Nach Fehlern: Ehrlichkeit rettet Aktienkurs

Aktienkurs

Kurssturz: Unternehmen war wohl unehrlich (Bild: © Leonardo Franko / Fotolia)

Columbia – Der Spruch „Ehrlich währt am längsten“ trifft auf Unternehmen zu, die sich selbst Fehler eingestehen. „Firmen, die Fehler zugegeben haben, konnten dem Sinken ihrer Aktien Einhalt gebieten und sich oft innerhalb eines Jahres erholen“, sagt Stephen Ferris, Leiter des Financial Research Institute an der University of Missouri. Beharrt ein Unternehmen dagegen auf Schuldzuweisungen nach aussen, stürzt der Aktienkurs immer weiter – der Studie zufolge in einem Jahr um 77 Prozent.

Verständnisvolle Investoren
Die Forscher haben in 150 Fällen ermittelt, ob von einem Unternehmen bekannt gegebene schlechte Geschäftszahlen auf externe Faktoren zurückzuführen waren. Nur, wenn das ausgeschlossen werden konnte, hat das Team analysiert, ob Fehler zugegeben oder Dritte beschuldigt wurden und wie die Aktienkurse sich in Folge entwickelt haben.

„Das Ergebnis zeigt, dass sich Ehrlichkeit lohnt. Investoren werden ein aufrichtiges Eingestehen eines unglücklichen Fehlers akzeptieren und erwarten, dass wohl korrigierend eingegriffen wird“, verdeutlicht Ferris. Schuldzuweisungen dagegen würden den Eindruck von Machtlosigkeit oder Unehrlichkeit gegenüber der Investorenschaft vermitteln.

Gestehen ist nur die halbe Miete
Tatsächlich wäre das reine Übernehmen von Verantwortung für begangene Fehler noch zu wenig. Wichtig ist auch, dass Unternehmen einen Plan zur Problemlösung präsentieren können – was ehrlichen Betrieben bewusst ist. „Firmen, die sich selbst die Schuld geben, wollen Investoren meist auch wissen lassen, dass sie das Problem gefunden haben und in Zukunft eine verbesserte Performance erwarten“, so Ferris.

Eben das macht sich für den Aktienkurs letztlich bezahlt, so das Ergebnis der Studie „Poor Performance and the Value of Corporate Honesty“, die im „Journal of Corporate Finance“ erscheinen wird. Bei Unternehmen, die Verantwortung übernehmen, stabilisiert sich demnach der Aktienkurs innerhalb der nächsten Monate. „Jene, die anderen die Schuld gaben, waren hingegen weiter mit fallenden Aktienpreisen konfrontiert“, sagt Ferris.

Der Markt straft also ein Verhalten ab, das auf Arroganz, Angst vor Klagen oder Unfähigkeit zur Selbstreflektion zurückzuführen ist. In Betrieben, welche die Schuld bei anderen gesucht haben, kam es auch merklich öfter zu Führungswechseln. In 44 Prozent dieser Fälle musste der alte CEO innerhalb eines Jahres gehen. Bei Firmen, die Fehler ehrlich eingestanden haben, war es nur knapp ein Drittel. (pte/mc/ps)

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