Schlaue Kakadus bauen sich ihre Werkzeuge selbst

Schlaue Kakadus bauen sich ihre Werkzeuge selbst
Goffin-Kakadu: Er stanzt sich aus Pappe ein eigenes Werkzeug. (Foto: Bene Croy)

Wien – Goffin-Kakadus, die in der Natur keine Werkzeuge nutzen, können längliche Hilfsmittel zur Futterbeschaffung herstellen. Sogar aus einem einfachen Material wie Karton stellen sie eine längliche Form her, wie Forscher der Vetmeduni Vienna in Kooperation mit der University of Oxford zeigen. Diese Papageienart scheint im Vorhinein abzuwägen, wie sie das Werkzeug einsetzen will, ohne diese Fertigkeit geerbt oder angelernt zu haben.

Anpassung ist alles
Die untersuchten Vögel haben nicht nur Werkzeuge im Versuch benutzt, sondern stellten diese auch genau passend aus Material wie massivem Holz, Karton oder Zweigen her. Die Art verwendet in ihrem herkömmlichen Lebensraum Indonesien keinerlei Hilfsmittel. «Sie bearbeiten nicht einmal Zweige für den Nestbau, weil sie in fertigen Baumhöhlen brüten», erklärt Alice Auersperg vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna. Einzelne Tiere in Volierenhaltung zeigten jedoch, dass auch die Goffin-Kakadus Werkzeuge herstellen können, wenn sie an Futter ausser Reichweite kommen wollen.

Bislang war unklar, ob sie Länge und Form dieser Hilfsmittel genau an die Situation anpassen, oder diese zufällig und ohne bestimmte Vorausplanung auswählen. Holz ist faserig, einfaches Beissen und Ziehen reicht schon aus, kleine Splitter abzubrechen. «Wir wollten deshalb herausfinden, ob die Kakadus auch mit anderen Materialen umgehen können, obwohl sie es nie gelernt haben, gezielt ein Werkzeug herzustellen», ergänzt die Wissenschaftlerin.

Das Forschungsteam platzierte daher Futter mehrere Zentimeter hinter einem kleinen Loch in einer durchsichtigen Box. Mit mehreren Kakadus wurde anschliessend getestet, ob diese aus vier unterschiedlichen Materialien ein dünnes, längliches Werkzeug herstellen und damit das Futter erreichen können. Neben Lärchenholz, konnten die Vögel Buchenzweige mit Seitenästen und Blättern, Pappe und Bienenwachs zum Werkzeugbau nutzen.

Viele neue Strategien
Keiner der Vögel konnte aus dem Bienenwachs ein geeignetes Hilfsmittel bauen. «Aus den anderen Materialien gelang das jedoch einigen der Tiere. Das Erstaunliche daran war, dass sie sich für jedes Material eine andere Strategie zurechtlegten», sagt Auersperg. Beim Lärchenholz reichten noch ein bis zwei Bisse, um einen geeigneten Splitter herauszubrechen. Von den Buchenholzzweigen entfernten sie die Blätter und die störenden Seitenäste. Aus der Pappe schnitten sie sich jedoch einen passenden Streifen mit ihrem Schnabel seitlich ab.»

«Dass einzelne Kakadus auch aus dem Kartonstück ein Werkzeug fertigen konnten, beeindruckte uns am meisten», so Auersperg und fügt hinzu. «Die Pappe hatte keine spezielle Struktur, sie mussten also die Form selbst festlegen und das Werkzeug eigenständig gestalten.» Die erfolgreichen Goffin-Kakadus waren also in der Lage, ein perfekt angepasstes Hilfsmittel aus einem solchen Material zu fertigen. Sie überlegten sich nicht nur eine Strategie, wie man aus der Pappe ein Werkzeug bastelt, sondern auch noch genau Form und Länge, die sie für die Futterbeschaffung brauchen. Nun sollen Computersimulationen genutzt werden. (pte/mc/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.