Jedes zweite Tier ist verschwunden

WWF

(Foto: David Lawson / WWF-UK)

Zürich – Der neuste Living Planet Report des WWF zeigt: Der Naturverlust ist dramatischer als bisher angenommen. Die erfassten Tierbestände sind nur noch halb so gross wie vor vierzig Jahren. Ganz besonders schlimm ist der Rückgang in Lateinamerika, wo er mehr als 80 Prozent beträgt. Während die Grösse der Populationen rückläufig ist, steigt der Footprint weiter an – auch in der Schweiz. Wir verbrauchen inzwischen die Ressourcen von drei Planeten.

Die geschätzten Kosten aller Umweltschäden in der Welt betragen mehr als 6000 Milliarden Euro, das sind mehr als elf Prozent des globalen Bruttoeinkommens. Weltweit die stärksten Verluste gab es bei Süsswasserarten wie Fische oder Amphibien, die über die letzten 40 Jahre einen Rückgang von 76 Prozent verzeichnen mussten. Grund dafür sind hauptsächlich die Übernutzung der Bestände, der Verlust des Lebensraums und der Klimawandel. Deutlich zu spüren bekommen haben dies zum Beispiel einige Arten von Fröschen in den Regenwäldern Puerto Ricos: Innerhalb weniger Jahre sind drei Arten ausgestorben und insgesamt acht Populationen sind akut gefährdet.

Auch in der Schweiz stehen zur Zeit rund 40 Prozent der bekannten Tierarten auf der Roten Liste. Traurige Spitzenreiter sind hierzulande Amphibien und Reptilien. In ausgewiesenen Schutzgebieten, so die gute Nachricht, verschwinden nur halb so viele Tiere wie in nicht geschützten Gebieten. In Nepal ist die Zahl der Tiger durch intensive Schutzmassnahmen sogar um zwei Drittel gestiegen.


 
Wir leben auf zu grossem Fuss
Der Artenschutz scheint angesichts der Armut in vielen Teilen der Erde ein Luxusproblem zu sein. Dabei ist es gerade umgekehrt, wie Damian Oettli, Leiter Konsum & Wirtschaft des WWF Schweiz, betont: „Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Hunger und Armut zu bekämpfen.“ Doch speziell die reichen Länder tragen überproportional zur globalen Umweltzerstörung bei. Wenn beispielsweise alle so leben würden wie wir hier in der Schweiz, wären die Ressourcen von 3,0 Planeten nötig. Im letzten Report von 2012 kam die Schweiz noch auf einen Footprint von 2,8 Planeten. Im internationalen Vergleich rückt sie jetzt um drei Positionen auf Platz 18 vor – und gehört somit zu den zwanzig grössten Pro-Kopf-Verbrauchern der Welt.

Die unrühmliche Rangliste wird von Kuwait angeführt, das sechsmal mehr Ressourcen verbraucht als ihm zustünde. Und: Obwohl viele Entwicklungsländer einen sehr tiefen Ressourcenverbrauch haben, liegt der weltweite Footprint schon bei 1,5 Planeten. Zwar gibt es bei der Entkoppelung von Ressourcenverbrauch und Prosperität erste Fortschritte, doch sind diese noch ungenügend. „Wir riskieren ein Burn-Out unseres Planeten. Wir alle, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind gefordert, ein Gleichgewicht zwischen Natur und Konsum zu finden“, betont Oettli.

Living Planet Report
Der Living Planet Report ist die wichtigste Publikation des WWF und verarbeitet Daten aus 40 Jahren zwischen 1970 und 2010. Er erscheint alle zwei Jahre und wird weltweit in 18 Sprachen präsentiert. Mehr als 120 wissenschaftliche Institutionen arbeiten daran mit, darunter die Zoologische Gesellschaft von London (ZSL) und das Global Footprint Network (GFN). 2.337 Datenquellen wurden dabei verwendet. Die Studie beschreibt den Rückgang der Artenvielfalt, den ökologischen Fussabdruck für 152 Länder sowie den Wasserfußabdruck der Menschheit. Der Footprint ist ein Instrument, das den Ressourcenverbrauch eines Landes oder der ganzen Weltbevölkerung misst. Ein Footprint von 1 bedeutet, dass wir so viele Ressourcen verbrauchen, wie die Erde uns auf die Länge zur Verfügung stellen kann.

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