PK-Deckungsgrad der 30 grössten CH-Unternehmen 2011 verschlechtert

Anlage

Zürich – Towers Watson hat die Vorsorge-Daten der 30 bedeutendsten Unternehmen, die dem Swiss Leader Index (SLI®) angehören, analysiert und dabei die Vorsorgeverpflichtungen sowie Höhe und Entwicklung des Vorsorgeaufwandes der Firmen untersucht. Das Ergebnis: Nachdem sich der Deckungsgrad seit 2008 leicht verbessert hat, ist er 2011 wieder auf das Niveau von 2008 zurückgefallen. Der durchschnittliche Deckungsgrad liegt wieder deutlich unter 90%. Der Hauptgrund für die Trendumkehr sind die im Jahresvergleich markant gesunkenen Zinssätze. Immerhin gibt es einen kleinen Trost: Im internationalen Vergleich stehen die Schweizer Unternehmen mit ihren Vorsorgeeinrichtungen weiterhin besser da als die Unternehmen im Ausland.

Finanzchefs und Investoren müssen künftig den Entwicklungen im Vorsorgebereich der Unternehmen wieder mehr Aufmerksamkeit schenken: Nachdem 2009 und 2010 die Unterdeckung in der beruflichen Vorsorge verkleinert werden konnte, hat sich der positive Trend wieder gedreht. 2011 hat sich das Defizit der 30 Unternehmen des Swiss Leader Index fast verdoppelt und ist von 13 Mrd. auf 23 Mrd. Franken angewachsen. „Wir registrieren gegenwärtig eine Scherenbewegung, die sich öffnet statt schliesst“, sagt Peter Zanella, Leiter Benefits & Retirement Solutions bei Towers Watson in Zürich.

„Die Vorsorgeverpflichtungen der Unternehmen nehmen stärker zu als die angesparten Vermögen.“ Diese unerfreuliche Entwicklung ist stark von der veränderten Situation an den Finanz- und Aktienmärkten mit den derzeit sehr tiefen Zinssätzen und niedrigen Anlageerträgen geprägt. Der durchschnittliche Deckungsgrad der 20 SMI-Firmen reduzierte sich 2011 von 90% auf 86%, während er bei den 30 SLI-Unternehmen gar von 83% auf 79% sank. Die drei Gesellschaften mit der höchsten Deckung bei den Vorsorgeverpflichtungen sind derzeit Syngenta (98%), Credit Suisse (97%) und Sonova (97%). Deutlich tiefer rangieren Holcim (76%), Roche (74%) und Transocean (66%).

Verpflichtungen wachsen stärker als das Vorsorgevermögen
Das Absinken der Deckungsgrade ist darauf zurückzuführen, dass die Vorsorgeverpflichtungen 2011 stärker gewachsen sind als die Planvermögen. Eine wesentliche Quelle für die versicherungs­technischen Verluste von insgesamt 8.7 Mrd. Franken auf Seite der Vorsorgeverpflichtungen ist der gesunkene Zinssatz. Zudem waren die Vermögenserträge deutlich tiefer als erwartet: Sie betrugen nur  2.3 Mrd. Franken statt der erwarteten 6.9 Mrd. Franken, was zu einem versicherungstechnischen Verlust von insgesamt 4.6 Mrd. Franken führt. Grund dafür ist die tiefe durchschnittliche Anlagerendite von lediglich 1.6% gegenüber den erwarteten 4.5%.

Im internationalen Vergleich weiterhin gut
Trotz des schwierigen Marktumfelds haben sich die Schweizer SLI®-Unternehmen im internationalen Vergleich gut gehalten. In den USA hat sich die Deckungssituation der 422 leistungsorientierten Vorsorgepläne von Firmen des Fortune 1000®-Index im Jahr 2011 ebenfalls verschlechtert. Der durchschnittliche Deckungsgrad sank dort von 80% auf 76%, das Defizit beträgt damit in den USA rund 343 Mrd. US-Dollar. Die im deutschen Leitindex DAX® vertretenen Konzerne zeigen per Ende 2011 einen im Vergleich zu den im Fortune 1000® und im SLI® vertretenen Konzernen einen nochmals deutlich tieferen Deckungsgrad von 65%. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser aber im Gegensatz zu den SLI®- bzw. Fortune 1000®-Gesellschaften nur unwesentlich gesunken – unter anderem wegen einer ansehnlichen Rendite von rund 3% auf den Vermögensanlagen. Das im internationalen Vergleich gute Resultat der Schweizer Firmen ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass ein Grossteil der Vorsorgeverpflichtungen der Schweizer Pensionskassen nach den Regeln des Kapitaldeckungsverfahrens angelegt ist. Dadurch sind die Deckungsgrade besser ausfinanziert als bei vielen ausländischen Vorsorgeeinrichtungen.

