Daniel Kaufmann, CEO Gotthard Raststätte A2 Uri AG, im Interview

Daniel Kaufmann
Daniel Kaufmann, CEO Gotthard Raststätte. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Kaufmann, ist das Wetter im Norden schlecht, zieht es die Menschen eher in den Süden. Können Sie dieser These im bisherigen Jahresverlauf zustimmen?

Daniel Kaufmann: Sie liegen richtig in der Annahme, wir spüren das Wetter, insbesondere lang anhaltenden Schlechtwetterperioden auf der Alpennordseite. Hinzu kommt auch ein verändertes Konsumverhalten bei schlechtem Wetter. Unsere Gäste nehmen sich mehr Zeit und konsumieren dann mehr im Restaurant, das führt zu einer Verlagerung vom Shop Umsatz zum Restaurantumsatz.

Vor etwas über einem Jahr wurde der Neubau Fahrrichtung Süd in Betrieb genommen. Wie wurde die elegante Architektur von den Kundinnen und Kunden aufgenommen?

Die Architektur kommt bei unseren Kunden sehr gut an. Sie wird von vielen Gästen als typisch schweizerisch und nachhaltig wahrgenommen. Auch die grosszügigen Platzverhältnisse, die naturnahe Aussenanlage sowie die speziell gestaltete Toilettenanlage werden sehr positiv aufgenommen. Die Kundenrückmeldungen, sei es vor Ort oder auf den Social Media Plattformen Google und Facebook fallen äusserst positiv aus.

Die Baukosten lagen über dem erwarteten Rahmen und führten zusammen mit den übrigen Aufwendungen für einen deutlich tieferen Gewinn im Jahr 2018 von 827’000 Franken. Worauf war diese Überschreitung zurückzuführen?

Die Baukosten liegen infolge Mehrbestellungen und Projektänderungen über dem erwarteten Rahmen. Im Hinblick auf zukünftige Unterhaltskosten wurden Investitionen getätigt, deren Notwendigkeit nicht vorausgesehen werden konnte. Die intensive Vorbereitungsphase auf die Eröffnung im Mai, die Schulung der Mitarbeiter sowie Probeläufe mit dem neuen Gastrokonzept führten zu höheren Mitarbeiterkosten. Der erste Eindruck zählt – es war uns wichtig die Eröffnung der neuen Raststätte reibungslos über die Bühne zu bringen. Wir sehen dies als Investition in die Zukunft.

Trotz der bis zur Eröffnung des Neubaus entstandenen Einschränkungen konnte die Gott-hard Raststätte den Umsatz von 22,4 auf 23,1 Mio Franken erhöhen. Wie werten Sie das Resultat?

Der Neubau der Raststätte dauerte acht Monate. Bereits 2017 war die Anlage während vier Monaten von September bis Dezember geschlossen und es war nur ein eingeschränkter Betrieb in unserem Provisorium möglich. Saisonal bedingt erzielen wir jeweils in den Herbstmonaten höhere Umsätze gegenüber den Wintermonaten. Daher war eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr zu erwarten.

Mittelfristig scheint es uns möglich, mit den zusätzlichen Frequenzen die Ertragslage der Gotthard Raststätte zu verbessern.
Daniel Kaufmann, CEO Gotthard Raststätte

Gerade die internationale Kundschaft hat sich in den letzten Jahren beim Konsum zurückhaltender gezeigt. Von welchen Trends im Reiseverhalten ist die Gotthard Raststätte generell abhängig?

Das internationale Umfeld hat direkten Einfluss auf unseren Geschäftsgang. Der zurückhaltende Konsum der internationalen Kundschaft hängt direkt mit der Entwicklung des Eurokurses in den letzten 10 Jahre zusammen. Eine Erholung ist mittelfristig nicht in Sicht.

In wieweit politische Entwicklungen einen Einfluss haben, lässt sich schwer beurteilen. Die Terroranschläge der vergangen Jahre könnten dazu geführt haben, dass weniger geflogen wurde. Dies hat sich kurzfristig positiv auf unsere Ertragslage ausgewirkt. Im vergangenen Jahr hat sich das Blatt jedoch bereits wieder gewendet und Flugreisen waren wieder im Trend. Die Eröffnung des Neat Basis-Tunnels hat zudem zu einer leichten Verlagerung vor allem der kaufkräftigen Kundschaft auf die Schiene geführt. Bei den Autobahnfrequenzen beobachten wir im Freizeit- und Individualverkehr ein Wachstum von 1-1.5% im Jahr. Mittelfristig scheint es uns möglich, mit den zusätzlichen Frequenzen die Ertragslage der Gotthard Raststätte zu verbessern.

Wie wichtig ist der Preisfaktor? Ist es nicht so, dass vielen Reisenden der Konsum und die Dienstleistungen auf einer Raststätte einfach zu teuer sind?

Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel und für die internationale Kundschaft grundsätzlich sehr teuer. Unsere ausländische Kundschaft ist daher sehr preisbewusst. Unsere Preispolitik gestalten wir daher sehr vorsichtig. Verglichen mit unseren Mitbewerbern sowie Bahnhöfen und Flughäfen sind unsere Preise sehr moderat. Mit der Preispolitik der grossen Detailhändler können wir nicht mithalten. Wir setzen auf hohe Qualität bei den Dienstleistungen und der Infrastruktur. Der Gast soll sich bei uns rundum wohlfühlen, die Natur und die Ruhe geniessen. Wir sind zuversichtlich, dass diese Strategie aufgehen wird und wir damit Erfolg haben.

