Bernhard Bauhofer: Reputationskrisen made in Germany

Bernhard Bauhofer

Bernhard Bauhofer, Founder & Managing Partner von Sparring Partners.

Was ist los mit unseren, für ihre Korrektheit bekannten Nachbarn? In regelmässigen Abständen beliefern deutsche Prominente die Medien mit Skandalen.

Von Bernhard Bauhofer, Founder & Managing Partner von Sparring Partners

Das Plagiieren wurde nicht nur dem ehemaligen Verteidigungsminister und Selbstdarsteller Theodor zu Guttenberg zum Verhängnis, sondern zwang auch die graue Maus und damalige Bildungsministerin Annette Schavan zum Rücktritt. Vom Liebkind zur Persona non grata – auch FC Bayern Präsident und Saubermann Uli Hoeness schmerzte die Abwendung von Kanzlerin Angela Merkel, die ihrem Ruf der “kalten Vollstreckerin” einmal mehr gerecht wurde.

«Der selbstverschuldete Absturz von Hoeness ist eine persönliche Tragödie, verlief er doch synchron mit dem von ihm so herbeigesehnten Aufstieg seines FC Bayern.» Bernhard Bauhofer

Unwiderruflich zerstört hingegen scheint der Ruf des Fussballpatrons. „Innerhalb eines Momentes befand ich mich auf der anderen Seite der Gesellschaft” wurde Hoeness zitiert. Der selbstverschuldete Absturz von Hoeness ist eine persönliche Tragödie, verlief er doch synchron mit dem von ihm so herbeigesehnten Aufstieg seines FC Bayern in den internationalen Fussball-Olymp und er bestätigt die Reputationsweisheit des Starinvestors Warren Buffet: “Es dauert Jahre, um sich eine Reputation aufzubauen und nur einen Augenblick um sie zu zerstören.” Zudem hätte der sich als Zocker geoutete Hoeness wohl auch auf den Immobilienmogul Donald Trump gehört: “You can lose money, but never lose your reputation.”

Schlussendlich tappte noch Horst Tappert, TV-Kommissar Derrick, post mortem in die Reputationsfalle. Er soll im wahren Leben auf der Seite der Bösen gestanden und der Waffen SS gedient haben. Dass ihm der Titel “Ehrenkommissar der bayerischen Polizei“ aberkannt werden soll, wird ihn nicht mehr stören. Einzig seine Angehörigen müssen mit der Schande leben.

«Anders als die skandalgeilen Deutschen winken die gelassenen Schweizer gelangweilt ab.»

Während in Deutschland die Reputationsskandale toben, die Öffentlichkeit und Medien über Monate in Bann halten und Futter für TV-Talkshows geben, geht es in der Schweiz vergleichsweise bedächtig zu. Der Fall Christoph Mörgeli – als Professor an der Uni Zürich soll er über ein Dutzend fragwürdige Doktortitel durchgewinkt haben – wirkt dabei wie ein Skandälchen. Auf der Suche nach Reputationssündern müssen Medien immer wieder auf die Banken und die bösen Banker zurückgreifen. Haben Schweizer also eine bessere Reputation als die Deutschen? Wohl eher profitieren exponierte Schweizerinnen und Schweizer von dem weitverbreiteten Respekt vor der Privatsphäre, zurückhaltenden Medien und einer unaufgeregten Stimmung im Volk. Anders als die skandalgeilen Deutschen winken die gelassenen Schweizer gelangweilt ab.

Doch in Sicherheit sollte man sich deshalb noch lange nicht wiegen, denn die Toleranz gegenüber „kleinen“ Vergehen sinkt auch hierzulande. Und für Personen des öffentlichen Interesses gibt es schon gar kein Pardon mehr. Die Nachricht, dass ein Schweizer Diplomat im Juni 2011 in einem Fitness-Club in Priština einen Müsliriegel geklaut haben soll, machte in Windesweile die Medienrunde, obgleich der Mann am darauffolgenden Tag seine Schulden aus eigenem Antrieb beglichen haben soll. Pech nur, dass das Internet nicht vergisst. Noch heute kann man sich den Akt auf Youtube mit voyeuristischer Genüsslichkeit reinziehen. (SP/mc/hfu)

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