Schweiz liegt im weiblichen VR-Ranking zurück

Schweiz liegt im weiblichen VR-Ranking zurück

Zürich – In der Schweiz sind deutlich weniger Führungspositionen in weiblichen Händen als in anderen europäischen Ländern. Frauen besetzen in den untersuchten Schweizer Unternehmen nur 11,6% der Verwaltungsratssitze. Dies hat die Studie „European Board Diversity Analysis 2012“ der Personalberatung Egon Zehnder International (EZI) ergeben.

Der Frauenanteil in Europa stieg dabei in den letzten zwei Jahren um 28%, von 12,2% auf 15,6%. Die Schweiz liegt trotz eines Anstieges von 8,3% auf 11.6% immer noch deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Führend sind gemäss Studie nach wie vor nordische Länder wie Finnland (27,1%) oder Schweden (24,4%). Spitzenreiter ist Norwegen mit 36,4%. Es ist das einzige Land mit einer vorgeschrie-benen Frauenquote. Am Schluss dieser Rangliste finden sich Italien(8,4%), Österreich (8,0%), Luxemburg (6,1%) und Portugal (4,7%).

Schon bald Frauen-Anteil in Verwaltungsräten von 25 % erwartet
Der Trend ist deutlich spürbar. Frauen besetzen immer mehr VR-Mandate bei den grössten Unternehmen Europas. Jeder dritte Verwaltungsrat wurde 2012 schon durch eine Frau besetzt. Gemäss Studie der Egon Zehnder International werden bei anhaltendem Trend in wenigen Jahren ein Viertel aller Verwaltungsräte bei grossen europäischen Unternehmen durch Frauen besetzt sein.

Beschleunigter Trend zur Besetzung von VR-Positionen durch Frauen
Die seit 2004 von Egon Zehnder International durchgeführte „European Board Diversity Analysis“ zeigt in der aktuellen Ausgabe 2012 eine grosse Dynamik im Umfeld der untersuchten Verwaltungsräte. So ist der Anteil von Frauen in europäischen Verwaltungsräten seit 2004 stark angestiegen. In diesen acht Jahren gab es eine Verdoppelung des Frauenanteils – von 8% auf 16%. Heute sind in 86% der untersuchten europäischen Verwaltungsräte Frauen beteiligt, ein Anstieg von über 40%. Sollte sich der Trend fortsetzen, werden 2017 rund ein Viertel aller Verwaltungsräte in grossen europäischen Unternehmen durch Frauen besetzt sein.

Vorbild Skandinavien
Die Studie zeigt, dass es in den fünf skandinavischen Ländern heute keinen Verwaltungsrat mehr ohne weibliche Mitglieder gibt. In Grossbritannien sind nur noch 5% der VRs reine Männerbastionen. Nachholpotenzial haben hingegen Griechenland, Italien und die Niederlanden, wo immer noch rund ein Drittel der Verwaltungsräte reine Männerclubs sind. Am Schluss der Liste rangieren Portugal und Luxemburg, wo nur die Hälfte der VRs eine Frau aufweist. Die Schweiz rangiert mit 76% hier ebenfalls im hintern Teil der Tabelle. Der Europa-Durchschnitt beträgt 86%.
 
„Unsere Daten zeigen auf, dass wir an einem Wendepunkt stehen. Immer mehr Frauen werden in Verwaltungsräte gewählt. In den vergangenen zwei Jahren gab es bei den Frauen einen Anstieg von 70%, während die Gesamtzahl bei den Männern stagnierte.“, sagte Philippe Hertig, Partner von Egon Zehnder International Zürich. «Eine zentrale Herausforderung für Unternehmen um zukünftiges Wirtschafts-wachstum zu unterstützen, ist zu gewährleisten, dass Frauen den Sprung in leitenden Positionen und in den Verwaltungsrat schaffen. Im letzten Jahr besetzte Egon Zehnder weltweit jedes vierte Mandat auf VR-Stufe mit einer Frau.“

Kaum Fortschritte bei leitenden Positionen
Die Studie zeigt, dass Frauen heute Mühe haben, Führungspositionen in Unternehmen zu erreichen, die oft ein Sprungbrett für einen Verwaltungsratsposten sind. Nur gerade 7 von 415 untersuchten Verwaltungsräte werden von einer Frau präsidiert. Bei den normalen Verwaltungsratsmandaten ist das Verhältnis 6:1. Gegenüber 2010 ist das keine Veränderung. Ein Grund dafür dürfte die Tatsache sein, dass nur wenige Frauen genügend lange und breite VR-Erfahrung  haben. Die Analyse zeigt zudem, dass Frauen im Durchschnitt, auch in der Schweiz, knapp fünf Jahre jünger als ihre männlichen VR-Kollegen sind. In Griechenland liegt er bei 11 Jahren.

Internationalisierung geht weiter
Ein Aspekt von Diversity gewinnt speziell für die Verwaltungsräte  jener Unternehmen an Bedeutung, die global tätig sind oder beabsichtigen, einen höheren Anteil ihrer Erträge in Auslandsmärkten zu erzielen: Die Besetzung von Vorstandspositionen mit Managern unterschiedlicher Nationalität. Der Anteil ausländischer Verwaltungsräte stieg alleine in den vergangenen sechs Jahren von 23% auf 32%. Die Schweiz ist hier mit 67% zusammen mit Luxembourg (89,7%) und Irland (82,4%) weltweit führend. «Viele Unternehmen in Europa haben den positiven Geschäftseinfluss von Diversity begriffen.», sagt Philippe Hertig. «Diese wachsende Vielfalt wird den Verwaltungsräten und den Unternehmen helfen, die kommenden und zunehmend internationalen Herausforderungen besser zu meistern.» Der Trend zur Internationalisierung hat zudem einen Nebeneffekt: Er fördere den weltweiten Austausch von Best Practices und treibt damit die Konvergenz von Governance-Praktiken weiter voran. (Egon Zehnder International/mc/pg)

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