Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Lob der Langweiler

Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Lob der Langweiler
Buchautor und Moneycab-Kolumnist Robert Jakob.

Von Robert Jakob

Börsenindizes sind mit Vorsicht zu geniessen. Je nach Zusammensetzung können sie Traktoren oder auch Ferraris sein. Der Schweizer Aktienindex SMI ist eher ein Traktor.

Der Schweizer Leitindex mag von NASDAQ-Fans belächelt werden. Er hat aber einen Vorteil: er ist sehr stabil, weil darin die beiden Pharmariesen Novartis und Roche sowie der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Nestlé dominieren. Sie decken zwei Branchen ab, deren Produkte immer gebraucht werden. Wer also Angst vor dem nächsten Crash hat, und eines Tages wird er ja bestimmt kommen, der ist gut beraten, derartige Langweileraktien ins Depot zu nehmen. Seit einigen Jahren hinkt der SMI dem NASDAQ deutlich hinterher. Das liegt vor allem an den oben erwähnten grossen Drei. Aber entsprechend günstig ist deren Bewertung gemessen am Kurs/Gewinn-Verhältnis. So wird das KGV für das Jahr 2021 bei Novartis auf 14, bei Roche auf 16 und bei Nestlé auf 25 geschätzt (Quelle: Comdirect).

Am teuersten ist Nestlé. Die Aktie steht am Allzeithoch. Das hat seinen Grund, denn im Gegensatz zu Big Pharma, wo Jahr für Jahr teure Medikamente entwickelt werden müssen, welche in der Entwicklungsphase auch mal floppen, ist das Geschäft in der Lebensmittelbranche noch einmal eine Nummer stabiler. Novartis, Roche und Nestlé sind vergleichsweise günstig zu haben: Schweizer Maschinenbauer werden mittlerweile häufig mit dem Dreissigfachen des Jahresgewinns bezahlt, und über die Bewertung einiger IT-Werte schweigen wir lieber.

Schauen wir uns nun meine Lieblingsaktie (und seit Jahren grösste Position in meinem eigenen Depot) genauer an. Seit Einführung der Nestlé-Namenaktie 1959 hat der Lebensmittelmulti jedes Jahr Dividende gezahlt. Mehr noch: Die Ausschüttung wurde nie auch nur um einen Rappen gesenkt, bestenfalls gleich belassen und fast immer Jahr für Jahr gesteigert. Die Dividende hat sich in fast 70 Jahren verhundertzwanzigfacht. Der Aktienkurs hat sich in Schweizer Franken mehr als verachtzigfacht. Der Jahresschlusskurs lag 1959 bei 1,36 Franken. Seither hat Nestlé kumuliert allein rund das Dreissigfache an Dividende gezahlt. Ich besitze erst seit knapp der Hälfte meines kurzen Lebens Nestlé-Aktien. Gelohnt hat sich’s trotzdem. (mc/ps)

Dividendenanstieg bei Nestlé zwischen 1995 und 2020:


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