Jedes fünfte Schweizer KMU steht vor Unternehmens-Nachfolge

Unternehmensnachfolge
Die Nachfolgeplanung ist ein integraler Bestandteil der Unternehmensführung.

(Foto: fotodesign-jegg.de – Fotolia)

Zürich – 20% der Unternehmer planen, ihre Firma innerhalb der nächsten fünf Jahre zu übergeben. Bis 2021 stehen also schätzungsweise 70’000-80’000 Betriebe in der Schweiz vor einem Generationenwechsel. Dies geht aus der Studie «Unternehmensnachfolge in der Praxis – Herausforderung Generationenwechsel» der Credit Suisse hervor, die auf einer Umfrage bei über 1300 Schweizer KMU basiert.

Die Anzahl der Nachfolgefälle dürfte zudem in den nächsten 15 Jahren demografisch bedingt zunehmen: 55% der KMU-Unternehmer sind heute zwischen 50 und 65 Jahre alt. Der Anteil der KMU-Geschäftsführerinnen bleibt mit 10% tief, nahm in den letzten Jahrzehnten aber zu. Insgesamt sind 75% der Schweizer KMU Familienunternehmen. Mehr als die Hälfte der Firmen werden jedoch familienextern übergeben. Gemäss Umfrage würde die Mehrheit der KMU es bevorzugen, im Rahmen einer familieninternen Unternehmensnachfolge das Eigentum an alle Nachkommen zu gleichen Teilen zu übergeben, während sie bei der Übergabe der Geschäftsleitung auf den unternehmerisch fähigsten setzen würden. Zudem greifen KMU bei familieninternen Nachfolgen stärker auf Governance-Instrumente wie Aktionärsbindungsverträge zurück als wenn das Unternehmen familienextern übergeben werden soll.

Die Nachfolgeplanung stellt für jeden Unternehmer und jede Unternehmerin eine der zentralsten strategischen Aufgaben überhaupt dar. Fast jeder KMU-Unternehmer muss sich ihr früher oder später stellen. Dabei geht es nicht nur um finanzielle, sondern fast immer auch um ideelle Werte, denn der eigene Betrieb ist für viele mehr als eine blosse Einkommensquelle. Bereits zum dritten Mal nach 2009 und 2013 untersuchte die Credit Suisse 2016 in Zusammenarbeit mit dem Center for Family Business der Universität St. Gallen basierend auf einer gross angelegten Umfrage das Thema der Unternehmensnachfolge bei kleinen und mittleren Schweizer Unternehmen (KMU).

Über drei Viertel der KMU-Unternehmer befassen sich mit der eigenen Nachfolge
Die Umfrage bestätigt die hohe Relevanz des Themas für Schweizer KMU: Mehr als drei Viertel der befragten Geschäftsführer haben sich mit der eigenen Nachfolgeregelung schon mindestens ansatzweise auseinandergesetzt. Konkret plant jeder fünfte KMU-Unternehmer eine Unternehmensübergabe innerhalb der nächsten fünf Jahre. Auf die Gesamtwirtschaft hochgerechnet stehen somit bis 2021 rund 70’000-80’000 KMU vor einem Generationenwechsel, welche rund 10% aller Beschäftigten in der Schweiz auf sich vereinen. Die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung erfolgreicher Nachfolgeprozesse ist damit unbestritten.

Demografie führt in den nächsten Jahren zu mehr Nachfolgefällen
Der Anteil der KMU, die eine Übergabe innerhalb der kommenden fünf Jahre anstreben, ist im Vergleich zur Umfrage im Jahr 2013 von 22% auf 20% leicht gesunken. Dieser Rückgang stellt gemäss den Studienautoren jedoch höchstwahrscheinlich nur ein vorübergehendes Phänomen dar. Mehr als die Hälfte der KMU-Geschäftsführer sind heute zwischen 50 und 65 Jahre alt, gehören also zur Babyboomer-Generation. Heute sind schweizweit rund 560’000 Personen zwischen 60 und 65 Jahre alt und stehen damit unmittelbar vor der Pensionierung. 2030 werden es mit 750’000 rund ein Drittel mehr sein. Der Altersrücktritt dieser geburtenstarken Jahrgänge führt in den nächsten 15 Jahren daher mit grosser Wahrscheinlichkeit zu deutlich mehr Nachfolgefällen. Da gleichzeitig die Altersklasse der Nachfolgegeneration deutlich langsamer wächst, könnte es zu einem zunehmenden Mangel an potenziellen Nachfolgern kommen. Eine mögliche Strategie, um diese sich abzeichnende Lücke zu füllen, stellt die stärkere Berücksichtigung von Geschäftsführerinnen dar, so die Studienautoren. Denn obwohl der Frauenanteil in dieser Position in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, führen Frauen heute nach wie vor nur knapp 10% aller KMU. Eine steigende Quote an Geschäftsführerinnen könnte das kommende demografisch bedingte Ungleichgewicht zwischen Übergebern und Übernehmern möglicherweise etwas abfedern.

