Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Gold und Silber in Lauerstellung
Manche Anleger reiben sich die Augen. Seit dem Beginn des Irankriegs haben die beiden Krisenmetalle heftig korrigiert. Gold hat 1000 US-Dollar seit seinem Allzeithoch verloren und Silber schon einmal fast die Hälfte. Das scheint so gar nicht ins Drehbuch zu passen.
Wer jetzt noch verkauft ist selber schuld. Zwar ist ein weiterer Abstieg, vor allem beim Silber in Regionen um knapp über die 60 US-Dollar-Marke denkbar, aber unwahrscheinlich. Wer die Geschichte der wenigen Goldzyklen seit über einem halben Jahrhundert verfolgt, erkennt wiederkehrende Muster. Viele Zeitgenossen haben aber nicht so viel Lebenserfahrung.
Gold ist die Vorhut, Silber die Nachhut. Aber die oft behauptete Korrelation von Inflation und Edelmetallpreisen bekommt häufig Risse. Heuer hat sich der Ölpreis verdoppelt, die explodierenden Energiepreise haben Löcher in die Portemonnaies der Konsumenten gefressen, aber Gold fiel um über 20 Prozent. Die Erklärung liegt in den Opportunitätskosten. Gold und Silber werden in US-Dollar gehandelt. Aber um den Krieg und das ausufernde Staatsdefizit zu finanzieren, müssen die USA hohe Zinsen zahlen. Treasuries bieten 4,4%. Das liegt auf dem Niveau Italiens. Die amerikanische Staatsanleihen gelten jedoch als bombensicher. Das macht sie für Anleger interessant, und sei es auch nur, um Geld zu parkieren. Gold wiederum wirft keine Zinsen ab. Das ist im Augenblick also der Hauptgrund für den momentanen Kurszerfall.
Hundertmal mehr Schulden angehäuft
Als Nixon 1971 die Golddeckung des Dollars abschaffte, lag das Staatsdefizit bei 400 Milliarden Dollar. Heute sind es 39 Billionen. Wäre das alles mit Treasuries zu finanzieren, müssten die USA jährlich 1,7 Billionen Zinsen zahlen, das sind 100 Milliarden mehr als der gesamte Staatshaushalt von rund 1,6 Billionen Dollar. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Früher oder später müssen die Zinsen sinken, sonst sind die Vereinigten Staaten pleite. Dann reichen auch die Petrodollars nicht mehr vorne, noch hinten. Die zwangsläufige Folge der bald einmal niedrigeren Zinsen sind ein schwächerer Dollar und Realwertverlust. All das wird schleichend geschehen und den Goldpreis in neue Höhen treiben. Die meisten Zentralbanken haben sich bereits positioniert und könnten im 2026 fast 800 Tonnen Gold kaufen. Die Zentralbanken springen für die Schmuckindustrie in die Bresche, die unter den hohen Goldkosten leidet. Bis zum nächsten Goldrush wird es noch ein wenig dauern. Die UBS sieht Gold dennoch bereits im September bei 6200 Dollar. Silber wird folgen.
Silberstreifen am Horizont
Das weisse Metall ist Schmuck- und Industriemetall in einem. In der Industrie herrscht seit fünf Jahren Knappheit. China beansprucht mittlerweile 60% der weltweiten Schmelzkapazität und hat Exportrestriktionen eingeführt. Zu wichtig ist das Metall für die Elektrotechnikindustrie. In neuen E-Mobilen sind im Schnitt 60 bis 80 Gramm Silber verbaut. Auch Halbleiter und Solarzellen sind wahre Silberfresser.
Früher galt ein Gold- zu Silberpreis-Verhältnis von 50 zu 1. Das hatte Silber Ende Januar nach vielen Jahren der Flaute erreicht, ja übertroffen. Mittlerweile hat es sich wieder davon entfernt. Bei der nächsten Silber-Rally wird es aber sogar dem Gold die Schau stehlen.
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