Daniel Salzmann, CEO Luzerner Kantonalbank, im Interview

Daniel Salzmann, CEO Luzerner Kantonalbank, im Interview
Daniel Salzmann, CEO Luzerner Kantonalbank. (Foto: LUKB)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Salzmann, die Luzerner Kantonalbank hat in den ersten neun Monaten des Jahres einen Konzerngewinn von 151,8 Mio Franken erzielt, 3,2% mehr als im Vorjahr. Gerade in Anbetracht des herausfordernden Umfelds dürften Sie zufrieden sein…

Daniel Salzmann: Ja, wir sind auf Kurs für den angestrebten Jahresgewinn zwischen 199 und 205 Millionen Franken. Wir sind zuversichtlich, dass wir die langfristigen finanziellen Ziele der Strategieperiode 2016 bis 2020 erreichen werden. Unser Kundengeschäft läuft gut – sowohl im Bereich der Ausleihungen als auch bei den betreuten Kundenvermögen. Ausserdem tragen unsere Initiativen zur Verbreiterung der Ertragsstruktur im Kommissions- und Handelsgeschäft Früchte.

Im Zinsengeschäft konnte die LUKB trotz dem Negativzinsumfeld ein deutliches Plus von 5,5% erzielen. Wie ist das gelungen?

Wir haben in den vergangenen Jahren ein Geschäftsfeld mit kurzfristigen, sehr gut besicherten Krediten an ausgewählte Kunden aufgebaut, mit dem wir auch im anspruchsvollen Negativzinsumfeld Zusatzerträge erwirtschaften können. Das zeigt sich auch in unserem Zuwachs bei den Kundenausleihungen: Ein Grossteil unseres ausgewiesenen Ausleihungswachstums ist auf diese Geschäfte zurückzuführen. Die Wachstumsrate beim ordentlichen Neukreditgeschäft hat sich dagegen weiter abgeflacht.

Wie werten Sie den Nettoneugeldzufluss von 640 Mio Franken im bisherigen Jahresverlauf?

Hier muss man unterscheiden: Bei der Gewinnung von Neugeld in Form von Liquidität sind wir – wie andere Banken auch – aktuell zurückhaltend. Das gilt besonders bei Neukunden. Anders sieht es bei Neugeld in Form von Wertschriftenvermögen aus: Hier sind unsere Akquisitionsanstrengungen unverändert intensiv.

„Wir haben in den vergangenen Jahren ein Geschäftsfeld mit kurzfristigen, sehr gut besicherten Krediten an ausgewählte Kunden aufgebaut, mit dem wir auch im anspruchsvollen Negativzinsumfeld Zusatzerträge erwirtschaften können.“
Daniel Salzmann, CEO Luzerner Kantonalbank

Während Immobilienbesitzer von den tiefen Zinsen profitieren, erhalten Kunden auf ihren Konten praktisch keinen Zins mehr. Welche Empfehlungen geben Sie Sparern zum heutigen Zeitpunkt?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es ist sicher so, dass sich Investitionen in Wertschriften im Jahr 2019 bisher ausbezahlt haben. Ob und wie stark Kunden in Wertschriften anlegen sollen, hängt jedoch von der Risikofähigkeit, vom Risikoappetit, vom Anlagehorizont und den persönlichen Zielen jedes einzelnen Kunden ab. Diese Leitplanken für eine Anlagestrategie lassen sich nur mit einer individuellen Beratung festlegen.

Die Nachfrage nach Wohneigentum ist ungebrochen. Auch bei der LUKB stiegen die Hypothekarforderungen um 5,1%. Wie hoch ist die durchschnittliche Hypothek bei Ihrer Bank?