Anteil Familienunternehmen sinkt
Angesichts der ausgeprägten finanziellen und personellen Verknüpfung des Unternehmers mit dem Betrieb sind Familienunternehmen in besonderer Weise von der Nachfolge betroffen. Heute sind gemäss Umfrage 75% aller Schweizer KMU Familienunternehmen. Im Vergleich zu 2013 sank der Anteil an Familienunternehmen etwas. Die Gründe dafür können sowohl ökonomischer als auch soziologischer Natur sein. Einerseits wuchsen in der Schweiz in den letzten Jahren vor allem Branchen, die weniger durch Familienbetriebe geprägt sind, wie beispielsweise das Gesundheitswesen. Andererseits führten gesellschaftliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten dazu, dass immer mehr Nachkommen aus Unternehmerfamilien eine Karriere ausserhalb des Familienbetriebs anstreben.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen werden familienextern übergeben
Familieninterne und -externe Nachfolgepläne halten sich gemäss den Studienautoren inzwischen die Waage. Zwar hegt immer noch eine relative Mehrheit von 41% der KMU den Wunsch, das Unternehmen familienintern zu übergeben. Etwa ein Fünftel davon zieht aber auch familienexterne Lösungen in Betracht. Insgesamt streben heute minimal mehr KMU eine rein familienexterne Nachfolgelösung (34%) an als eine rein familieninterne (33%). Unter den familienexternen Nachfolgeplänen wird der Verkauf an ehemalige (führende) Mitarbeitende am meisten genannt (Management-Buy-Out, 25%), vor dem Verkauf an ein anderes Unternehmen bzw. eine Private-Equity-Gesellschaft (21%) oder an unternehmensexterne Einzelpersonen (Management-Buy-In, 17%). In der Realität kommt vor allem der Management-Buy-In häufiger vor, als viele KMU planen. 46% der heutigen Geschäftsführer übernahmen das Unternehmen von einem Familienmitglied, 25% im Rahmen eines Management-Buy-Outs und 30% per Management-Buy-In.

Art und Stärke des Familieneinflusses bestimmt Nachfolgeform
Der Einfluss der Familie im Unternehmen und dabei insbesondere die unter den Eigentümern vorhandenen Familienverhältnisse wirken sich massgeblich auf die Wahl der Nachfolgeform aus. KMU, in denen es unter den Eigentümern keine Familienmitglieder gibt, planen das Unternehmen dereinst vor allem an (leitende) Mitarbeitende zu übergeben. Je mehr Familienmitglieder unter den Eigentümern und in der Geschäftsleitung sind, desto eher gewinnt der Family-Buy-Out auf Kosten des Management-Buy-Outs an Bedeutung. Die Bereitschaft für einen Verkauf an Familien- und Unternehmensexterne hängt indessen nur wenig von der Stärke des Familieneinflusses im Unternehmen ab. Die Absicht, das Unternehmen in der Familie zu behalten, ist gemäss Umfrage in Familienunternehmen dann am grössten, wenn unter den Eigentümern Elternteile mit ihrem Kind oder Geschwisterbeziehungen vorhanden sind. Sind nur Ehepartner am Eigentum beteiligt, planen fast die Hälfte der Familienunternehmen eine familienexterne Übergabe.

Geschäftsleitung geht an die Fähigsten, Eigentum an alle Nachkommen gleich
Im Rahmen einer familieninternen Nachfolge stellt sich immer die Frage, an welche Nachkommen die Geschäftsleitung und das Eigentum übertragen werden sollen. Bei dieser Entscheidung können gemäss den Studienautoren unterschiedliche Verteilungsprinzipien ausschlaggebend sein. Gemäss Umfrage würde die Mehrheit der KMU es bevorzugen, das Eigentum an alle Nachkommen zu gleichen Teilen zu übergeben (65%). Bei der Übergabe der Geschäftsleitung würden KMU allerdings auf den unternehmerisch fähigsten Nachkommen setzen (81%). Die Wahl der Verteilungsprinzipien wirkt sich auch auf die Unternehmensperformance aus, wie die Analysen der Credit Suisse und der Universität St. Gallen zeigen. Wenn bei der Vorgängergeneration im Hinblick auf den Führungswechsel das Leistungsprinzip im Vordergrund stand, beurteilen die heutigen Geschäftsleiter die Entwicklung der Unternehmensperformance als besser, als wenn das Gleichheitsprinzip zur Anwendung kam.

Bei familieninternen Nachfolgen greifen KMU vermehrt auf Governance-Instrumente zurück
Gemäss Umfrage werden Governance-Instrumente unter KMU-Eigentümern rege genutzt. 42% der KMU greifen auf Aktionärsbindungsverträge zurück, 36% auf erb- und 35% auf eherechtliche Verträge. Governance-Instrumente können unter anderem dazu dienen, die Weichen für die spätere Nachfolgeregelung zu stellen. So weisen jene KMU, die eine grössere Anzahl solcher Instrumente anwenden, eine stärkere Tendenz zu familieninternen Nachfolgeplänen auf. Familienunternehmen scheinen also auf Governance-Instrumente zurückzugreifen, um die zukünftige Erhaltung der Familienkontrolle im Unternehmen zu bewahren und somit den Verkauf des Unternehmens an Externe zu verhindern.

Download Studie
credit-suisse.com/research (Schweizer Wirtschaft)

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