Die Vorsorgekosten der Unternehmen steigen
Ab dem 1. Januar 2013 treten die revidierten Bilanzierungsregeln IAS 19 für die Vorsorgepläne in Kraft, was zu grossen Veränderungen führen dürfte. Die wesentlichsten Neuerungen umfassen die Abschaffung der Korridormethode und damit verbunden die vollständige Bilanzierung der Unter- bzw. Überdeckung in den Firmenbüchern. Für Peter Zanella liegen die Konsequenzen der Umstellung auf der Hand: „Bei den Unternehmen wird die Volatilität in der Bilanz deutlich zunehmen.“ Denn die Umstellung dürfte zu einer Erhöhung der in der Bilanz ausgewiesenen Netto-Verpflichtungen von schätzungsweise 7.9 Mrd. Franken führen, wobei diese Erhöhung zu Lasten des Eigenkapitals geht. Bei Anwendung der neuen Regeln resultiert zudem anstelle eines Zinsertrags ein Nettozinsaufwand von schätzungsweise 0.8 Mrd. Franken und damit eine Belastung des Ergebnisses um rund 2.3 Mrd. Franken. Der Vorsorgeaufwand wird sich somit in der Regel für die nach IFRS bilanzierenden Gesellschaften substanziell erhöhen.

Interpretation
Bei der Interpretation dieser Ergebnisse ist folgendes zu beachten: Die Rechnungslegung für Schweizer Personalvorsorgeeinrichtungen wird durch Swiss GAAP FER 26 geregelt. Die Studie von Towers Watson berechnet die Vorsorgeverpflichtungen aus Gründen der Vergleichbarkeit mit ausländischen Unternehmen jedoch nach US GAAP und IFRS. Zu beachten ist weiter, dass viele der analysierten SLI®-Unternehmen auch im Ausland Verpflichtungen haben, welche die Schweizer Versicherten nicht betreffen. Dies bedeutet, dass nicht jedes SLI®-Unternehmen, das in der Studie einen Deckungsgrad von weniger als 90% aufweist, deswegen einen Sanierungsplan vorlegen muss. Sanierungsmassnahmen müssen nur dann geprüft werden, wenn die entsprechenden Pensionskassen für ihre Schweizer Versicherten nach Swiss GAAP FER 26 eine Unterdeckung aufweisen. (Towers Watson/mc/ps)

Die Studie
Die Pension Risk Studie 2011 von Towers Watson untersuchte die Vorsorgeverpflichtungen sowie die Höhe und Entwicklung des Vorsorgeaufwandes der Unternehmen des Swiss Leader Index (SLI®). Dieser Index setzt sich zusammen aus den 20 SMI® Titeln und den zehn grössten Werten der 30 SMI® Mid Cap Titel. Er enthält damit die 30 wichtigsten Werte des Schweizer Aktienmarkts und umfasst die bedeutendsten börsenkotierten Unternehmen des Landes. Towers Watson hat wie im Vorjahr die offen gelegten Verpflichtungen aus der beruflichen Vorsorge der SMI®- und SLI®-Firmen gemäss den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS und US GAAP analysiert. Die Ergebnisse unterscheiden sich damit grundlegend von den Daten, wie sie schweizerische Vorsorge­einrich­tungen publizieren.
Die vollständige Studie steht demnächst unter www.towerswatson.ch zum Download bereit.

Über Towers Watson
Towers Watson, eine der führenden Unternehmensberatungen weltweit, unterstützt Kunden und deren Unternehmenserfolg durch ein effektives HR-, Finanz- und Risikomanagement. Mit rund 14‘000 Mitarbeitern weltweit entwickelt das Unternehmen Lösungen in den Bereichen betriebliche Altersversorgung und Nebenleistungen, Personal- und Vergütungsmanagement sowie Risiko- und Finanzmanagement, einschliesslich der Beratung von Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen. In der Schweiz ist Towers Watson mit Büros in Zürich und Lausanne vertreten.

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