Rubinberg: Das Konzept von Wagnisinvestitionen in der IT ist längst überholt…

Rubinberg: Das Konzept von Wagnisinvestitionen in der IT ist längst überholt…
Eugen von Rubinberg, Chairman und CEO Rubinberg AG. (Foto: zvg)

Zürich – In der Geschichte lassen sich zahlreiche Beispiele dafür finden, dass Innovationen mit starken Assoziationen verbunden sind und dass die Wahrnehmung dieser Dinge trotz einer sich stetig verändernden Welt gleich bleibt. Der Grund hierfür ist, dass die Menschen bei der Betrachtung dieser Dinge allgemein festgelegte Muster im Hinterkopf haben.

Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Ansichten zu Wagnisinvestitionen in IT-Projekte. Die Wagnisinvestmentbranche hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg schnell entwickelt und erreichte ihren Höhepunkt in den späten 1980er-Jahren, als die USA der unangefochtene Marktführer auf dem Wagniskapitalmarkt waren und Europa weit hinter sich liessen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wie wird diese Investitionsart heute klassifiziert? Folgendes ist eine allgemeine Definition, die das aktuelle Verständnis zutreffend beschreibt: „Wagnisinvestitionen stellen eine hochriskante Investition in neu gegründete kleine, zukunftsträchtige Hightechunternehmen dar …“. Hochriskant ist hier ein Schlüsselwort und die Wörter Wagnis und hochriskant sind Synonyme.

Anders ausgedrückt: Die Investition in Hightechprojekte ist mit hohen Risiken verbunden, während die Investition in sogenannte „harte“ Vermögenswerte (Hard Assets) weniger riskant ist. Wir alle sind der Meinung, dass der Kauf „harter“ Vermögenswerte praktisch keine Risiken birgt. Aber was geschieht wirklich?

Was wäre, wenn wir beispielsweise in Platin investieren?

Oder in Silber?

Oder in Indizes, die allgemein als weniger riskant als Investitionen in Innovationen gelten?

Was haben all diese vermeintlich weniger riskanten Investitionen miteinander gemein? Ein Investor, der Geld in solche Anlagegüter investiert, kann sich lediglich diese Diagramme ansehen und auf ein Wunder warten – die Notierungen und Investitionsrenditen liegen ausserhalb seiner Kontrolle.

In einem innovativen Unternehmen beeinflussen jedoch das Projektteam und der Projektinvestor das Wachstum des Aktienwerts. Der Wert der Aktien zu einem innovativen Projekt hängt zu einem grossen Teil von dem Projekt selbst ab. Dies ist ein kontrollierbarer Prozess und daher weniger riskant und besser regelbar – solange Sie an sich selbst und Ihr Team glauben.

Die gegenwärtige Realität legt den Schluss nahe, dass der Begriff Wagnisinvestition längst überholt ist. Es sind Hightechunternehmen, die das Leben der Menschen verbessern. Unternehmen, die vor Kurzem noch klein waren und als Wagnisinvestitionsprojekt betrachtet wurden, gehören jetzt zu den weltweiten Marktführern und garantieren ihren Investoren grosse Gewinne. Daher ist es sinnvoll, Investitionen nach ihren Auswirkungen auf Risiko und Rendite neu zu klassifizieren. Es wird Zeit, neue Begriffe für die Klassifizierung von Investitionen einzuführen:

1. URI – Unmanaged Risk Investments (Nicht kontrollierte Wagnisinvestitionen)
Dieser Begriff sollte alle bestehenden Investitionen in sogenannte „harte Vermögenswerte“ (Hard Assets) wie beispielsweise Rohstoffe und Aktien von grossen börsennotierten Unternehmen umfassen, d. h. alles, was als „weniger riskant“ gilt. Aus Investorenperspektive handelt es sich hierbei jedoch um eine Investition mit unkontrollierten Renditen und Risiken. Die Investitionsrenditen sind in keiner Hinsicht von einem Investor abhängig. Und hierin liegt das tatsächliche Risiko. Der grösste Pluspunkt ist jedoch die Liquidität der Vermögenswerte. Sie sollten Liquidität jedoch nicht mit Risiken verwechseln.

2. MRI – Managed Risk Investments (Kontrollierte Wagnisinvestitionen)
Dieser Begriff umfasst all das, was heute als Wagniskapitalinvestition gilt, d. h. die Investition in verschiedene Start-ups und Unternehmen in frühen Entwicklungsphasen. Hier kann ein Investor auf die Rentabilität und die Kosten des Projekts Einfluss nehmen, anstatt sich nur die Notierungen auf seinem Desktop anzusehen und auf ein Wunder zu warten. Diese Investitionsart ist weniger riskant. Der Prozess liegt tatsächlich in Ihren Händen. Sie erhalten das Ergebnis aus Ihren Gewinnen und Fehlschlägen, Chancen und Talenten und aus der Tatsache, dass Sie talentierte Menschen zusammengebracht haben, um gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Aus diesem Grund sollte der überholte Begriff Wagnisinvestition durch den Begriff MRI ersetzt werden, damit Investoren Investitionen nicht nur im Hinblick auf ihre Risiken und Liquidität beurteilen, sondern auch im Hinblick auf diesen neuen und wichtigeren Punkt: die Fähigkeit, Risiken selbst zu bewältigen.

Unser Team entwickelt innovative IT-Produkte. Im Laufe der Jahre haben viele sogenannte „sichere“ Investitionen den Investoren Verluste eingebracht, es kam zu Preisstürzen scheinbar harter Vermögenswerte und scheinbar zuverlässige Unternehmen konnten ihre Position nicht behaupten. Gleichzeitig haben sich viele unbekannte Unternehmen mit ihrer Intelligenz, ihrem Durchhaltevermögen und der Möglichkeit, ihre Risken alleine zu bewältigen, einen Namen gemacht.

Die menschliche Intelligenz, neue Technologien und neue Geschäftsmodelle sind die härtesten und zuverlässigsten Anlagewerte unserer Zeit. Es ist wichtig, dass Investoren dies verstehen und ihre Praktiken und Ansätze entsprechend anpassen – insbesondere in Europa, wo es viele Chancen und ein riesiges Wachstumspotenzial gibt. (Rubinberg/mc)

Rubinberg

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