Ernährungsinitiative wird gemäss Hochrechnung klar abgelehnt
Bern – Die Schweiz erhält keine erhöhten Ziele für die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln. Gemäss der ersten Hochrechnung von gfs.bern im Auftrag der SRG von 12.30 Uhr haben die Stimmenden die Ernährungsinitiative mit einem Nein-Anteil von rund 72% abgelehnt.
Die Initiative habe interessante Themen aufgegriffen, aber eine zu schnelle und zu radikale Umsetzung verlangt, sagte Politologe Lukas Golder im Schweizer Fernsehen SRF zum Trend. Zudem habe die Initiative keinerlei Unterstützung vom politischen Establishment erhalten. Auf das Nein hatten die letzten Abstimmungsumfragen hingedeutet.
Ein Netto-Selbstversorgungsgrad von siebzig statt wie heute bei 45 Prozent, und das innerhalb von zehn Jahren: Das hätte die Ernährungsinitiative verlangt. An dieser Vorgabe hätten sich die Land- und Ernährungswirtschaft sowie die Konsumentinnen und Konsumenten ausrichten müssen.
Sauberes Trinkwasser für alle
Weiter hätte der Bund dafür sorgen müssen, dass alle im Land mit Lebensmitteln und mit sauberem Trinkwasser versorgt sind. Hinter der Initiative stehen Franziska Herren vom Verein «Sauberes Wasser für alle» und sechs weitere Personen. Herren war bereits treibende Kraft hinter der 2021 abgelehnten Trinkwasserinitiative.
Das kleine Komitee musste den Abstimmungskampf weitgehend alleine bestreiten. Denn Umweltverbände hatten sich nach anfänglicher Unterstützung von der Initiative distanziert. Greenpeace Schweiz zum Beispiel gab eine Stimmfreigabe aus, und Stimmfreigabe beschlossen auch die Grünen. Alle anderen Parteien empfahlen ein Nein.
Abstimmungssieger sind die grossen Parteien, der Bauernverband, die Nahrungsmittelindustrie und das Gewerbe. Sie argumentierten, die geforderte Erhöhung des Selbstversorgungsgrads sei utopisch und nur durch drastische Eingriffe in Konsum und Produktion machbar. Die Initiative wolle Konsumentinnen und Konsumenten zu einer hauptsächlich veganen Ernährung zwingen.
Die Initiative schwäche die einheimische Produktion, mache Lebensmittel teurer und führe zu mehr Einkaufstourismus, machte die Gegnerschaft zudem geltend. Die Schweizer Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete wies darauf hin, dass ohne grasfressende Nutztiere zwei Drittel der Landwirtschaftsflächen nicht für die Ernährung genutzt werden könnten. (awp/mc/ps)