Rohstoffhandel: EvB durchleuchtet diskrete Schweizer Branche

EVB "Rohstoff"

Buchumschlag „Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“.

Bern – Soeben ist das brisante Buch „Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“ erschienen. Die faktenreiche Pionieranalyse dieses so mächtigen wie unbekannten Wirtschaftszweigs zeigt, warum ressourcenreiche Entwicklungsländer arm bleiben, während in der Schweiz ansässige Rohstoffkonzerne Milliardengewinne scheffeln. Und es erklärt die Grauzonen eines Geschäftsmodells, dessen Risiken heute immer sichtbarer werden.

Unbemerkt von Öffentlichkeit und Politik ist die Schweiz zur weltweit wichtigsten Rohstoffdrehscheibe avanciert. Gemäss EvB-Recherchen ist der vor allem am Genfer- und Zugersee abgewickelte Handel mit Öl, Gas, Kohle, Metallen und Agrargütern seit 1998 um unheimliche 1500 Prozent gewachsen. Die Folge: Sieben der zwölf umsatzstärksten Unternehmen der Schweiz handeln und/oder fördern Rohstoffe. Zum globalen „Commodity Hub“ wurde die Schweiz dank ihrem Mix aus Steuerprivilegien, starker Finanzindustrie, schwacher Regulierung und lascher Embargo-Politik.

Rechtliche und politische Grenzbereiche
Gefährlich ist das Schweizer Rohstoff-Business zunächst für mit natürlichen Ressourcen gesegnete, aber unter schwachen Regierungen leidende Entwicklungsländer.  Und lebensgefährlich für all jene Menschen, die dort im Dreck und Gift der Minen und Förderanlagen leben müssen. Gefährlich sind die häufig in rechtlichen und politischen Grenzbereichen operierenden Handelshäuser aber auch für die Schweiz. Korruption, Steuervermeidung, Spekulationswut und Menschenrechtsverletzungen bergen enorme Reputationsrisiken und sind nach dem Fall vom Bankgeheimnis unsere nächste offene Flanke.

Noch höhere Risiken als Ölkonzerne

Die Rohstoffhändler nehmen häufig noch deutlich höhere Risiken in Kauf als Ölkonzerne wie BP oder reine Bergbaufirmen wie BHP Billiton. Zudem bauen sie zunehmend eigene Produktionsstätten auf, häufig in Krisen- oder gar Konfliktgebieten. Die steigende Risikobereitschaft der Branchenführer zeigte sich gerade in Libyen, wo die Genfer Vitol für gute zukünftige Geschäfte der Opposition im Konflikt mit Ölprodukten belieferte, ohne Kriegsrisikoversicherung und trotz ausstehender Zahlungen von bis zu 500 Millionen Dollar. Und im eben erst gegründeten Südsudan, wo Transparenz im Ölgeschäft zentral für Staatsbildung und Friedensprozess sind,  schloss Glencore noch zwei Tage vor der offiziellen Unabhängigkeitserklärung einen undurchsichtigen Deal mit der staatlichen Ölgesellschaft ab.

Vorschläge für mehr Gerechtigkeit
Das flächendeckende Elend ganzer Länder und der märchenhafte Reichtum einiger Top-Trader in der Schweiz hängen also kausal zusammen. Wie, das zeigt das heute im Salis Verlag erscheinende Buch „Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“. Das Vorwort stammt vom Schriftsteller Lukas Bärfuss, der an der Vernissage vom 20. September lesen und auf dem Podium mitdiskutieren wird. Das reich illustrierte Referenzwerk porträtiert die wichtigsten Firmen und Figuren hinter den diskreten Deals, liefert mit Reportagen Einblicke in die sozialen und ökologischen Folgen für die Förderländer, analysiert die Praktiken und Konsequenzen von Steuervermeidung und Spekulation und macht Vorschläge für mehr Gerechtigkeit in einem Multimilliardengeschäft, das alle angeht. (EvB/mc/ps)

Erklärung von Bern (EvB)

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