«In der Politik fehlt das Verständnis für die Wirtschaft»

Alice Šáchova
Alice Šáchova, Präsidentin Schweizerische Management Gesellschaft SMG. (Foto: SMG)

SMG-Präsidentin Alice Šáchova am 51. Forum der  Schweizerischen Management Gesellschaft. (Foto: SMG)

Zürich – «Mut zum Andersmachen.» Unter diesem Motto hat die Schweizerische Management Gesellschaft am Donnerstag ihr 51. Forum begangen. Referenten wie die Direktorin der economiesuisse Monika Rühl, der dänische Gastrounternehmer Claus Meyer, Jimmy Maymann, CEO der Huffington Post, oder der Musiker Bligg zeigten auf, was sie beruflich anders machen.

«Mut tut gut.» Mit dieser Feststellung eröffnete die Präsidentin der SMG Alice Šáchova das Forum. Der Mut es anders zu machen sei allerdings auch nötig, da sich das Umfeld und die Kunden rasant verändern.

Gar keine andere Wahl als es anders als früher zu machen, hat Monika Rühl, die seit diesem Monat Direktorin der economiesuisse ist. Dass der Wirtschaftsdachverband unter einem Vertrauensverlust leide, sei nicht ganz unverschuldet, sagte sie. «Politik und Wirtschaft haben sich entfremdet.» Ziel für economiesuisse sei aber nicht die Verfilzung, sondern dank einem neuen gegenseitigen Verständnis zwischen Politik und Wirtschaft Lösungen zu finden. Allerdings könne dies economiesuisse nicht alleine, die neue Dialogplattform für Austausch zwischen Politik und Bevölkerung reicht nicht aus. Monika Rühl forderte die Wirtschaftsvertreter auf, sich aktiv in die Politik einzuschalten. «Als Unternehmer geniessen sie in den Regionen hohe Glaubwürdigkeit, sie können das Verständnis fördern.» Der Druck auf die Wirtschaft werde zunehmen.
Von der Moderatorin Mona Vetsch auf den Mut für den Wechsel von der Bundesverwaltung zur economiesuisse angesprochen, führte die studierte Romanistin das Bedürfnis an, regelmässig aus der Komfortzone herauszutreten.

«Tun, was man gerne tut»
Dass Mut auch anderen Menschen gut tun kann, zeigte Claus Meyer, der sich die Veränderung der Essenskultur in Dänemark zur Aufgabe machte. Er führt nicht nur das weltweit ausgezeichnete Restaurant Noma, sondern auch Kantinen in den Slums der bolivischen Hauptstadt La Paz. Seine Credos: Nicht die Effizienz steigern, sondern das zu tun, was man tun will und mehr zu geben, als selbst einzunehmen. Dass Unternehmer auch mit dieser Haltung erfolgreich sein können, zeigt er selbst. In 15 Jahren hat er 16 verschiedene Firmen gegründet und Märkte geschaffen, für die zuvor keine Nachfrage bestand. Sein Rezept dahinter: Es anders machen.

Zum Andersmachen gezwungen wird Philipp Boutellier, der Geschäftsführer des Berlin-Tegel-Projekts «The Urban Tech Republic», das auf dem Areal des Flughafens Berlin Tegel entstehen wird. Wegen der Verzögerungen beim Bau des neuen Berliner Flughafens erhält auch das Tegel-Projekt Verzögerung. Statt frustriert zu kündigen, nutzt Boutellier die ungeplante Verzögerung als geschenkte Zeit für die sorgfältige Planung, das Prüfen noch ungewohnter Ideen – etwa mit 3-D Printern Gebäude zu drucken – und den Einbezug aller Stakeholder.

Onlinemedien ist nicht Print im Computer
Keine Zeit hat hingegen Jimmy Maymann, CEO Huffington Post. Das Online-Medienportal stellt zwar Planungsphasen von drei Jahren auf, ändert sie aber alle sechs Monate wieder, weil sie von der Gegenwart und dem veränderten Medienkonsum eingeholt werden. Entscheidend für den Erfolg des Unternehmens sind zwei Dinge: Einerseits müssen die Journalisten umdenken: Die Geschichte endet nicht, wenn sie online geschaltet ist, sie beginnt dann erst ihr eigenes Leben. Andererseits ist für Online-Medien ein ganz anderes Geschäftsmodell nötig als für Print-Medien.

Verändertes Verhalten bezeichnete Lukas Braunschweiler, CEO des Hörgeräteherstellers Sonova, als Basis der Innovation. Weitere Aspekte sind die Bereitschaft, Veränderungen des Umfeldes zu akzeptieren und Risiken oder gar ein Scheitern in Kauf zu nehmen.

Bligg: «Es gibt noch Fans, die CDs kaufen»
Mit Jeans und T-Shirt etwas anders als die meisten Anwesenden kam der Musiker und Unternehmer Bligg daher. Er war einer der Vorreiter der jüngeren Musikergeneration, die in Mundart – in seinem Falle Zürichdeutsch – sangen. Der Grund dafür, es anders als andere Musiker zu machen, waren seine damals noch mageren Englischkenntnisse. Dem veränderten Musikbusiness passt er sich mit Live-Auftritten an und weil seine Fans es wünschten, finden sich unter seinen Merchandising-Produkten auch Baby-Lätzchen. Und, so Bligg, gebe es doch noch einige Fans, die seine Musik auf CD gebrannt kaufen.

Ein Referat der andern Art ist die Speed Dating Session des Gründers und Leiters des Think Tank W.I.R.E. Stephan Sigrist. Weil das Internet die Denkstrukturen verändere, würden wir befähigt, uns mit den verschiedensten Dingen zu beschäftigen. Verloren gehen dabei aber das lineare Denken und die Kreativität. Dies wird vermieden mit dem analogen Austausch unter den Teilnehmenden zum Finden von mutigen Ideen für die eigene Branche und die Schweizer Wirtschaft. (SMG/mc/ps)

Die Schweizerische Management Gesellschaft
Die 1961 aus dem Betriebswissenschaftlichen Institut (BWI) der ETH hervorgegangene Schweizerische Management Gesellschaft (SMG) ist die Vereinigung der Schweizer Führungskräfte aus Wirtschaft und Gesellschaft. Mit 1300 Mitgliedern ist die SMG eine Kontakt- und Weiterbildungsplattform für Persönlichkeiten, die dem oberen Management angehören oder als Verwaltungsräte tätig sind. Die Schweizerische Management Gesellschaft bietet den Mitgliedern Veranstaltungen an, die der Wissensvermittlung, dem Erfahrungsaustausch sowie der Beziehungspflege dienen. Ein Kernpunkt ist das jährliche Forum, das relevante und aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aufgreift.

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