Nach Mond-Mission: Crew «gesund und glücklich» auf der Erde
San Diego – Die ersten Menschen, die seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes waren, sind nach rund zehn Tagen im All zurück auf der Erde. Die vier «Artemis 2»-Astronauten an Bord der «Orion»-Kapsel – die US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und der Kanadier Jeremy Hansen – landeten plangemäss im Pazifik nahe San Diego, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Es sei eine «Bilderbuch-Landung» gewesen.
Spezialkräfte der Nasa und des US-Verteidigungsministeriums halfen den Astronauten aus der Kapsel und brachten sie dann per Helikopter zu einem speziellen Schiff. Nasa-Chef Jared Isaacman nahm sie persönlich in Empfang und gratulierte ihnen zu einer «historischen Errungenschaft». Die Astronauten winkten und lächelten in die Kameras und streckten ihre Daumen in die Höhe. Die Crew sei «gesund und glücklich», hiess es von der Nasa. Sie soll nun medizinisch untersucht und dann zurück nach Houston gebracht werden.
US-Präsident Trump: Landung war «perfekt»
Die Mondmission sei «spektakulär» gewesen und die Landung «perfekt», kommentierte US-Präsident Donald Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social. Der kanadische Premierminister Mark Carney hiess die Crew «willkommen zu Hause» und gratulierte zu einer «historischen Leistung».
Die Landung war ein kompliziertes Manöver, bei dem die Kapsel zeitweise eine Geschwindigkeit von bis zu 38.400 Kilometern pro Stunde erreichte, was den Astronauten extreme körperliche Belastungen aussetzt. Mit einem speziellen Schild wurden die Astronauten vor der extremen Hitze geschützt, der die Kapsel beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ausgesetzt ist. Für rund sechs Minuten fiel dabei planmässig die Kommunikation mit dem Kontrollzentrum aus. Mithilfe von Fallschirmen kam die Kapsel anschliessend abgebremst im Pazifik auf.
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (49) sieht mit der erfolgreichen Mondmission eine neue Ära in der Raumfahrt-Forschung angebrochen. Das sei die zweite Welle der Exploration des Mondes, um den Weltraum zu erkunden, sagte er am Morgen im Deutschlandfunk. «Da geht es nicht mehr darum, Flaggen aufzustellen wie in der ersten Welle.» Nun gehe es darum, permanent präsent zu sein auf der Mondoberfläche als Wissenschaftler und Wissenschaftlerin. «Das wichtigste Ergebnis hierbei ist, dass das Raumschiff funktioniert.»
Gratulationen auch aus der Schweiz
Auch Bundespräsident Guy Parmelin gratulierte in einem Beitrag auf X nicht nur der US-Raumfahrtbehörde Nasa, sondern auch ihren Partnern. Zudem betonte der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) die Bedeutung der Innovations- und Forschungsbranche der Schweiz. Diese habe mit Fachwissen und Spitzentechnologie zu diesem wichtigen Schritt auf dem Weg zurück zum Mond beigetragen.
Für den Schweizer Astronauten Claude Nicollier und den Raumfahrtanwärter Marco Sieber hat die «Artemis 2»-Mission die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit aufgezeigt. Europas Beteiligung am Artemis-Programm werde oft unterschätzt, sagte Nicollier in einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende» vom Samstag. Das Servicemodul der Orion-Kapsel stamme aus Europa. Es liefere den Antrieb, kontrolliere die Lage und sorge für die Lebenserhaltung, sagte er und fügte hinzu: «Das ist kein kleines Detail, sondern ein zentraler Bestandteil der Mission.»
Die deutsche Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) bewertete die Mondmission als grossen Erfolg. «Wir sind der Rückkehr der Menschen auf die Mondoberfläche nach über 50 Jahren jetzt einen bedeutenden Schritt näher», sagte die CSU-Politikerin der Funke Mediengruppe. Dieses Mal sei auch Deutschland mit an Bord gewesen. «Denn ohne Technik «Made in Germany» wäre «Artemis 2″ gar nicht möglich gewesen.»
Die europäische Raumfahrtbehörde Esa hatte das sogenannte European Service Module (ESM) geliefert, das massgeblich in Bremen zusammengebaut wurde. Es versorgte die Astronauten unter anderem mit Sauerstoff, Wasser und Strom und stellte zudem den Antrieb für die Kapsel, in der sie zum Mond flogen. Die Esa ist auch weiterhin dabei. «Die Module für die Missionen «Artemis 3″ und 4 sind schon geliefert», sagte Daniel Neuenschwander, Esa-Direktor für astronautische und robotergestützte Raumfahrt, der dpa. An dem Modul seien 13 europäische Länder beteiligt gewesen.
Erste Menschen in der Nähe des Mondes seit mehr als 50 Jahren
Die vier Astronauten waren die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der vergangenen Woche an Bord der «Orion»-Kapsel mit dem Raketensystem «Space Launch System» vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben.
Für Glover, Koch und Wiseman war es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch wurde zur ersten Frau an Bord einer Mondmission der Nasa, Glover zum ersten nicht-weissen Menschen und Hansen zum ersten Kanadier.
Insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurückgelegt
Der Flugverlauf von «Artemis 2» glich insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier Astronauten legten insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurück. Sie flogen um den Mond herum und entfernten sich weiter von der Erde als jemals Menschen zuvor. Mit ihrer «Orion»-Kapsel knackten sie den 1970 aufgestellten Rekord der «Apollo 13»-Mission von rund 400.171 Kilometern. Am weitesten Punkt waren sie im weiteren Verlauf rund 406.771 Kilometer von der Erde entfernt. Eine Landung war bei dieser Mission nicht geplant.
Bei ihrem Flug um den Mond herum beobachteten die Astronauten den Himmelskörper rund sieben Stunden lang ganz besonders intensiv. Insbesondere auf der Rückseite des Mondes konnten sie dabei auch aufgrund der Sonnenverhältnisse Dinge sehen, die nie ein Mensch zuvor mit eigenen Augen gesehen hat. Für rund 40 Minuten war es währenddessen für die Astronauten, wie vorab erwartet, nicht möglich, mit dem Kontrollzentrum auf der Erde zu kommunizieren.
In einer besonders bewegenden Initiative benannte die Crew einen zuvor namenlosen Mondkrater nach der 2020 im Altern von 46 Jahren an Krebs gestorbenen Ehefrau ihres Kommandanten Wiseman. Er soll nun Carroll-Krater heissen.
Gegen Ende des Vorbeiflugs am Mond konnten die Astronauten – mit speziellen Brillen – noch eine Sonnenfinsternis beobachten, bei der die Sonne aus der Perspektive von «Orion» hinter dem Mond verschwand.
Bislang zwölf US-Amerikaner auf dem Mond
Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bislang letzter Mensch verliess im Dezember 1972 der 2017 gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der «Apollo 17»-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den «Apollo»-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.
«Artemis 2» soll nun ein grosser Schritt in Richtung eines neuen Mondprogramms sein – mit dem Ziel von bemannten Landungen und dann einer permanenten menschlichen Präsenz auf dem Erdtrabanten. Schon bald solle die Crew für die nächste geplante Mondmission «Artemis 3» bekanntgegeben werden, hiess es von der Nasa. Der Weg zum Mond sei offen, sagte Nasa-Manager Amit Kshatriya. «Aber es liegt mehr Arbeit vor uns als hinter uns.» (awp/mc/ps)