Saxo Bank Währungskommentar: Dollar-Anstieg diesmal anders bewertet

John J. Hardy
John J. Hardy, Währungsexperte bei der Saxo Bank. (Foto: Saxo Bank)

von John J. Hardy, Head of FX Strategy, Saxo Bank

Zürich – In dieser Woche wird die Stärke des jüngsten Kursanstiegs des USD auf eine harte Probe gestellt: Ein wahrer Strom an Kommentaren der US-Notenbank hat klar die Vorarbeit für eine Zinserhöhung im Sommer geleistet, und das beim FOMC-Meeting entweder im Juni oder im Juli. Die Fed-Rhetorik – mit der zwei oder gar drei Zinserhöhungen in diesem Jahr angepriesen wurden – war eindeutig abgesprochen und sollte die Markterwartungen hinsichtlich möglicher Zinserhöhungen steigern.

Die Fed hat sich für diesen Weg entschieden, damit sie die Zinssätze nach Gusto verändern kann, ohne den Markt mit einer aggressiveren Haltung ungebührlich zu überraschen – die Notenbank hat sich also ausgerechnet, dass es besser ist, potenzielle Zinserhöhungen anzupreisen und dann dieses Potenzial mit der Qualität eingehender Daten zu verknüpfen. Angesichts dieser Datenabhängigkeit scheinen die wichtigen, in dieser Woche veröffentlichten US-Daten daher auf eine kurzfristige Volatilität hinzuweisen, wenn der Markt verstärkt auf Zinserhöhungen im Juni, Juli oder September setzt (oder sogar auf Juni und September, wenn die US-Daten in dieser Woche zum Juni-Datenzyklus noch kräftig Gas geben).

Doch während die Debatte um eine Zinserhöhung der US-Notenbank die Schlagzeilen beherrscht hat und vermutlich die Aktivitäten an den Währungsmärkten von Stunde zu Stunde dominiert, war in der letzten Woche eine andere interessante Entwicklung zu verzeichnen: die offenkundige Erklärung des Markts, dass keinerlei Ängste gegenüber der Fed bestünden. Als die Fed-Vertreter in der vorletzten Woche ihren aggressiveren Ausblick präsentierten, erlitt die globale Risikofreudigkeit einen heftigen Knick; die Währungen der Wachstumsmärkte und die Anlagemärkte stürzten ab, wie sie das seit dem Wutausbruch des Fed-Vorstands Bernanke im Mai 2013 so gut können. (Seinerzeit hatte Bernanke nur ganz beiläufig erwähnt, dass die US-Notenbank eines Tages die Wertpapierankäufe stutzen und so die Geschwindigkeit bremsen würde, in der sie ihre Bilanz expandiert.) Aber in der vergangenen Woche distanzierten sich die globalen Märkte nachdrücklich von ihren früheren Ängsten, und die S&P 500 in den USA sind nur wenige Prozentpunkte von ihrem Allzeithoch entfernt. Der MSCI-Weltindex, sogar der mit USD-Dominanz, erholte sich in der letzten Woche um beeindruckende zwei Prozentpunkte.

Was bedeutet das? Die Investoren waren in diesem Jahr zeitweise davon überzeugt, dass selbst diese einsame Zinserhöhung im letzten Dezember für die globalen Märkte zu viel war. Jetzt spricht die Fed ausdrücklich von 2-3 Zinserhöhungen, und trotzdem treten die Anlagemärkte den Höhenflug an? Vielleicht deutet all dies auf den Gedanken hin, dass es völlig egal sei, ob der Leitzins der US-Notenbank bei 0,5 % oder bei 1,00 % liegt, und dass die Finanzbedingungen weltweit (angesichts der fortlaufenden massiven Gelddruckerei der japanischen und der Europäischen Zentralbank) weiterhin äußerst stimulierend blieben. In diesem Fall könnte die Fed sich plötzlich weit hinter dem Feld wiederfinden statt mit deutlichem Vorsprung voraus, da die Anlagemärkte eher nach oben gehen statt nach unten.

Was all das für den USD zu bedeuten hat, ist noch fraglich. Starke Dollarbefürworter könnten argumentieren, dass die letzten Aussagen der US-Notenbank hinsichtlich der Zinserhöhungen die Zinsspanne zugunsten des USD verschieben, wenn wir die kurzfristigen US-Zinssätze mit den Zinssätzen der meisten anderen großen Währungen vergleichen. Letzten Endes werden die kurzfristigen Zinssätze ihr negatives Niveau in Japan und Europa schon in Kürze verlassen, und Länder wie Australien und Neuseeland befinden sich in einem Zinssenkungszyklus, mit dem sie die Schäden aus dem Einbruch der Rohstoffpreise und die Sorgen hinsichtlich einer schwächeren Wirtschaft in China aufzufangen versuchen.

Inzwischen haben auch die Dollarzweifler sicher nicht ganz unrecht, wenn sie auf die immer noch sehr niedrigen US-Zinssätze und die immer noch negativen Realzinssätze hinweisen (wenn die Inflation höher ist als die Erträge aus risikofreien Anlagen wie US-Anleihen). Damit der USD auch in einer Umgebung mit steigenden Zinssätzen nachhaltige Unterstützung erfährt, muss die Fed womöglich noch aggressiver vorgehen, und die längerfristigen US-Zinssätze müssen womöglich ebenfalls steigen – und zwar schneller, als die Inflation voranschreitet. (Saxo Bank/mc)

Saxo Bank

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