JLL: Veränderte Bedürfnisse der Büronutzer in der Schweiz

Anita Bleiker
Anita Bleiker, Head Office Leasing Deutschschweiz bei JLL in der Schweiz. (Foto: zvg)

Zürich – Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter über 300 Unternehmen in der Schweiz zu zukünftigen Anforderungen an Büroräumlichkeiten und Auswirkungen auf die Flächennachfrage.

Die COVID-19 Pandemie hat viele Unternehmen gezwungen, sich mit ihren Arbeitsplatzkonzepten und Flächenbedürfnissen auseinanderzusetzen. Sollten sich diese nachhaltig verändern, tut die Immobilienwirtschaft gut daran, sich an den neuen Anforderungen auszurichten. Der Immobilienberater Jones Lang LaSalle (JLL) hat deshalb im Juli 2020 in der Deutsch- und Westschweiz ansässige Unternehmen zur heutigen und zukünftigen Nutzung von Büroflächen befragt.

Durch die Umfrage wurden unter anderem folgende wesentlichen Erkenntnisse gewonnen:

  • Die Nachfrage nach Büroflächen wird sich in den nächsten drei Jahren insgesamt reduzieren. Zwar sieht die Mehrheit der Unternehmen nicht unmittelbar eine Anpassung vor. Doch immerhin 29% der Unternehmen werden weniger Fläche benötigen, und fast die Hälfte wollen den Verbrauch pro Mitarbeiter optimieren. Der Bedarf an Bürofläche dürfte sich daher aufgrund dieser Effekte insgesamt um 5 bis 10% reduzieren. Weiterlaufende Mietverträge und hohe Umzugskosten werden allerdings dazu führen, dass der Büromarkt nicht mit leeren Flächen überschwemmt wird und insgesamt stabil bleiben dürfte.
  • Die Tendenz der Flächenreduktion ist bei Grossunternehmen ausgeprägter als bei solchen mit einer geringen Mitarbeiteranzahl. Eine überdurchschnittlich positive Nachfrage darf hingegen von der Pharmaindustrie erwartet werden, 40% der Unternehmen in dieser Branche wollen in den nächsten drei Jahren expandieren.
  • Corona hat wesentlich zur Ausbreitung und Akzeptanz von virtuellen Meetings und Home Office beigetragen. Die Ergebnisse zeigen, dass dies auch in der Zukunft Bestand haben wird. Bei über der Hälfte der Unternehmen werden zukünftig das Arbeiten von Zuhause und die Arbeitszeiten flexibler gehandhabt als bisher. Diese Entwicklung wird zudem bei Grossunternehmen mit über 250 Mitarbeitern deutlich stärker vorangetrieben (72%) als bei Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern (44%).
  • Angestellte von Grossbetrieben werden auch verbreiteter auf effiziente Arbeitsplatzkonzepte treffen als solche von kleineren Firmen. Obwohl der Flächenverbrauch pro Mitarbeiter bei Grossunternehmen bereits heute unterdurchschnittlich ist, sind gerade dort noch weitere Reduktionen vorgesehen. Die erhöhte Flexibilität der Arbeitnehmer scheint demzufolge den Preis von kompakteren Arbeitsplätzen zu haben.

Welche im Zuge des Lockdowns eingeführten Massnahmen wird Ihr Unternehmen dauerhaft übernehmen?

Die Umfrage hat gezeigt, dass die COVID-19 Pandemie nicht nur die zukünftige Arbeitsweise und die Gestaltung der Arbeitsplätze beeinflusst, sondern auch Spuren auf dem Büromarkt hinterlassen wird. Aktuell ist ein Teil der Nachfrage nach Büroräumlichkeiten getrieben von der Absicht, Flächen zu reduzieren und Kosten zu senken.

Sofern Arbeitgeber jedoch bei der verbindlichen Einforderung von festen Home Office Tagen entschädigungspflichtig werden, schmilzt der Kostenvorteil. Zudem werden im von Fachkräftemangel geprägten Arbeitsmarkt Schweiz die Bedürfnisse der Mitarbeiter gewichtig bleiben, und ein beachtlicher Teil möchte die Arbeit im Büro verrichten können. Anita Bleiker, Head Office Leasing Deutschschweiz bei JLL in der Schweiz, kommentiert dazu: «Die Umfrageergebnisse bestätigen unsere aktuellen Beobachtungen sowohl bei laufenden Vermietungsmandaten als auch bei der Betreuung von Unternehmen in Mietvertragsverhandlungen. Wir spüren aber auch, dass Firmen bisher zurückhaltend waren, von ihren Mitarbeitern eine fixe Anzahl von Home Office Tagen verbindlich einzufordern». (JLL/mc)

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