KMU nutzen Chancen durch Wiederaufbau in Japan noch nicht

Erdbeben Japan

Verwüstungen in Otsuchi an der Ostküste am 14. März vergangenen Jahres.

Zürich – Auch ein Jahr nach der Katastrophenserie in Japan konnten Schweizer Unternehmen die sich durch den Wiederaufbau bietenden Geschäftschancen nach Ansicht der Exportförderungsorganisation Osec noch nicht nutzen. Der Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur kommt nur langsam voran.

«Von den 22 Mio Tonnen Schutt sind erst 7% weggeräumt worden», sagte Roger Zbinden, der die Osec-Niederlassung in Japan leitet, am Donnerstag auf dem Aussenwirschaftsforum vor den Medien in Zürich. Das japanische Wiederaufbauministerium sei erst Mitte Februar eröffnet worden. «Wir haben ein Jahr verloren.»

15’000 Todesopfer
Durch die Dreifachkatastrophe von Erbeben, Tsunami und Atomkatastrophe vor einem Jahr kamen laut Zbinden rund 15’000 Menschen ums Leben. 3000 Personen würden noch vermisst. Viele davon seien noch unter den Trümmern. Die Familienmitglieder wollten deshalb nicht, dass die Trümmer mit schwerem Gerät weggeräumt würden. «In Japan ist es so, dass solange der Leichnam nicht gefunden wurde, auch die Seele keine Ruhe finden kann», erklärte Zbinden im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda: «Das verlangsamt die Räumung der meterhohen Schutthalden.» Deshalb sei das Wiederaufbauministerium erst im Februar eröffnet worden.

Chancen für Anlagen

Weil der grösste Teil des Schutts Holz sei, das man verbrennen könne, würden jetzt Biomasseanlagen gebaut. Dies biete Chancen für Schweizer Anlagenbauer. Gefragt seien auch die Urimat-Pissoirs, die ohne Wasser, Strom und Chemie auskämen. Vor der Katastrophe waren Toiletten Mode, die mit einer automatische Deckelöffnung, Fernbedienung, Warmluftgebläse und Massagefunktion ausgestattet waren. Ein Schweizer Unternehmen habe speziell für den japanischen Markt Gebäudehüllen entwickelt, die Erdbeben wesentlich besser standhielten, sagte Zbinden. Denn dort werden in einem normalen Jahr (ohne Erdbeben) rund eine halbe Million Holzhäuser gebaut, während es in ganz Europa nur 35’000 seien.

Zusätzlich müssten in den zerstörten Gebieten hunderttausende Häuser und Bürogebäude neu gebaut werden. Das eröffne Potenzial für Schweizer Unternehmen, auch wenn es für ausländische Unternehmen schwierig sei, in die japanische Baubranche hineinzukommen, die protektionistische Züge habe. Sei der Markteintritt einmal gelungen, laufe das Geschäft und es liessen sich gute Margen erzielen, sagte Zbinden.

Atomausstieg vollzogen
Chancen biete auch die Energiewende, die Japan de facto nach der Atomkatastrophe von Fukushima vollzogen habe. Von den 54 Atomkraftwerken sei derzeit noch eines am Netz. Und dieses werde im Mai für Revisionsarbeiten und Stresstests heruntergefahren. Für die Wiederinbetriebnahme brauche es Bewilligungen, die die Regionalregierungen derzeit nicht ausstellen würden. Deshalb wolle das Land der aufgehenden Sonne die erneuerbaren Energien stark ausbauen. Zudem sei das Energiesparen attraktiv geworden, nachdem die Strompreise deutlich gestiegen seien, sagte Zbinden. Japanische Gebäude seien schlecht isoliert. Dies und der Bau von Solar-, Wind- oder Biokraftwerken böte Schweizer Herstellern von Komponenten grosse Chancen. (awp/mc/ps)

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