Die starke Rolle der Frauen als KMU-Unternehmerinnen

Christine Davatz

sgv-Vizedirektorin Christine Davatz. (Foto: sgv)

Bern – Fast jede zweite Einzelfirma (46%) wird von einer Frau geführt und 25% der KMU Mitarbeiten­den haben eine Frau als Chefin. Familienbetriebe werden mit 58% Frauenanteil mehrheitlich von Frauen getragen. Und mit einem Anteil von 22% sind Frauen in der KMU-Wirtschaft im Vergleich mit der restlichen Wirtschaft und der Verwaltung auch im Verwaltungsrat überdurch­schnittlich häufig in Führungspositionen tätig. Dies zeigt eine Studie der Universität St. Gallen, die der sgv am heutigen Gewerbekongress in Bern vorstellte. Diese zentrale Rolle der Frauen in den KMU muss in der einseitig auf Grossunternehmen ausgerichteten Diskussion um Frau­enförderung viel stärker berücksichtigt werden. Anstatt die Frauen in KMU mit starren Quoten auszubremsen, verlangt der Schweizerische Gewerbeverband sgv eine bewusste Stärkung der Frauen in der höheren Berufsbildung.   

In der KMU-Wirtschaft sind 43% der Beschäftigten Frauen. 35% der Frauen nehmen eine Vorge­setztenfunktion ein. Frauen sind damit  in der KMU-Wirtschaft im Vergleich mit der gesamten Wirt­schaft und der Verwaltung überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen tätig oder als selbststän­dige Unternehmerinnen für eine Firma verantwortlich. KMU bieten vielfältige und flexible Möglichkeiten für Frauen am Erwerbsleben teilzunehmen und eine berufliche Karriere auch als Unternehmerin oder Vorgesetzte mit dem Wunsch nach Familie zu verbinden. Wie die HSG-Studie aufzeigt, trägt die KMU-Wirtschaft dadurch überproportional stark zur Integration der Frauen ins Berufsleben bei.

Der starken Rolle der Frauen in KMU Rechnung tragen
Die Situation der Frauen in der KMU-Wirtschaft unterscheidet sich stark von derjenigen in Grossun­ternehmen oder in der Verwaltung. Der sgv fordert, dass diesem eindeutigen Fazit der Studie in der Diskussion um die Rolle und Position von Frauen in der Wirtschaft stärker Rechnung getragen wird. Obwohl KMU eine enorme Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft haben, wird die Rolle von Frauen häufig nur in Bezug auf Grossunternehmen mit entsprechend auf Konzerne ausgerichteten Massnahmen geführt. Dies muss sich ändern. Denn der nötige Handlungsspielraum für Frauen in KMU wird dann eingeschränkt, wenn undifferenzierte auf grosse Organisationen ausgerichtete Ideen verallgemeinernd auch den KMU übergestülpt werden. Solche Massnahmen wie beispielsweise fixe Frauenquoten lehnt der sgv als kontraproduktiv ab, denn sie schaden letztlich den Frauen anstatt sie ins Erwerbsleben zu integrieren.

Frauen sind typische Mikrounternehmerinnen
Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Frauen, die als selbstständig Erwerbstätige eine Firma aufbau­en und diese alleine oder mit wenigen Mitarbeitenden führen. Eine beachtliche Gruppe von 10,6% aller erwerbstätigen Frauen sind als selbstständige Unternehmerinnen tätig. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Unternehmen mit 1-9 Mitarbeitenden. Fast jedes zweite Einzelunternehmen (46%) wird von einer Frau geführt. Frauen können somit als typische Mikrounternehmerinnen bezeichnet werden. Sehr oft zeichnen sich diese durch hohe Innovationskraft aus, die für die Gründung von spinn-off-Firmen nötig ist.

Am meisten Verwaltungsrätinnen in KMU
Dass sich die Situation von Frauen in KMU stark von der restlichen Wirtschaft unterscheidet und Frauen hier eine viel stärkere Rolle haben, zeigt auch die Analyse von Frauen in Verwaltungsräten von Unternehmen. Mit 22% am höchsten ist der Anteil der Frauen im Verwaltungsrat in Mikrounter­nehmen. Mit steigender Unternehmensgrösse sinkt der Anteil auf 12% bei Betrieben mit über 250 Mit­arbeitenden. Im Schnitt über alle Unternehmen besetzen Frauen 15% der Verwaltungsratsmandate.

Familienunternehmen werden mehrheitlich von Frauen getragen
Wie wertvoll die erfolgreiche Integration von Frauen in verantwortungsvolle Positionen in der KMU-Wirtschaft ist, zeigt die Tatsache, dass Familienunternehmen mehrheitlich von Frauen getragen wer­den. Mit einem Frauenanteil von 58% gibt es mehr weibliche als männliche mitarbeitende Familienan­gehörige. Familienunternehmen sind deshalb für das unternehmerische Engagement von Frauen und deren Integration ins Erwerbsleben zentral. Trotz ihrer wichtigen Position verfügen mit nur 12% jedoch nur sehr wenige dieser Frauen über einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe und damit über eine für ihre Verantwortung angebrachte Ausbildung. Es ist deshalb dringend nötig, dass die höhere Berufsbil­dung auch für diese Frauen gestärkt und gefördert wird. Der schweizerische Gewerbeverband sgv hat mit der Schaffung seiner neuen Berufsprüfung „Unternehmensführung KMU“ über den Weg der Vali­dierung der Berufserfahrung hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet. Er fordert, dass der Bund diese Vorarbeiten aufnimmt und die Weiterentwicklung mit vermehrter finanzieller Unterstützung ebenfalls mitträgt.

Flexibilität und unternehmerische Freiheit als Erfolgsfaktoren
Wie die Resultate der vorliegenden Studie aufzeigen, profitieren Frauen stark von unternehmerischer Flexibilität und grossen Handlungsspielräumen für geeignete Lösungen in den Unternehmen. Diese gilt es unbedingt zu schützen. Echte Förderung von unternehmerischen Frauen in KMU heisst des­halb, dass man in erster Linie gute Rahmenbedingungen schafft, um effizient arbeiten zu können. Als selbstständige Unternehmerinnen, treibende Kraft in einem Familienunternehmen oder als Teilzeit angestellte Kaderfrau sind gerade Frauen, die daneben häufig noch Aufgaben in der Familie über­nehmen, auf geringe administrative Belastung und das Vermeiden von bürokratischen Hürden ange­wiesen.

Teilzeitarbeit begünstigt Vereinbarkeit von Karriere und Familie   
Ein wichtiger Grund für die starke Position der Frauen in der KMU-Wirtschaft sind auch die günstigen Rahmenbedingungen, die Möglichkeiten bieten, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. So können sich kleinere Unternehmen häufig einfacher auf die privaten Verhältnisse oder die jeweilige Situation in einem Familienbetrieb anpassen. Begünstigt wird die Vereinbarkeit von Karriere und Fa­milie durch die hohe Zahl an Teilzeitstellen in der KMU-Wirtschaft. 70% der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit. Auch in Positionen mit viel Verantwortung und Führungsaufgaben, beispielsweise als treiben­de Kraft in einem Familienbetrieb (80%) oder als selbstständige Unternehmerinnen (70%) ist eine kla­re Mehrheit der Frauen Teilzeit tätig.  (sgv/mc/ps)

Die Nummer 1:
Als grösste Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft vertritt der sgv 250 Verbände und gegen 300’000 Unternehmen.

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