Die Wachstumsrate beim ordentlichen Neukreditgeschäft hat sich wie erwähnt abgeflacht. Unser Ausleihungswachstum ist ganz wesentlich auf den Ausbau von sehr gut besicherten und primär kurzfristigen Kreditgeschäften mit ausgewählten Kunden zurückzuführen. Der Belehnungsgrad der durch die LUKB finanzierten Wohnliegenschaften liegt bei rund 57 %. Basis ist hier nicht der Marktpreis, sondern die bankeigene Schatzung, die in der Regel ein gutes Stück tiefer liegt als der Marktpreis.

Ein knappes Angebot an Einfamilienhäusern und immer mehr Mietwohnungen auf dem Markt – präsentiert sich so auch im Kanton Luzern der Markt für Wohnimmobilien?

Das ist richtig. Die Leerwohnungsziffer im Kanton Luzern beträgt rund 1.5 % – sie hat sich innert neun Jahren mehr als verdoppelt. Wir stellen fest, dass Vermieter aktuell mehr Marketingmassnahmen und Zeit brauchen, um für ihre Wohnungen Mieter zu finden. Die grosse Anzahl an neuen Mietwohnungen übt zudem auch einen gewissen Druck auf die Mieten bei Altbauwohnungen aus.

„Unser Ausleihungswachstum ist ganz wesentlich auf den Ausbau von sehr gut besicherten und primär kurzfristigen Kreditgeschäften mit ausgewählten Kunden zurückzuführen.“

Die Digitalisierung geniesst als Teil der Unternehmensstrategie [email protected] hohe Priorität. Inwieweit sind Digitalisierungsprozesse mittlerweile im Immobilien/Hypothekarbereich implementiert?

Hier kann ich einerseits neue Services für Kunden und anderseits interne Prozessverbesserungen vermelden: Im März 2019 haben wir unsere neue Website aufgeschaltet. Diese bietet praktische Online-Services wie beispielsweise die Immobilien-Checks – das ist ein Online-Service zur Bewertung eines Immobilienstandortes und zur Einschätzung eines Immobilienwertes.

Intern haben wir unter anderem Zeitaufwand für die Verlängerung von Festhypotheken durch die elektronische Abwicklung auf ein paar wenige Minuten verringert. Weil es sich hier um einen Kernprozess unserer Bank handelt, ist der Effizienzgewinn beträchtlich.

Wie ist die LUKB generell digital unterwegs?

Aktuell lösen wir im E-Banking das Identifikationsverfahren (SMS-Code) bei der E-Banking-Anmeldung mit einem neuen Verfahren mittels LUKB-Key-App ab. Damit erhöhen wir die Sicherheit im E-Banking weiter, unter anderem durch die bewusste Nutzung von zwei verschiedenen Apps für das Login. Zudem verbessern wir die Funktionen in unserem E-Banking laufend, um unseren Kunden eine von Banköffnungszeiten unabhängige Selbstbedienung zu ermöglichen. Beispiele dafür sind die Übersicht und Bewirtschaftung von Debit- und Kreditkarten sowie das Bestellen von Fremdwährungen. Bereits 47’000 Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte über das Smartphone mit Hilfe unserer LUKB-E-Banking-App. Diese App vereinfacht u.a. mit dem eingebauten Belegscanner das Erfassen von Zahlungen im E-Banking wesentlich.

Wir planen ebenfalls, in der nächsten Zeit ein Redesign unseres E-Banking auf den Markt zu bringen, das die Benutzerführung weiter verbessert. Damit sich unsere Kunden mit den Neuerungen vertraut machen können, planen wir für einige Zeit einen sogenannten Parallelbetrieb. Während dieser Zeit können unsere Kunden wählen, ob sie das E-Banking im alten oder im neuen Design nutzen wollen.

„Aktuell lösen wir im E-Banking das Identifikationsverfahren (SMS-Code) bei der E-Banking-Anmeldung mit einem neuen Verfahren mittels LUKB-Key-App ab.“

Gleichzeitig baut die LUKB auch seine Niederlassungen um. Was beinhaltet das neue Kundenhallen-Konzept ?