Alle Elektrofahrzeuge – einschliesslich Tesla – mit allen gängigen Steckertypen können bei uns geladen werden. Wir sind in der Schweiz mit Abstand der grösste und umfassendste Anbieter.

In der E-Mobilität sind Reichweite, Tankstellennetz und leistungsfähige Ladesäulen ent-scheidende Faktoren. Welche Möglichkeit bieten sich nach dem Neubau der Elektrotankstelle Reisenden nach Nord und Süd?

Die Gotthard Raststätte A2 Uri AG hat im Sommer letzten Jahres Schnellladestationen auf beiden Seiten der A2 in Erstfeld erstellt und in Betreib genommen. Unsere Raststätte weist im Moment vier ultraschnelle IONITY-Ladestationen und vier MOVE-Stationen pro Seite auf, total bieten wir auf unserem Areal 16 Ladestationen mit Reserven für vier zusätzliche Stationen. Alle Elektrofahrzeuge – einschliesslich Tesla – mit allen gängigen Steckertypen können bei uns geladen werden. Wir sind in der Schweiz mit Abstand der grösste und umfassendste Anbieter. Zudem werden unsere E-Ladestationen ausschliesslich mit URstrom aus Urner Wasserkraft beliefert. Mit der Erstellung dieser leistungsfähigen Ladestationen in beiden Fahrtrichtungen leistet die Gotthard Raststätte einen wichtigen Beitrag für die Versorgungssicherheit von Elektrofahrzeuge im Langstreckenverkehr. Eine Betankung einer Reichweite von 300km und mehr ist bei uns in 10 bis 15 Minuten möglich – gerade genug Zeit um eine Kaffeepause einzulegen.

Diesen Sommer wird die Raststätte Stalvedro in Airolo wegen Umbaus geschlossen bleiben. Wie stark wird die Gotthard Raststätte davon profitieren?

Die Raststätte Salvedro in Airolo ist seit dem 1. April geschlossen. Wir stellen ein erhöhtes Gästeaufkommen fest. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich jedoch noch nicht sagen wie stark wir davon profitieren werden.

„Mit der Übernahme des „Uristier“ wollen wir den Geschäftsbereich Gastronomie stärken und Synergien nutzen.“

Das Seerestaurant in Seedorf erreichte im letzten Jahr einen Rekordumsatz von 1,15 Mio Franken. Ist damit das Maximum erreicht?

Wir haben mit der Erstellung eines attraktiven Spielplatzes sowie in die Erneuerung des Restaurants gezielte Investitionen getätigt. Mit einem attraktiven Angebot und gelebter Gastfreundschaft ist es uns gelungen die Umsätze im Seerestaurant in Seedorf innert fünf Jahren um 50% zu steigern. Im vergangenen Jahr hat das lang anhaltend schöne Wetter sicher auch dazu beigetragen diesen Rekordumsatz zu erreichen. Eine weitere Umsatzsteigerung, wenn auch nicht in diesem Ausmass scheint uns noch möglich.

Per 1. Juni 2019 wird die Gotthard Raststätte Pächterin im „Zum Schwarzen Uristier“ in Altdorf. Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Engagement?

2015 haben wir entschieden, uns von der MYSTOP Beteiligungsgesellschaft zu trennen und auf die Entwicklung des Standortes Uri zu konzentrieren. Der Geschäftsgang der Gotthard Raststätte ist starken saisonalen Schwankungen ausgesetzt und unmittelbar abhängig von der Frequenzen auf der A2. Mit der Übernahme des neuen Betriebes wollen wir den Geschäftsbereich Gastronomie stärken und Synergien nutzen. Mit dem grossen Uristiersaal verfügen wir über die Möglichkeit, Veranstaltungen mit bis zu 400 Personen durchzuführen. Viele Veranstaltungen finden im Winterhalbjahr statt. Dies ermöglicht uns eine bessere Auslastung unserer fachlichen und personellen Ressourcen. Gleichzeitig sehen wir eine gewisse Nachfrage für Caterings in der Region.

Herr Kaufmann, besten Dank für das Interview.

Zur Person:

Position
– Vorsitzender der Geschäftsleitung (CEO)
– Leiter Profitcenter Gastronomie

Ausbildung
– Handelsschule Feusi, Interlaken
– dipl. Hôtelier-Restaurateur HF
– Hotelfachschule Belvoirpark, Zürich
– CAS Betriebswirtschaft, Hochschule Luzern – Wirtschaft

Beruflicher Hintergrund
– Leiter Catering, Mitglied der Geschäftsleitung, Grand Casino Luzern Gastro AG
– Leiter Publikumsgastronomie, Swissporarena, Luzern

 
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Zusätzliche Informationen zur Gotthard Raststätte A2 Uri AG wie

  • aktueller Kurs
  • Kursverlauf
  • Unternehmensporträt
  • und vieles mehr
finden Sie bei der Zürcher Kantonalbank hier…  

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