Indien: Dicke Luft verkürzt Leben um drei Jahre

Neu-Delhi

Verkehrsachse bei Gurgaon am Stadtrand von Neu-Delhi: Die Luftverschmutzung nimmt verstärkt zu.

Neu-Delhi – Über die Hälfte der Inder lebt in Regionen, in denen die Luft so stark verschmutzt ist, dass jeder 3,2 Jahre seiner Lebenserwartung einbüsst. Zu diesem Fazit kommt die University of Chicago in Kooperation mit den Universitäten Yale und Harvard. 660 Mio. Inder könnten rund 2,1 Mrd. Jahre als Folge der Luftverschmutzung verlieren – eine enorme Belastung für die Wirtschaft.

Mega-Problem Neu-Delhi
Laut Michael Greenstone von der University of Chicago schränkt die Luftverschmutzung das Wachstum ein, indem sie zu einem früheren Tod führt. Laut der WHO lagen 2013 insgesamt 13 der weltweit am stärksten belasteten Städte in Indien. Besonders belastet ist Neu-Delhi. Die Regierung hat jedoch einem Bericht der «New York Times» nach die wirtschaftliche Entwicklung zur obersten Priorität erklärt und angekündigt, dass die Nutzung von Kohle in den nächsten fünf Jahren verdoppelt werden soll.

Eine Reihe von Studien zeigt bereits, dass die Kosten durch die schlechte Luftqualität erheblich sind. Forscher haben nachgewiesen, dass die Probleme mit der Luftverschmutzung die landwirtschaftliche Produktion um ein Drittel verringern könnten. Dies wäre ein Grund, warum die Weizen- und Reisernten in Indien derzeit nach Jahrzehnten des Wachstums auf dem gleichen Stand bleiben oder in manchen Bundesstaaten sogar zurückgehen.

Regierung massiv gefordert
Laut den Autoren einer anderen Analyse sollte Indien die Überwachung der Luftqualität verbessern. Ein System mit zivilrechtlichen Geldstrafen für die grössten Verursacher wird angeregt. Auch sollte der Handel mit Verschmutzungsrechten eingeführt werden. Jahrelang scheint Indien sich dieser Umweltprobleme nicht bewusst gewesen zu sein. Dank einer konzentrierten Medienkampagne scheint sich das seit dem vergangenen Jahr aber langsam zu ändern. (pte/mc/ps)

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