Urs Riedener, CEO Emmi, im Interview

Urs Riedener
Emmi-CEO Urs Riedener. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Riedener, die Stärkung der Präsenz im Ausland ist eine tragende Säule der Strategie von Emmi. Welche Bedeutung hat dabei der Zusammenschluss der chilenischen Emmi-Gesellschaft Surlat mit dem Mitbewerber Quillayes?

Urs Riedener: Wir wollen nicht auf möglichst vielen Märkten aktiv sein, sondern dort, wo wir präsent sind, eine starke Position einnehmen. Mit dem Zusammenschluss von Surlat und Quillayes sind wir in Chile die Nummer vier der Branche und verfügen über ein breites Produktsortiment. Mit dieser Aufstellung sollte sogar eine Position unter den ersten drei in greifbarer Nähe liegen.

Was macht den lateinamerikanischen Markt für Emmi besonders interessant?

Es sind einerseits Wachstumsmärkte, andererseits sind sie was den Konsum von Milchprodukten angeht schon relativ weit entwickelt und den europäischen Märkten somit gar nicht so unähnlich. Es besteht eine wachsende Nachfrage nach Frischprodukten und Käse ist im täglichen Konsum verankert. Das sind Produktsegmente, die wir gerne entwickeln, wo wir mit unserem Know-how etwas bewirken können.

„Wir gehen davon aus, dass das Abkommen mit Mercosur unsere Exportmöglichkeiten für Schweizer Käse verbessert.“
Urs Riedener, CEO Emmi

Emmi exportiert schon lange nach Brasilien und hat zuletzt seine Beteiligung an der Molkerei Porto Alegre auf 70% ausgebaut. Was versprechen Sie sich vom Freihandelsabkommen der Schweiz mit den Mercosur-Staaten?

Wir gehen davon aus, dass das Abkommen mit Mercosur unsere Exportmöglichkeiten für Schweizer Käse verbessert. Bei Porto Alegre in Brasilien liegt der Fokus ganz klar auf den lokal hergestellten Produkten, vor allem in Minas Gerais. Schweizer Exportprodukte verkaufen sich vor allem in den Grossstädten, wo Konsumenten teilweise über eine hohe Kaufkraft verfügen. Unsere Tochtergesellschaft kann uns mittelfristig hoffentlich neue Vertriebskanäle öffnen.

Haben Sie weitere Übernahmekandidaten im Visier?

Wir bewirtschaften seit Jahren eine „longlist“ von Unternehmen, die für uns grundsätzlich interessant wären. Diese Firmen könnten strategisch zu Emmi passen, entweder indem sie uns in einem Bereich verstärken, in dem wir bereits aktiv sind oder indem sie uns ideal ergänzen. Namen kann ich hier natürlich nicht nennen.

„Kein einzelner Markt nimmt eine annähernd so wichtige Position ein wie die Schweiz.“

Der Strategie entspricht auch, dass der Umsatzanteil des Auslandgeschäfts über demjenigen des Heimmarkts (48,7%) liegt. Wie wird sich dieses Verhältnis bei einer anhaltend anspruchsvollen Situation auf dem Heimmarkt entwickeln?

Anhand der Entwicklung der letzten Jahre ist ja ersichtlich, dass es auf unserem Heimmarkt Schweiz schon eine Leistung ist, wenn man den Umsatz halten oder minimal steigern kann. Es herrscht ein starker Preisdruck und der Markt ist mengenmässig gesättigt. Im Ausland hingegen konzentrieren wir uns auf spannende Nischen und Wachstumsmärkte. Die logische Folge davon ist, dass der Umsatzanteil des Auslandgeschäfts zunehmen wird. Es gibt dazu aber zwei Bemerkungen, die mir noch wichtig sind: erstens hat es im Auslandumsatz auch einen nicht zu verachtenden Schweizer Umsatz und zwar durch Schweizer Exporte. Und zweitens ist die Schweiz mit fast 50 Prozent Umsatzanteil der mit Abstand wichtigste Markt. Die restlichen 50 Prozent verteilen sich ja auf einige Märkte. Kein einzelner Markt nimmt also eine annähernd so wichtige Position ein wie die Schweiz.

Emmi hat sich operativ im ersten Halbjahr in einem rauhen Umfeld bewegt. Wie macht sich dieses bemerkbar?

Wir haben je nach Land und Marktsegment unterschiedliche Herausforderungen. In der Schweiz und den umliegenden Ländern haben wir grossen Druck auf die Preise und es herrscht ein Verdrängungskampf. Unsere Wachstumsmärkte wachsen zwar, aber dafür sind sie insgesamt etwas volatiler. Das betrifft insbesondere das politische und wirtschaftliche Umfeld. Das spüren wir beispielsweise am Konsum, aber auch an der Wechselkurssituation.

Der Umsatz in Franken war ruckläufig, bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte nahm er um 1,6% zu. Die Gewinnprognose wurde bestätigt, das Umsatzziel aber leicht nach unten angepasst. Welche Risiken bestehen?

Wir haben derzeit in einigen wichtigen Märkten ein paar relevante Unsicherheiten. Wie entwickelt sich der Euro? Wie geht es in Grossbritannien weiter? …

Dem Kostendruck begegnen Sie unter anderem mit hochmargigen Nischenprodukten. Was hat sich hier in der ersten Jahreshälfte getan?

Der Sortimentsmix hat sich weiter verbessert. Deshalb konnten wir unsere Bruttomarge steigern.

„Ganz generell gibt es auf dem Schweizer Käsemarkt auch einfach einen grossen Druck durch die steigenden Käseimporte, die auch die Preise unter Druck setzen.“

Während der Umsatz der Molkereiprodukte anstieg, war das Käse-Geschäft in der Schweiz rückläufig. Was waren die Gründe?

Der Rückgang betraf primär die sogenannten Sortenkäse. Das sind die bekannten Schweizer Käse wie beispielsweise Emmentaler AOP. Diese stellen wir teilweise selber her, in der Regel sind wir aber hier lediglich Händler. Wir vermitteln diese Käse von den kleinen Dorfkäsereien zu unseren Kunden. Ganz generell gibt es aber auf dem Schweizer Käsemarkt auch einfach einen grossen Druck durch die steigenden Käseimporte, die auch die Preise unter Druck setzen. Wir konnten in diesem Segment aber auch positive Entwicklungen vermelden. Bei den Emmi Marken wie Luzerner Rahmkäse, Scharfer Maxx oder Le Petit Chevrier können wir gute Fortschritte ausweisen.

War Emmi Caffè Latte auch in H1 2019 der Emmi-„Blockbuster“?

Ja. Emmi Caffè Latte ist wirklich eine fast schon unendliche Erfolgsgeschichte. Sowohl in ausländischen Märkten wie Spanien, Deutschland, England, Belgien, Österreich aber auch – 15 Jahre nach Lancierung – in der Schweiz.

Das Geschäft mit „kaltem Kaffee“ boomt. Von welchen Wachstumsraten gehen Sie in den kommenden Jahren aus?

Wir sind in den vergangenen Jahren meist hoch einstellig gewachsen. Als Original und Qualitätsführer in Europa sollten wir in der Lage sein, diesen Trend mindestens aufrecht zu halten. Dass nun neue Konkurrenten in den Markt drängen, wird die Kategorie weiter wachsen lassen.

Herr Riedener, wir bedanken uns für das Interview.

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