Endspurt auf der Pariser UN-Klimakonferenz

Carole Dieschbourg

Spricht in Paris für Europa: Luxemburgs Umweltministerin Carole Dieschbourg.

Paris – Die Pariser UN-Klimakonferenz biegt auf die Zielgerade ein: Die französischen Gastgeber wollen am Donnerstag die generelle Ausrichtung des Weltklimavertrags festzurren. Dazu müssen Kompromisse bei zentralen Streitpunkten wie Höhe und Art der Finanzhilfen für Entwicklungsländer gefunden werden. Die Verhandlungen sollen am Nachmittag in einem neuen Textentwurf münden. Das werde noch nicht der endgültige Vertrag sein, sagte der Konferenzleiter und französische Aussenminister Laurent Fabius, «aber ein Schritt voran».

Die Zeit drängt. Nach Frankreichs Planung sollen die 196 Verhandlungspartner schon am Freitag eine Einigung annehmen, die die Welt auf Klimaschutzkurs bringt. Ziel ist es, den durch Treibhausgase verursachten Klimawandel zu stoppen.

In einer öffentlichen Diskussion am späten Mittwochabend hatten viele Länder den letzten Vertragsentwurf als «gute Basis» bezeichnet. Zahlreiche Sprecher äusserten aber auch deutliche Bedenken gegen einzelne Passagen. Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks hatte schon vorher mit einer «langen Nacht» gerechnet.

Geld bleibt grosser Knackpunkt
Ein grosser Knackpunkt ist nach wie vor das Geld: Südafrika kritisierte im Namen einer grossen Gruppe Entwicklungs- und Schwellenländer einschliesslich Chinas, bei den Finanzhilfen für arme Länder gehe der Vorschlag nicht weit genug. Indiens Umweltminister Prakash Javadekar betonte erneut, dass mehr Unterstützung für ihn die Voraussetzung sei, um ehrgeizigere Klimaschutzziele im Vertrag zu verankern.

Kritisch äusserte sich auch die Vertreterin der EU, Carole Dieschbourg. An mehreren Stellen im jüngsten Verhandlungstext seien rote Linien überschritten worden, so die luxemburgische Umweltministerin. Sie kritisierte, der Entwurf sei nicht ehrgeizig genug. Zudem wiederholte sie die Forderung, finanzstarke Schwellenländer sollten nach 2020 ebenfalls Geld für ärmere Länder beisteuern. Umweltschützer bemängelten ebenfalls, dass die Inhalte des bisherigen Textentwurfs nur zu einer schwachen Reduzierung der Treibhausgase führten.

Flammender Appell Kerrys
Auch von der Gruppe der arabischen Staaten, der mehrere Petrodollar-Monarchien angehören, kam heftige Kritik – allerdings aus anderen Gründen. Der Vertreter Saudi-Arabiens sagte, der Entwurf für das Abkommen enthalte Elemente, «die eine nachhaltige Entwicklung, Armutsbekämpfung und die Nahrungsmittelproduktion gefährden».

Ein flammender Appell von US-Aussenminister John Kerry für eine ambitionierte Einigung hatte am Mittwoch neuen Schwung in die Verhandlungen gebracht. Er kündigte zudem eine Aufstockung der amerikanischen Finanzhilfen für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern an. Gemeinsam mit der EU und einer Reihe von Staaten aus Afrika, Pazifik, Karibik und Lateinamerika verkündeten die USA zudem eine selbsternannte Koalition der Ehrgeizigen, die weitreichende Klimaziele durchsetzen will. (awp/mc/ps)

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