SGKB investment views: Klumpenrisiken sind ein Thema

SGKB investment views: Klumpenrisiken sind ein Thema
Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

Die Tech-Aktien werden wieder einmal durchgeschüttelt. Die Aktie von Alphabet verliert innert weniger Tage 20% an Wert, diejenige von Intel 30% an einem Tag. Anderen geht es nicht viel besser. Der koreanische Chip-Produzent SK hynix ist im Vergleich zum Juni nur noch die Hälfte wert. Da wird es wieder zum Thema, dass die Tech-Aktien im Weltaktienindex MSCI World All Country mittlerweile ein Gewicht von 33% haben. Allein die drei grössten Titel von Apple, Nvidia und Microsoft machen zusammen 15% aus. Auf die amerikanischen Aktien entfällt ein Anteil von 63%. Etwas überspitzt gesagt, ist ein globales Aktienportfolio eine Wette auf KI, auf die USA und auf den US-Dollar.

von Thomas Stucki, CIO St. Galler Kantonalbank

Durch den Hype der letzten Jahre ist das Klumpenrisiko der Tech-Aktien in vielen Aktienmärkten markant gestiegen. Im MSCI Emerging Market machen sie 41% aus, beim koreanischen KOSPI gar 70%. Die beiden Giganten Samsung Electronics und SK hynix kommen zusammen auf 52% des koreanischen Aktienindex. Dagegen ist der Swiss Performance Index trotz Nestlé und den Pharmawerten gut diversifiziert. Konzentrationen gibt es auch in anderen Sektoren. Ein ETF auf den britischen FTSE-100 ist eine Wette auf die Finanzindustrie, welche im Index ein Gewicht von 31% hat, ergänzt mit hoffentlich positiven Aussichten der Erdölkonzerne Shell und BP.

Alternativen waren zuletzt nicht attraktiv
Die Klumpenrisiken kann man umgehen, wenn man sich nicht auf einen marktkapitalisierten Index wie den S&P 500, sondern auf eine breit diversifizierte Alternative wie den S&P 500 Equal Weight abstützt. Dann hat man zwar ein perfekt diversifiziertes Portfolio, aber in den letzten Jahren auch viel Performance liegen gelassen. Während der S&P 500 dank den grossen Tech-Aktien in den letzten fünf Jahren pro Jahr eine Performance von durchschnittlich 12.4% erzielte, begnügte sich die Variante mit den gleichgewichten Titeln mit 8.7% pro Jahr. Das ist immer noch schön. Den Kunden oder den Destinatären einer Pensionskasse ist es jedoch schwer zu erklären, warum man das Tech-Rallye verpasst hat und warum die Diversifikation kumuliert eine Minderrendite von 27% wert sein soll.

Obligationen sind nicht besser
Klumpenrisiken beschränken sich nicht auf die Aktien. Der oft als Benchmark für die globalen Obligationen verwendete Bloomberg Global Ag Index ist in der Realität ein Portfolio von Staatsanleihen, angeführt von 20% US-Treasuries. Die Staatsanleihen Japans, Chinas und Frankreichs sind auch gut vertreten. Das ist nicht weiter verwunderlich, sind die erwähnten Staaten auch die Emittenten mit den höchsten Schulden. Unternehmensanleihen sind in diesem Index mit einem Anteil von 18% nur eine Ergänzung, während die Staaten und staatsnahen Schuldner fast 70% ausmachen. Der Rest sind amerikanische Hypotheken.

Klumpen lassen sich vermeiden
Klumpenrisiken gehören bis zu einem gewissen Grad zu den Aktienmärkten. Die Kurse der Aktien der erfolgreichen Unternehmen steigen halt stärker als die Aktien der Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen. Davon will man als Aktionär auch profitieren. Wichtig ist, dass man sich der Klumpen bewusst ist und diese transparent offenlegt, beispielsweise gegenüber einem Stiftungsrat. Am einfachsten kann man die Klumpen brechen, indem man in Einzeltitel investiert und eine maximale Gewichtung für die einzelnen Aktien, die einzelnen Sektoren oder die einzelnen Märkte festlegt. Bei den Obligationen kann man sich auf Unternehmensanleihen konzentrieren oder eine für sich akzeptable Mischung zwischen den verschiedenen Emittenten oder Emittenten-Gruppen definieren. (SGKB/mc/pg)

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