Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Coronaverlierer

Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Coronaverlierer
Am Black Friday sind vor allem die Aktien der Reise- und Tourismus-Unternehmen hart abgestraft worden.

Von Robert Jakob

Die neuen Wellen sind jetzt am Aktienmarkt angekommen. Einige Verlierer schälen sich immer deutlicher heraus, gerade am Black Friday. Schnäppchenjäger können sich langfristig aber schon mal langsam in Stellung bringen.

Die Anteilscheine des seit Sommer um 60% gestiegenen Apartment-Vermittlers Airbnb brachen innert 10 Tagen 20 Prozent ein. Die Fahrdienstvermittlers Lyft und Uber verloren innert zehn Tagen ebenfalls rund zwanzig Prozent an Wert. Jene des Fitnessgeräte-Spezialisten Peloton liessen im November gar die Hälfte ihrer Marktkapitalisierung liegen.

In heimischen Gefilden traf es die üblichen Verdächtigen. Nebenwerte aus dem Hotelleriebereich wie Sunstar-Holding und natürlich vor allem die Bergbahnen leiden in der Schweiz. Bei den Verkehrsbetrieben sind es die periodischen Erneuerungen der Transportinfrastruktur, welche aus dem Cashflow finanziert werden müssen, die jetzt schwer auf der Bilanz lasten. Denn von nichts kommt nichts. Ohne Frequenzeinnahmen droht die Sanierung. Die Saison im Coronawinter 21/22 wird da einiges auf den Kopf stellen.

Wo Kontaktbeschränkungen kommen, gehen die Kunden. Wenn die Fitnesscenter schliessen müssen, leiden auch in dieser Branche die Maschinenbauer. Denn Neugeräte werden in so einer Konjunkturlage bestimmt nicht geordert. Besonders gehypte Titel, wie die Milliardenunternehmen Airbnb, Lyft und Uber waren mit ihrer negativen Bruttorendite schon länger absturzgefährdet.

Sterben gar die Kunden, so hat die Firma mit dem Geschäftsmodell ein Problem. Die mit Abstand grössten Pflegeheimbetreiber in Europa, Orpea und Korian-Medica aus Frankreich, betreiben zusammen über 150 000 Betten. Ihre Aktien kamen an der Pariser Börse schwer unter die Räder, weil viele Bewohnerinnen und Bewohner am Coronavirus gestorben sind. Zudem wollen weniger Menschen ins Heim zügeln, sei es aus Angst vor einem Virusausbruch dortselbst oder ganz einfach aus Furcht, wie zu Beginn der Pandemie eingesperrt zu sein.

Big Great Wyoming
240’000 Zuschauer drängten sich während des Rodeo-Festivals ohne Mund/Nasen-Schutz bei den Cheyenne Fontier Days Ende Juli durch die Arena, obwohl beim CNFR, einem ähnlichen Event ein Monat früher im benachbarten Casper, zahlreiche SARS-Cov2-Infektionen im Nachgang festgestellt wurden. Im August explodierten die Fallzahlen im Bundesstaat Wyoming. Im bevölkerungsärmsten Bundesland der Vereinigten Staaten leben auf einer Fläche so gross wie der gesamte Alpenbogen gerade einmal 580 000 Einwohner. Eigentlich ideale Bedingungen, um dem Virus auszuweichen. Masken waren am Spektakel empfohlen, aber kaum einer trug sie. Republikaner geben mehr als viermal häufiger an, sich nicht impfen lassen zu wollen als Demokraten. Mit 60% liegt die Impfquote in den USA hinter der Österreichs und der Schweiz`. Zurzeit ist jeder 35igste Amerikaner frisch infiziert.

Wie leicht es Grossveranstaltungen dem Virus machen, zeigt das Fussball-EM-Finale 2020. Über fünf Prozent des mit 67000 Zuschauern überfüllten Londoner Wembleystadions hatten sich frisch angesteckt und das Virus grosszügig weiterverbreitet.

Derartiger Leichtsinn ist verantwortlich für die höheren Infektionsraten und höheren fallspezifischen Todesraten in den Vereinigten Staaten und dem Vereinigtem Königreich. Sie sind jeweils doppelt so hoch wie in Deutschland/Österreich/Schweiz. Mit einer Impfquote von 80% hat sich UK was die täglichen Fallzahlen angeht mittlerweile auf hohem Niveau stabilisiert. Hier gehen offensichtlich den alten Viren die neuen Wirte aus.

Die mit dem ominösen Namen Omikron betitelte neue Virusvariante wartet jedoch bereits. Allerdings ist es noch zu früh, sie definitiv als ansteckender im Vergleich zur indischen Variante einzustufen.

Black Friday auch an den Börsen
Der Black Friday hat Autobahn- und Flughafenbetreiberaktien hart und natürlich die Luftfahrtbranche abgestraft. Airbus rauschten in den ersten Handelsminuten um 15 Prozent nach unten. Die Gesundheitsaktie Fresenius Medical Care (FMC) fiel auf ein 5-Jahres-Tief. Schuld daran ist die Übersterblichkeit unter den Patientinnen und Patienten beim Dialyse-Spezialisten. Sie betrug rund 2700 im dritten Quartal 2021 verglichen mit 1900 in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Das Auftreten der Delta-Variante ergab einen deutlich stärkeren Covid-19-Effekt als noch zu Jahresbeginn angenommen. Anders ausgedrückt: Den 4151 FMC-Dialysezentren weltweit starben Patienten/Kunden weg. Der Umsatz stagniert und der Gewinn brach ein. Ein verschärftes Sparprogramm mit schlankeren Strukturen, sprich dem Abbau von weltweit 5000 Arbeitsplätzen, soll es nun richten. Damit will der Konzern die jährlichen Kosten bis 2025 um 500 Millionen Euro senken und rüstet sich gleichzeitig gegen ein Wiederaufflammen der Infektionsraten in seinem Hauptmarkt USA. Ausbaden werden die Coronakrise zynischerweise einmal mehr die Mitarbeitenden. Fresenius Medical Care erzielt trotz Gegenwind einen grundsoliden und konstanten Cashflow. Der Quartalsgewinn ist zwar von 1,21 Euro auf 0,93 Euro gefallen. Bei Kursen von knapp über 50 ergibt sich ein KGVe 2022 von 12,5. Das hat bereits jetzt Schnäppchenniveau. Ob FMC noch die eigenen Nachhaltigkeitsansprüche seines ESG-Programms erfüllt, ist dabei eine andere Frage.


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