Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Lenkungsabgaben so teuer wie purer Schweizer Strom

Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Lenkungsabgaben so teuer wie purer Schweizer Strom
Robert Jakob

Von Robert Jakob

Fragen Sie doch einmal einen Atomkraftwerk-Befürworter, ob er dauerhaft in einem komfortablen Einfamilienhaus direkt am schönen Rhein vor den Kühltürmen des AKW Leibstadt wohnen will. Oder fragen Sie einen AKW-Gegner, ob er sein Zelt während der Ferien unter einer schnurrenden Vestas V112 Windkraftanlage aufstellen möchte. Beide werden nicht gerade vor Begeisterung überschnappen. So ist der Mensch: Er hat immer gerne den Fünfer und das Weggli. Aber in der Natur und in der Wirtschaft gibt es leider beides nie zusammen.

Am 28.3. 2019 jährte sich, unbemerkt von der Tagespresse, die erste richtig grosse Reaktorkatastrophe zum vierzigsten Mal. Im Kraftwerk Three Mile Island im US-amerikanischen Harrisburg/PA kam es aus einer Mischung menschlichen und technischen Versagens unbeabsichtigt zur Kernschmelze. Radioaktives Gas in Form von Krypton85 mit einer Halbwertszeit von über 10 Jahren entwich, und wurde von den Anwohnern eingeatmet. Als Physikstudent war ich damals kritisch gegenüber der Atomkraft eingestellt. Weil ich die Endlagerung radioaktiver Abfälle für eine Zeitbombe hielt. Dennoch sollte ich später als Strahlenschutzbeauftragter am Inselspital arbeiten, weil ich die friedliche Nutzung der Kernenergie in der Forschung für unverzichtbar erachtete.

Bei mir hat der Wind nicht gedreht, aber viele Menschen sind nach zwei Super-GAUs (Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011) vor allem wegen möglicher Fernwirkungen radioaktiver Katastrophen beunruhigt und wünschen einen Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Kernenergie. Das ist zu respektieren. Das „Wie“ des Ausstiegs gibt dabei den Tarif durch.

Kehrtwende
Ein halbes Jahr vor Fukushima stimmte der Deutsche Bundestag noch einer „Betriebsjahreverlängerung“ von sieben Atommailern und einer „Strom-Mengenerhöhung“ für die anderen zehn deutschen Atommailer zu. Ein Tag nach Fukushima kam jedoch umgehend die Kehrtwende. Der Ausstieg wurde jetzt beschleunigt durchgesetzt, und trotz verbreiteter Skepsis gelang es durch eine Breitseite von Lenkungsabgaben und technologische Fortschritte, einen ansehnlichen Kraftwerkspark mit erneuerbaren Energien aufzubauen. Die subventionierte Infrastrukturförderung senkte die Grenzkosten der Energieerzeugung. Allerdings mit der Folge, dass ausgerechnet die nachhaltigen Pumpspeicherkraftwerke ihren Spitzenstrom nicht mehr richtig los wurden. Früher machten die Schweizer Stromproduzenten damit rund eine Milliarde Franken im transnationalen Stromhandel gut. Pro Jahr. Und das bei fast identischem Kilowattstunden-Austausch mit dem Ausland. Man exportierte Strom, wenn die Nachbarn ihn dringend brauchten. Und das zu extrem guten Preisen. Diese Zeiten sind für die Schweiz lange vorbei.

Seit Beginn der 90er Jahre haben die verschiedenen Erneuerbare-Energien-Gesetze (EEG) den Strommix in Deutschland deutlich verändert. Während der Kohleanteil von über 60% auf nunmehr 40% sank, und der Anteil der Nuklearenergie sogar von 30 auf 10% zurückging, wuchsen die erneuerbaren Energien auf ein Drittel der Gesamterzeugung, allen voran der Wind.

Planwirtschaftliche Eingriffe …
Die Vergütung der dezentralen Stromerzeuger erfolgt dabei nach planwirtschaftlichen Grundsätzen. Der Preis orientiert sich zwar zunächst am Spotstrommarkt, wird aber durch eine EEG-Umlage ergänzt. Von dieser sind allerdings Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit hohem Stromverbrauch, sowie Eisenbahnen ausgenommen. Das geschieht mit dem Ziel, die Stromkosten dieser Unternehmen zu senken und so ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Obwohl die Produktion also boomt und der Strompreis sinkt, steigt die Stromrechnung. Am Ende der Strompipeline zahlen die deutschen Privathaushalte allein die Zeche. Und zwar über Netzentgelte und die explodierende EEG-Umlage.

Der Netzausbau kostet viel Geld, da die Stromeinspeisung wegen des hohen Anteils an erneuerbaren Energien unregelmässig ausfällt und das Netz damit belastet ist, und weil die Stromleitungskapazitäten ausgebaut werden müssen. Im Süden scheint die Sonne. Im Norden bläst der Wind. Ein deutscher Durchschnittshaushalt bezahlt mittlerweile über 30 Cents pro kWh. Das Netzentgelt macht fast 8 Cents, und die EEG-Umlage macht fast 7 Cents aus. Der eigentliche Strom ist dabei am billigsten.

… und die genialen Folgen für den Verbraucher
Die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien ist in den letzten 10 Jahren um 500 Prozent gestiegen (nein, da ist keine Null zu viel). Die EEG-Umlage allein kostet jetzt fast so viel, wie in einigen Schweizer Haushalten der kostengünstige Nachtstrom. In Deutschland bezahlen die Privathaushalte den schnellen Ausstieg aus der Kernenergie teuer, und zwar mit den zweithöchsten Preisen in Europa, knapp hinter Dänemark, der Heimat des weltgrössten Windkraft-Anlagenbauers Vestas.


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