Konsumierende hinters Licht geführt

Hans-Ulrich Bigler
sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler. (Foto: sgv)

sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler. (Foto: sgv)

Bern – Der heute vom Büro für Konsumentenfragen lancierte Preisbarometer informiert nach Ansicht des Schweizerischen Gewerbeverbandes nicht nur leichtfertig, sondern vor allem fahrlässig falsch. Der sgv verlangt die gründliche Überarbeitung der online-Plattform. Solange sie Fakten auf derart unlautere Art und Weise verbreitet würden, sei sie vom Netz zu nehmen.

Der grösste Dachverband der Schweizer Wirtschaft stellt beim „Preisbarometer“ schwerwiegende Mängel fest. Erstens werden nicht alle Kosten erfasst. Ausländische Preise werden direkt mit inländischen verglichen. Das muss zwangsläufig ein verzerrtes Bild ergeben, weil Kosten, die aus der geografischen Distanz resultieren (Benzin, CO2-Emissionen und Umweltbelastungen, etc.) unterschlagen werden. Zudem werden lediglich Listenpreise erfasst. Damit fehlen wesentliche Elemente, die das Einkaufen aber auch den Wettbewerb ausmachen: Sortiment, Mengen, Aktionen, Service, Komfort und Garantie. Unredlich ist nach Ansicht des sgv auch die Verwendung veralterter Daten. Sie wurden zwischen dem 13. und 24. August 2012 erhoben und sollen lediglich zwei Mal jährlich aktualisiert werden.

«ökonomisch unfair»
Für den Gewerbeverband steht fest, dass der Preisbarometer die Konsumierenden falsch informiert und in dieser Form gänzlich unbrauchbar ist. Fast noch schlimmer ist die Tatsache, dass er ökonomisch unfair ist. Der sgv fordert daher, dass der Barometer nicht nur die Vollkosten als Basis nimmt, sondern auch Angaben zur Kaufkraft in den verschiedenen Ländern macht. Den jeweils teureren Anbietern soll schliesslich die Möglichkeit einräumt werden, interaktiv zu erklären, warum ihre Preise höher sind.

sgv verlangt vollständige Überarbeitung
In der jetzigen Form ist der „Preisbarometer“ für den sgv eine tendenziöse Plattform, die falsche Informationen vermittelt. Sie wirkt kontraproduktiv, weil sie den Einkaufstourismus zusätzlich anheizt. Es könne nicht im Interesse der Schweiz liegen, dass Steuergelder derart ineffizient eingesetzt werden. Deshalb verlangt der sgv seine vollständige Überarbeitung mit dem Ziel, den Konsumierenden transparente, ehrliche und richtige Informationen zu bieten.

Politische Fragen
Angesichts dieses Debakels sind aber auch politisch Fragen zu klären. Wie kommt das eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement dazu, eine halbe Million Franken Steuergelder derart leichtfertig und unprofessionell zu verschleudern? Das ursprüngliche Ziel, ein wirksames Instrument gegen die «Hochpreisinsel Schweiz» aufzubauen, wurde nicht einmal im Ansatz erreicht. Nicht zuletzt deshalb möchte der sgv auch erfahren, warum in diesem Fall die politische Kontrolle versagt hat. (sgv/mc)

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