CH-Verlauf: SMI steigt auf Rekordhoch
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Donnerstag freundlich und hat ein neues Rekordhoch markiert. Rückenwind kommt laut Marktbeobachtern auch von der Aussicht auf vorerst unveränderte Leitzinsen dies- und jenseits des Atlantiks. Gleichzeitig sorgen zahlreiche Unternehmensmeldungen für Bewegung, wobei ebenfalls die positiven Nachrichten überwiegen.
Die US-Notenbank liess die Leitzinsen am Mittwoch wie erwartet unverändert. «Die Fed verschaffte den Märkten etwas Luft, ohne aber wirklich zu signalisieren, dass die Finanzierungskosten ihren Höhepunkt erreicht haben», heisst es bei Swissquote. Zusätzliche Impulse dürften am Nachmittag die erste Schätzung zum US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal sowie weitere Konjunkturdaten liefern.
Danach richtet sich der Blick auf die EZB. Auch von ihr wird keine Änderung der Leitzinsen erwartet. Im Mittelpunkt stehen daher die Hinweise zum weiteren Kurs. Angesichts der Spannungen an den europäischen Anleihemärkten und der Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen dürften Aussagen zu möglichen weiteren Zinserhöhungen besonders genau verfolgt werden. Im Vorfeld war bereits bekannt geworden, dass Christine Lagarde vorzeitig als Präsidentin der Europäischen Zentralbank im Februar 2027 abtreten wird.
Rekordhoch, Amrize schwach
Der Leitindex SMI steigt gegen 11.00 Uhr um 1,06 Prozent auf 14’736,34 Punkte. Damit liegt er nur gut 20 Punkte unter dem neuen Allzeithoch, das er im frühen Handel markiert hatte. Der Mid-Cap-Index SMIM gewinnt 0,46 Prozent auf 3207,96 Zähler, der breite SPI legt 0,95 Prozent auf 20’780,67 Punkte zu. Auch der deutsche Dax und der französische CAC 40 gewinnen rund 1 Prozent.
Unter den Bluechips stehen Amrize (-5,4%) nach den am Vorabend veröffentlichten Quartalszahlen unter Druck. Der Baustoffkonzern blieb hinter den Erwartungen zurück und senkte seine Jahresprognose. Die frühere Muttergesellschaft Holcim (+1,6%) zeigt sich davon unbeeindruckt und zählt im Gegenteil zu den stärkeren Titeln.
Logitech (-0,9%) sind der einzige weitere Verlierer im SMI. Bereits am Vortag hatten die Titel kräftig eingebüsst. Deutlich erholen können sich dagegen die Titel des SMI-Neulings Sandoz (+4,8%).
Gesucht sind auch UBS (+1,8%) nach positiven Analystenkommentaren zu den Quartalszahlen. Das Schwergewicht Novartis (+2,3%) setzt derweil die Aufwärtsbewegung nach den Zahlen vom Dienstag fort. Mehrere Analystenhäuser haben seither ihre Kursziele angehoben.
Avolta mit Kurssprung
Auch der Technologiesektor hat seine anfängliche Schwäche abgeschüttelt. So drehen etwa ABB und VAT im freundlichen Gesamtmarkt ins Plus, AMS Osram (+2,9%) ziehen besonders deutlich an. Die enttäuschenden Zahlen von Alphabet und die schwache Reaktion der Samsung-Aktien auf Rekordergebnisse belasteten damit nur vorübergehend.
In den hinteren Reihen werden Avolta (+4,1%) nach den Quartalszahlen gesucht. Vor allem das organische Wachstum des Reisedetailhändlers fiel besser als erwartet aus. Analysten sprechen von einem «bemerkenswert widerstandsfähigen» Geschäftsmodell im aktuellen geopolitischen Umfeld.
Oerlikon (+0,4%) zeigen sich nach den Zahlen volatil und wechseln im Handelsverlauf mehrfach das Vorzeichen. Die Kennzahlen lagen leicht über den Erwartungen. Nach der starken Rally seit Anfang April – der Kurs hat sich seither nahezu verdoppelt – fallen die Reaktionen dennoch verhalten aus.
Schwächer präsentieren sich Vontobel (-2,2%), wo vor allem die Neugeldentwicklung enttäuschte.
Im Biotechsektor fallen Addex (+6,7%) auf. Das Unternehmen hat sein Aktienkapital durch die Ausgabe von 93 Millionen neuen Namensaktien erhöht und will sich damit zusätzliche finanzielle Flexibilität verschaffen.
Rieter (-2,6%) fallen derweil auf ein neues Allzeittief. Belastend wirkt eine gestrichene Kaufempfehlung von Oddo BHF im Anschluss an die Quartalszahlen. (awp/mc/pg)