicht so, aber wir sehen keinen Grund, warum es in Zukunft nicht so sein sollte. Und wenn es so weit ist, wird das System nicht nur effizienter, sondern auch sicherer.

Wenn Eignungsprüfung, Risikohinweise und ein lückenloser Audit-Trail als Regeln im Code stecken und bei jedem einzelnen Produkt automatisch greifen, entsteht für die Aufsicht zugleich ein viel klareres, aktuelleres Bild des Geschehens. Wie lange das dauert, lässt sich seriös nicht sagen, das hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Roy Amara hat es einmal treffend formuliert: Wir überschätzen die Wirkung einer Technologie kurzfristig und unterschätzen sie langfristig. Aber die Vision, die wir in unserem Buch skizzieren, erscheint uns durchaus plausibel.

Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen die aus?

Erstens wünsche ich mir mehr Differenz. Das Neue entsteht fast immer an den Rändern – nicht in der Mitte. Wenn alles nur noch optimiert, standardisiert und abgesichert wird, strebt vieles zum Durchschnitt: gleiche Meinungen, gleiche Produkte, gleiche Lebensläufe. Innovation braucht Reibung, Eigenheiten und Menschen, die anders denken dürfen. Es braucht Differenz.

Und zweitens wünsche ich mir, dass im Sinne der „Creator Economy in Finance“ künftig mehr Menschen das bauen und in das investieren können, woran sie wirklich glauben. Nicht nur grosse Institutionen, sondern auch kreative, unternehmerische oder unkonventionelle Ideen sollten Zugang zu Kapital und Märkten erhalten. Dafür haben wir GenTwo gebaut – to expand the investment universe!

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