Bäume zurück aufs Feld

Feld-Bewirtschaftung

Moderne Agroforstsysteme lassen sich mit Maschinen bewirtschaften. (Foto: F. Liagre)

Zürich – Bäume verschwinden mehr und mehr von bewirtschafteten Wiesen und Äckern. Dabei ist die Kombination von Forst- und Ackerbau nicht nur umweltfreundlich, sondern kann sogar rentabel sein. Um Nutzen und Vorteile bekannter zu machen, haben die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART und AGRIDEA nun die Interessengemeinschaft „Agroforst“ gegründet.

Obstbäume auf grünen Wiesen – dieses Bild prägt die Kulturlandschaft der Schweiz bis heute. Doch während der letzten fünfzig Jahre sind 80 Prozent der Bäume verschwunden. Die traditionellen Hochstamm-Obstbäume auf bewirtschafteten Flächen gelten bei vielen Landwirten als unproduktiv und unrentabel. Das könnte sich mit neuen Formen des kombinierten Obst- und Ackerbaus ändern. So genannte Agroforstsysteme  lassen sich mit modernen Maschinen rationell bewirtschaften und sind bei richtiger Planung rentabel. Darüber hinaus fördern sie die Artenvielfalt und bewahren das typische Landschaftsbild.

Interessengemeinschaft Agroforst gegründet
Um Agroforstsysteme bekannter zu machen, hat Agroscope Reckenholz-Tänikon ART gemeinsam mit AGRIDEA die Interessengemeinschaft „Agroforst» gegründet. Deren Ziel ist es, den Austausch zwischen LandwirtInnen, BeraterInnen und ExpertInnen zu fördern, die nach alternativen Kombinationen von Hochstamm-Bäumen mit landwirtschaftlichen Unterkulturen suchen.  In modernen Systemen werden die Bäume in Reihen mit grösseren Abständen dazwischen angepflanzt. Dadurch ist es möglich, das Feld wie gewohnt mit Maschinen zu befahren. Geeignet sind beispielsweise Obst- oder Nussbäume. Letztere können gleichzeitig zur Wertholzproduktion genutzt werden. Als Unterkultur kommen sowohl Getreide als auch Futterpflanzen in Frage.

Rentabel und umweltfreundlich
Um die Wirtschaftlichkeit solcher Anbausysteme zu prüfen, hat Agroscope ART computergestützte Modellrechnungen durchgeführt. Diesen zufolge kann je nach Baumart und Anzahl, Nutzung des Ackers und Höhe von Direktzahlungen nach 3 bis 16 Jahren die Gewinnschwelle erreicht werden. Allerdings muss langfristig kalkuliert werden. Bei der Produktion von Wertholz lässt sich beispielsweise erst nach circa fünfzig Jahren mit ersten Erlösen rechnen. In der Zwischenzeit kann jedoch durch die Unternutzung und durch ökologische Direktzahlungen Einkommen erzielt werden.

Wichtige Umweltbeiträge

Landwirtinnen und Landwirte, die Agroforstsysteme nutzen wollen, sollten sich jedoch nicht ausschliesslich an wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren. Die Bäume leisten auch wichtige Umweltbeiträge: sie schützen den Boden vor Erosion, binden klimaschädliches Kohlendioxid, fördern die Artenvielfalt und spenden Schatten für Mensch und Vieh. Die Interessengemeinschaft (IG) Agroforst wurde am 16. März 2011 in Olten gegründet. Beteiligt waren 40 Personen aus der Beratung, von kantonalen Stellen und aus der Forschung (unter anderem der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft SHL, der ETH Zürich, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL und der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART) sowie aus der land- und forstwirtschaftlichen Praxis. (ART/mc/ps)

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