Die Schweizer CEOs sterben aus

Chef

Frauen und Führungskräfte mit Schweizer Pass in den Chefetagen immer seltener zu finden. (Foto: pauline/pixelio.de)

Zürich – Zwischen Januar 2007 und Dezember 2011 haben 32 der 50 höchstkapitalisierten Firmen des Schweizer Aktienmarktes ihren CEO ausgewechselt. Bei einigen der Firmen überdauerten die obersten Chefs nur relativ kurze Zeit, weshalb insgesamt 42 Wechsel in den Chefetagen zu verzeichnen waren.

Eine Analyse der Roy C. Hitchman AG bestätigt die allgemeine Wahrnehmung, dass die Verweildauer der CEOs weiter abnimmt. Das hängt einerseits damit zusammen, dass nur noch die Besten fähig sind, die zunehmend komplexer werdenden Aufgaben der Unternehmensführung in Zeiten finanzieller Turbulenzen und wirtschaftlicher Unsicherheiten erfolgreich zu bewältigen. Der Verwaltungsrat andererseits steht angesichts fallender Aktienkurse zunehmend unter Erfolgsdruck und ist gezwungen schnell zu handeln, wenn die Ergebnisse den Erwartungen nicht entsprechen.

Einkommen nehmen ab – nach wie vor einzelne sehr hohe Einkommen
Die Einkommen der Top-Manager haben im Zeitraum von 2007 bis 2011 über alle Firmen gesehen beträchtlich abgenommen (-17%). Berücksichtigt man die Inflation, ist der Rückgang um über 20 Prozent recht deutlich ausgefallen und entwickelt sich parallel zum fallenden Marktwert der höchstkapitalisierten Firmen. Dass sich der Markt zumindest ansatzweise selbst reguliert, ist eine positive Erkenntnis, auch wenn nach wie vor einzelne sehr hohe Einkommen ausgerichtet werden, die das Durchschnittseinkommen aller CEOs um das Vierfache übertreffen können. Die CEOs kennen ihren Marktwert und lassen sich ihr Engagement und das damit verbundene Risiko des Scheiterns nach wie vor gut bezahlen.

Die wenigsten CEO-Wechsel hatten die Leichtgewichte unter den Firmen zu verzeichnen. Deren CEOs verdienten zwar gut einen Drittel weniger als ihre Kollegen bei den Schwergewichten. Dafür konnten sie aber ihr Einkommen auf hohem Niveau halten (+2,9%).

Trend zu ausländischen CEOs hat sich verstärkt
Vor fünf Jahren haben wir gefragt: ‹Sterben die Schweizer CEOs aus?›. Heute muss diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden, hat sich doch der Trend zu mehr ausländischen CEOs weiter verstärkt. Hatten 2002 noch 33 Schweizer CEOs die operative Verantwortung, ist diese Zahl bis Ende 2011 auf 21 gesunken. Alleine in den letzten fünf Jahren hat der Anteil der Schweizer um weitere 13 Prozent abgenommen. Seit 2002 ergibt dies einen Rückgang um einen Drittel.

Dafür gibt es mehrere Erklärungen: Die Anzahl globaler Konzerne und grosser Firmen in der Schweiz ist gemessen an der Bevölkerungszahl überproportional hoch. Die nationale Identität verliert im Zuge der Globalisierung weiter an Stellenwert, Kompetenz ist wichtiger als der Schweizer Pass. Im engen Schweizer Markt geeignete Manager zu finden gelingt am besten den spezialisierten Search-Boutiquen, während es für die grossen, international tätigen Executive-Search-Firmen wegen ihrer breiten Kundenbasis nahezu unmöglich wird, die besten Kandidaten anzusprechen, ohne dabei die Standesregeln zu verletzen. Sie sind deshalb gezwungen, ihre Suche global auszurichten, obwohl es sehr wohl gut qualifizierte Schweizer Kandidaten im Lande gäbe. So stammen heute über 35% der CEOs aus Deutschland, aus den USA und aus Frankreich. Last but not least wird in den grossen Firmen die Nachfolgeplanung, aus der Schweizer CEOs hervorgehen könnten, nicht überall systematisch betrieben. Das belegt auch die Zahl von nur gerade 17 Nachfolgern aus den eigenen Reihen, was bei 35 Neubesetzungen nicht einmal der Hälfte entspricht.

Frauen: Von ein auf vier und zurück
Noch vor fünf Jahren konnte eine Zunahme der weiblichen CEOs von einer auf vier vermelden werden, wobei Roy C. Hitchman AG damals noch nicht von einem Trend sprechen wollte. Diese Einschätzung hat sich bestätigt, denn seither ist nur noch eine einzige Frau im operativen Top-Management übriggeblieben. Trotz Sensibilisierung für das Problem des Mangels an Frauen in operativen Führungspositionen ist keine Besserung in Sicht, was die kontroverse Diskussion über Quoten zusätzlich befeuern dürfte.

Corporate Governance
Die Reduktion der Doppelmandate VRP/CEO von acht auf fünf ist im Sinne der Corporate Governance zu begrüssen. Diese positive Tendenz wird allerdings negativ beeinflusst, indem unverändert acht CEOs ins Präsidium des Verwaltungsrates gewechselt haben. Dadurch wird noch immer zu häufig der Präsident über seine eigenen Ergebnisse wachen. Das Durchschnittsalter der CEOs hat mit 54,2 Jahren wieder das Niveau von 2007 erreicht, nachdem 2009 eine vorübergehende Verjüngung auf 51,9 Jahre eingetreten war. (Roy C. Hitchman AG)

 

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