Hans-Peter Domanig, VR-Präsident Priora Suisse AG, im Interview

Hans-Peter Domanig, VR-Präsident Priora Suisse AG, im Interview
Hans-Peter Domanig, Präsident des Verwaltungsrats Priora Suisse AG

Von Karin Bosshard

Moneycab.com: Sie sind seit den Anfängen von Priora im 2010 mit dabei, zuerst als CEO, jetzt als Verwaltungsratspräsident. Wie würden Sie diese acht Jahre in wenigen Sätzen zusammenfassen?

Hans-Peter Domanig: Die Faszination, ein neues Unternehmen zu entwickeln, prägte mein und unser Vorgehen. Wir konzentrierten uns auf die Immobilien-Branche: Wir hatten den Ehrgeiz, unsere Arbeit zu perfektionieren, ein bedeutender Mitbewerber im Immobilien- und Bausektor zu werden, dass ist uns auch gelungen. Im für uns richtigen Zeitpunkt verkauften wir dann letztes Jahr den Immobilien- und Facility Management-Teil, um uns auf neue unternehmerische Felder zu fokussieren. Diese von langer Hand definierte Strategie haben wir eins zu eins umgesetzt.

«First District ist aufgrund der Dimension des Projekts das grösste Baufeld der Schweiz – eine grosse Herausforderung für uns alle!»

Hans-Peter Domanig, Präsident des Verwaltungsrats Priora Suisse AG

Priora will sich künftig auf die Immobilienentwicklung rund um den Zürcher Flughafen – Sie haben dafür den Brand «First District» kreiert – sowie neue internationale Beteiligungen konzentrieren, hiess es in einer Medienmitteilung im letzten Jahr. Wo stehen Sie heute, rund 16 Monate danach?

«First District» ist aufgrund der Dimension des Projekts das grösste Baufeld der Schweiz – eine grosse Herausforderung für uns alle! Hier entsteht an einer der attraktivsten Stellen Europas und vor den Toren der Stadt Zürich eine Art neue Stadt, wir nennen sie «Airport City». Sie wird der Ort von primärer Bedeutung werden, welcher sich am strategisch wichtigen Punkt als Scharnier zwischen Flughafen und Stadt positioniert. Das neue Hauptgeschäft, neue internationale Beteiligungen, entwickeln wir sorgfältig. Wir prüfen Möglichkeiten und Angebote – und entscheiden.

«Wir suchen Firmen mit attraktivem Zukunfts- und Wachstumspotential.»

«Für die Zukunft haben wir eine breitere Diversifikation des Portfolios im Fokus.» steht auf Ihrer Website. Können Sie uns einen Einblick in Ihre Diversifikation gewähren?

Wie gesagt: wir investieren in Unternehmen mit dem erwähnten Zukunfts- und Wachstumspotential. Als privates Unternehmen sind wir zurückhaltend in der Kommunikation.

Wir setzen auf Investitionen mit hohen Wachstumserwartungen – in unterschiedlichen Branchen und Industrien. Als private Gesellschaft schätzen wir die Diskretion – wir freuen uns am Erfolg unserer unternehmerischen Aktivitäten still und ohne grosses Aufheben zu machen.

Wie verläuft das Geschäft in den Bereichen Immobilien und Hotels?

Tourismus ist weltweit betrachtet eine Wachstumsbranche – deshalb interessiert uns dieser Bereich sowohl international wie national. Bergtourismus in der Schweiz ist zweifellos ein schwieriges Geschäft: Im globalen Konkurrenzkampf sind deshalb profilierte, originelle Investitionen notwendig. 7132Hotel in Vals ist ein solches Beispiel. Wir gelten heute in der Branche als ein Modell für edle Gastwirtschaft in den Alpen

«Tourismus ist weltweit betrachtet eine Wachstumsbranche – deshalb interessiert uns dieser Bereich sowohl international wie national.»

Was macht der Bereich Facility Management für Priora so attraktiv?

Wir sind erfahrene unternehmerische Experten und Praktiker auf dem Feld des Facility Management; hinzukommt: wir kennen die Verhältnisse und Ansprüche in Dubai sehr genau. Wir wissen welche Leistungen wir bringen müssen, um erfolgreich zu sein. Entsprechend bleiben wir am Puls der technischen Entwicklung.

Wenn sämtliche Bereiche auf Kurs sind, was heisst das in Zahlen ausgedrückt?

Als private Firma reden wir nicht über Zahlen. Nur soviel: wir sind so aufgestellt, dass wir neue Initiativen schnell und praktisch umsetzen können!

Rechnen Sie damit, dass sich Ihr Unternehmen gleich positiv weiterentwickeln wird?

Ja, sicher; das ist unsere Ambition und unser Ziel. Der Erfolg wird uns Recht geben.

Gutes Geld verdienen konnte man im vergangenen Jahrzehnt mit der Projektentwicklung, denn die Nachfrage ergab sich automatisch durch die hohe Zuwanderung. Wie beurteilen Sie die heutige Situation?

Die Situation ist sicher schwieriger geworden. Deshalb entschieden wir uns auch für neue internationale Wachstums-Projekte ausserhalb der Schweiz.

«Wir gehen davon aus, dass die Bau- und Immobilienbranche in der Schweiz ihren Peak erreicht hat.»

Fragt man in der Branche herum, äussern sich fast alle Marktteilnehmer noch optimistisch für das laufende Jahr, rechnen dann aber mit einer Abflachung der Konjunktur. Könnte eine Krise nach einem Jahrzehnt Hochkonjunktur gut tun?

Eine Krise wünscht sich niemand. Wir gehen aber davon aus, dass die Bau- und Immobilienbranche in der Schweiz ihren Peak erreicht hat.

Sind Sie für eine solche Krise gewappnet?

Ja, denn wir sind jetzt breiter aufgestellt – über die Immobilienbranche und die Schweiz hinaus.

Welche Faktoren lassen Sie für Ihr Geschäft optimistisch bleiben?

Eine seriöse Finanzierung, wachstumsorientierte Investitionen und ein gründlich überlegtes praktisches Vorgehen prägen die Kultur von Priora.

Die Priora Holding gehört dem Bündner Immobilienunternehmer Remo Stoffel, der immer wieder einmal mit aussergewöhnlichen Bau-Projekten für Furore gesorgt hat. Welche Stichworte prägen Ihre Zusammenarbeit?

Remo Stoffel ist ein innovativer, junger Unternehmer. Unabhängigkeit und Eigenständigkeit sind für ihn wichtige Werte – und natürlich seine Ideenvielfalt. All dies prägt unsere enge Zusammenarbeit seit vielen Jahren.

«Wir gehen weiter unseren Weg als privates Unternehmen und wir werden auch in Zukunft für positive Überraschungen sorgen.»

Bei der Fusion von Priora Suisse AG und der Priora Holding AG zeigte sich, so die Recherchen von SRF, dass die Priora Suisse AG mit über 200 Millionen Franken überschuldet ist. Was bedeutet das für Ihre weiteren Pläne?

SRF bezieht sich auf einen Einzelabschluss nach OR, darin sind die Aktiven konservativ zum Buchwert bewertet. Priora verfügt über eine solide Finanzlage.

Die Ergebnisse solcher Recherchen, wie Sie es erwähnen, haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Und unsere Hausbanken wissen das – seit Jahren. Wir gehen weiter unseren Weg als privates Unternehmen und wir werden auch in Zukunft für positive Überraschungen sorgen.

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