In den letzten Jahren haben die Bargeldtransaktionen in unseren Geschäftsstellen kontinuierlich abgenommen; im Jahr 2019 im Vergleich zur Vorjahresperiode allein um mehr als 10 %. Hier ist also seit längerer Zeit ein grundlegender Wandel des Kundenverhaltens zu beobachten. Als Antwort darauf haben wir ein neues Geschäftsstellenkonzept entwickelt. Damit wollen wir die Kundenbetreuung stärken, den Einsatz unserer Mitarbeitenden vor Ort optimieren und eine höhere Wertschöpfung erzielen.

Nach dem Umbau der Pilot-Standorte in Schüpfheim und Sempach 2018/19 haben wir im Betriebsalltag bereits wesentliche Erkenntnisse gewonnen, die nun in die Planung der aktuellen Um- und Neubauten (Hochdorf und Kriens) einfliessen. Die neuen Beratungsbanken sind nicht mehr Orte der Transaktion, sondern sind vollständig auf Beratung und Begegnung ausgerichtet. Folglich wird es zum Beispiel nur noch ganz vereinzelt Schalter geben. Die Inneneinrichtung ist modular und mobil. So ist es beispielsweise möglich, aus der Bank-Geschäftsstelle innert kurzer Zeit und mit minimalem Aufwand eine Location für einen Kundenevent zu mache.

Wir sind überzeugt, dass ein breites und spezifisch auf persönliche Beratung ausgerichtetes Distributionsnetz auch in Zukunft bei der LUKB eine wichtige Rolle spielen wird. Wir investieren darum nicht nur in die Gebäude, sondern ganz wesentlich auch in Weiterbildung unserer Mitarbeitenden, um die Beratungsqualität weiter zu steigern und um unsere Mitarbeitenden fit für die neuen Anforderungsprofile zu machen. So haben wir im Jahr 2018 (über alle Mitarbeitenden der Bank gerechnet) rund 1’500 Franken pro Kopf in Aus- und Weiterbildungsmassnahmen investiert. Fast ausnahmslos alle unsere Kundenberaterinnen und -Berater sind SAQ-zertifiziert.

Die Aktien der LUKB haben sich zwar vom Tiefstand von 405 Franken von Mitte Oktober wieder entfernt, gaben im Jahresverlauf aber dennoch deutlich nach – gerade im Vergleich zum Gesamtmarkt und auch mehr als die Papiere anderer Kantonalbanken. Welche Erklärung haben Sie angesichts des guten Geschäftsverlaufs für diese Entwicklung?

Aktien sind Anlagen, die je nach Marktentwicklung sowohl Aufwärts- als auch Abwärtsbewegungen zeigen können. Auch die allgemeine Stimmungslage spielt eine Rolle. So ist in der Berichterstattung über die kotierten inländischen Universalbanken (Kantonal- und Regionalbanken) aktuell die Erwartung feststellbar, dass das sehr tiefe Zinsumfeld die jeweiligen Zinsergebnisse und damit den Gewinn der Banken negativ beeinflussen könnte.

Der aktuelle Kurs der LUKB-Aktie spiegelt trotz des erwähnten Rückgangs unverändert das hohe Vertrauen der Anleger in die LUKB. So weist die LUKB-Aktie nach wie vor eine signifikant oberhalb des Branchenschnitts liegende Bewertungshöhe aus, u.a. was die beiden Kennzahlen Kurs/Buch-Wert (Price-to-Book-Ratio) oder das Kurs/Gewinn-Verhältnis (Price-Earning-Ratio) betrifft.

Betrachtet man die Kursentwicklung der LUKB-Aktie nicht kurzfristig, sondern über die letzten drei Jahre, so entspricht die Performance – trotz den Rückgängen in den vergangenen Monaten – ziemlich genau der Entwicklung des Indices „SPI-Banken“.

Herr Salzmann, besten Dank für das Interview.

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