Corporate Governance stagniert trotz einiger Fortschritte

Michael Otte

Michael Otte, scheidender zRating-CEO. (Foto: zRating)

Zürich – Die Corporate Governance der Schweizer börsenkotierten Unternehmen hat im vergangenen Jahr trotz einiger Fortschritte stagniert. Insbesondere bei den Vergütungssystemen habe es in Folge der Umsetzung der Minderinitiative (VegüV) Verbesserungen gegeben, bescheinigt eine Studie des Aktionärsdienstleister zRating den heimischen Publikumsgesellschaften. Trotzdem gleiche die Situation mit den Themen Aktienrechtsrevision, «one share – one vote» wie im Fall Sika, Opting-Out Klauseln, oder der Diskussion um eine Frauenquote einer Baustelle, sagte der scheidende zRating-CEO Michael Otte bei der Vorstellung der Studie am Dienstag in Zürich.

Das durchschnittliche Rating gemäss der Studie stagnierte mit 67 Punkten nach 68 Punkten im Vorjahr. Die höchste Punktzahl erreichte Forbo mit 84 Punkten, gefolgt vom Vorjahres-Spitzenreiter Geberit (83 Punkten) sowie Ascom (82 Punkte). Am Ende der Rangliste liegen die Brokergesellschaft Compagnie Financière Tradition (41 Punkte), die Beteiligungsgesellschaft Pargesa (44 Punkte), der Detailhändler Dufry (48 Punkte) und der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli (49 Punkte). All diese Firmen erfüllen die Corporate-Governance-Standards von zRating nur unzureichend.

Gegenüber 2014 mussten infolge des Inkrafttretens der VegüV-Bestimmungen sowie der Revision diverser Regelwerke inhaltliche Anpassungen bei der Erhebung der Studie vorgenommen werden, wodurch die Vergleichbarkeit nur bedingt möglich ist. Insgesamt wurden 165 (VJ 150) Gesellschaften des SMI und SPI auf 62 Kriterien geprüft, wobei die maximal mögliche Punktzahl 100 beträgt.

Mehr Transparenz bei Vergütungssystemen
Insbesondere in der Bankbranche hätten sich nachvollziehbare Vergütungssysteme durchgesetzt, heisst es weiter. Auch bei anderen Unternehmen habe sich die Transparenz beim Ausweis und dem Erklären der Vergütungsmodelle klar erhöht. Das meist angewandte Modell mit rund 72% der Firmen ist das sogenannte prospektive Modell, bei dem die Generalversammlung die maximale Vergütungen des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung für die kommende Amtsperiode festlegt und dann im Folgejahr konsultativ über den Vergütungsbericht abstimmt. Das retrospektive Modell, das bei rund 28% der Firmen Anwendung findet wird z.B. bei der UBS, Credit Suisse oder Novartis angewandt.

Positiv wertet Otte die steigende Anwesenheit der Aktionärsstimmen an den Generalversammlungen. Im Durchschnitt seien 2015 an den GVs rund 64% der Aktionärsstimmen vertreten gewesen. Im fünf-Jahres-Vergleich sei das ein Plus von 8%, betont er. Die Verwaltungsräte der Schweizer Publikumsgesellschaften haben durchschnittlich 7 Mitglieder. Der grösste VR sei bei Richemont mit 18 Mitgliedern zu finden, der kleinste bei Progressnow mit einem.

Kein Marschhalt bei Aktienrechtsrevision
Die vom Bundesrat geplante Aktienrechtsrevision sehe zahlreiche Verbesserungen und mehr Rechte für die Aktionäre vor, so die Einschätzung von ZRating. So sei geplant eine Reihe von nötigen Stimm-Schwellen zu senken, was die Behandlung strittiger Themen an GVs erleichtert. Jedoch fehle es nach wie vor an einem aktionärsdemokratischen Fundament und die Thematik «one share – one vote» oder die Frage der Opting-Out Klauseln würden im aktuellen Entwurf gar nicht erst aufgenommen. Der Fall Sika zeige, dass Risiken oft erst erkannt würden, wenn es bereits zu spät sei, so Otte.

Die Geplante Frauenquote von 30% wird hingegen kritischer gesehen. Hier sollte die Qualifikation eine grössere Rolle spielen als eine Geschlechter-Quote. In den vergangenen Jahren habe sich der Anteil von Frauen in den Verwaltungsräten positiv entwickelt. Bei den zwanzig grössten kotierten Gesellschaften des SMI verdoppelte sich der Frauenanteil innert fünf Jahren auf 20%.

Bei zRating kommt es in Folge der Fusion mit der Ratingagentur Inrate zu einem Wechsel an der Spitze der Unternehmens. Neu übernimmt Philippe Leu als CEO die Leitung von Michael Otte. (awp/mc/ps)

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