Artur P. Schmidt: Das Schweizer Ermächtigungsgesetz

Schlacht bei Murten

Moneycab-Kolumnist Artur P. Schmidt empfiehlt der Schweiz, sich an die Schlacht von Murten (1476) zu erinnern.

Von Artur P. Schmidt

Aushebelung des Marktes
Wurden die Schweizer jetzt in einer Millisekunde 10 Prozent ärmer oder aber wird die Festsetzung des Wechselkurses auf 1,20 Franken zum Euro ihrer Wirtschaft neue Wachstumsimpulse verleihen? Nun, die Wahrheit ist, dass die Schweiz schon lange unter dem starken Franken leidet und dass sich Ihre Wirtschaft bis jetzt wie zuvor in den 80er Jahren die bundesdeutsche Wirtschaft mit der starken D-Mark erstaunlich gut diesen Verhältnissen angepasst hat. Wachstumsimpulse kommen nicht allein von einer wettbewerbsfähigen Währung, sondern vor allem von innovativen Unternehmen, die ihre Produkte wegen ihrer Überlegenheit zu einem höheren Preis anbieten können. Und hier schneidet die Schweiz immer noch sehr gut ab und es wäre auch möglich bei dem bisher undenkbaren Wechselkurs von 0,80 Franken zum Euro, d.h. einer weiteren Abwertung des Euro um 20 Prozent gegenüber einer Parität wettbewerbsfähig zu bleiben. Man unterschätzt die Unternehmen, wenn man glaubt, nur die Ausserkraftsetzung der Marktmechanismen würde eine Lösung bringen. Deshalb kann die These aufgestellt werden, je mehr die Schweizerische Nationalbank (SNB) aufwertet, desto geringer wird der Wettbewerbsdruck auf die Schweizer Unternehmen werden.

Zwangsheirat mit der EU

Sieht man die Ereignisse von Seiten der Europäischen Union (EU), so wurde die Schweiz am Dienstag quasi sturmreif für den Euro geschossen. Als Deutscher, der seit Jahren in der Schweiz lebt, tut es einem in der Seele weh mitzuerleben, wie sich eine Nation an eine Währung bindet, deren Abwertungspotenzial gegenüber anderen Hartwährungen, zu denen der Schweizer Franken seit Dienstag nicht mehr gehört, nahezu grenzenlos erscheint. Was das Schweizer Volk bisher nicht realisiert hat ist, dass der Nationalbankpräsident am Dienstag quasi den Anschluss der Schweiz an den Euroraum beschlossen hat, und damit das Schweizer Volk quasi über die Hintertür in die Europäische Union führen will. Ein solcher Beitritt muss unter den aktuellen Konstellationen jedoch ganz im Sinne Kants kategorisch abgelehnt werden. Solange Griechenland total pleite, Portugal nahezu pleite, Spanien fast pleite, Italien möglicherweise pleite, Frankreich bald pleite und Deutschland zukünftig pleite ist, kann ein solcher Beitritt nicht vollzogen werden. Eine Bindung des Schweizer Franken an den Euro als angebliche Hilfe für die Wirtschaft ist nichts anderes als ein Staatsstreich, der in der Wirtschaftsgeschichte seinesgleichen sucht. Die Begründungen sind nicht stichhaltig und genauso vage wie das, was die Märkte daraus machen werden.

Der Exodus einer Hartwährung

Um den Franken an den Euro zwanghaft zu koppeln, wird es in Bälde einen solchen Überhang an Franken geben, dass es zu neuen riesigen Blasen im Alpenstaat kommen wird. Der Schweizer Immobilienmarkt und Schweizer Anleihen scheinen die Topkandidaten hierfür zu sein, die von dieser Geldflut massiv beeinflusst werden. Noch ist es ruhig in den Kantonen, was jedoch heute geschah, ist nichts anderes als eine Entmündigung der helvetischen Demokratie. Es ist ein Ausserkraftsetzen derjenigen Prinzipien, die die Schweiz gross gemacht haben. Ein ehemaliger Hedgefonds-Manager wird hiermit zum Statthalter eines postmodernen Geld-Darwinismus, der nichts anderes darstellt als ein Ermächtigungsgesetz für den Beitritt zur Europäischen Union. Doch wehret den Anfängen, denn Hildebrand ist durch eine wahrhaft hohle Gasse gekommen. Die Schweiz sollte sich jetzt an die Schlacht bei Murten besinnen, jetzt geht es darum, dass die Schweizer aufstehen und sich erheben gegen die Enteignung der Bürgers durch das Verwässern ihrer Währung. Es bleibt zu hoffen, dass die Schweizer Politiker, allen voran der Bundesrat, erkennen, dass die angebliche Lösung keine Lösung ist, sondern den Untergang der Schweiz als autonomes neutrales Land einleitet.

Beraubung der Freiheit
Wer seine Währung aufgibt, gibt seine Identität auf, wir Deutsche mussten dies leidvoll erleben, denn wir wurden nie gefragt, ob wir eine neue Währung wollen. Diese ist bis heute nicht demokratisch legitimiert. Dass ausgerechnet das Land der Basisdemokratie, die Schweiz, sich an eine Schwachwährung koppelt, war zwar angekündigt und deshalb leider zu erwarten, aber dies macht die Entscheidung weder nachvollziehbar noch sinnvoll. Liebe Schweizer, erhebt euch, steht auf, erinnert euch an Wilhelm Tell und geht auf die Barrikaden. Heute hat man euch eurer Freiheit beraubt und glaubt mir, Schiller hat sich heute in seinem Grabe gedreht. Die Bankster der Schweizerischen Nationalbank haben euch heute, liebe Schweizer, entmündigt und die Politiker damit ermächtigt, euch zu enteignen. Wenn Michael Mross von mmnews von einem Übergang in die Planwirtschaft spricht, so ist diese Aussage fast zu harmlos. Die heutige Entscheidung ist im Grunde genommen totalitär, ja sie ist geradezu eine Konterrevolution gegen das eigene Volk. Nicht mehr das Volk trifft jetzt die Entscheide in der Schweiz, geschweige denn die Politik, sondern die höchste Elite der Bankster hat die Macht übernommen. Die Bürgerenteignung der Schweizer ist seit heute Realität, denn es gibt nichts Schlimmeres für den Werterhalt von Anlagen, als den Machtspielen von Notenbankern ausgesetzt zu sein. Der Murten-Moment in der Schweiz wird kommen und dieser könnte alles andere als friedlich ausgehen, denn niemand kann ein Volk ungestraft enteignen.

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Über Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».
Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com, www.wallstreetcockpit.com, www.futurescockpit.com und www.optioncockpit.com sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH. Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen.

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