SGKB investment views: Ist die Fed wirklich eine Gefahr für die US-Wirtschaft?

Thomas Stucki
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Nach dem FBI greift Donald Trump mit der Fed eine weitere Institution an, die in den USA hoch anerkannt ist. Die andauernden Attacken auf das FBI haben dem Ansehen der Behörde massiv geschadet. Die Unabhängigkeit der Fed wird bisher von den Finanzmärkten nicht angezweifelt. Das kann sich aber ändern, wenn die die Attacken andauern. Trump beklagt sich, dass die Fed die Zinsen erhöht und damit den aus seiner Sicht von ihm gemachten Wirtschaftsboom zerstört und die Aktienkurse ins Trudeln bringt. Die Angriffe Trumps auf die Unabhängigkeit der Fed sind wirtschaftspolitisch unverantwortlich. Wie sieht es aber inhaltlich aus? Ist die Geldpolitik der Fed zu restriktiv?

In acht Schritten hat die Fed ihren Zielsatz für die Fed Funds auf 2.00 bis 2.25% erhöht. Quartalsweise wurden die Zinsen angehoben und es gilt als sicher, dass im Dezember die nächste Zinsanpassung um 0.25% erfolgen wird. Seit einem Jahr reduziert die Fed zudem ihre Bilanzsumme und entzieht der Wirtschaft damit langsam aber stetig die nach der Finanzkrise zusätzlich eingeschossene Liquidität. Pro Monat werden der US-Wirtschaft 50 Mrd. Dollar an Fed-Geldern entzogen. Bisher hat das die Finanzmärkte nicht beunruhigt. Die von der Fed nicht mehr refinanzierten Treasuries und Hypotheken müssen aber von anderen Investoren gekauft werden. Der Zinssatz für 30-jährige Hypotheken, der Standard in den USA, ist mittlerweile auf 4.75% gestiegen.

Restriktivere Geldpolitik
Ab wann die Geldpolitik der Fed effektiv restriktiv ist, ist nicht genau definiert. Der aktuelle Fed-Satz liegt über der Kerninflation der Konsumausgaben. Die realen Zinsen sind somit nicht mehr negativ. Die Fed geht davon aus, dass der neutrale Zins, der die Wirtschaft weder stimuliert noch bremst, irgendwo zwischen 2.5% und 3% liegt. Dieses Niveau wird im nächsten Jahr überschritten, wenn der Rhythmus der quartalsweisen Zinserhöhungen beibehalten wird. Fed Präsident Jerome Powell hat andeutet, das dies passieren wird. Aus dieser Sicht hat Präsident Trump recht, wenn er der Fed eine Schwächung der US-Wirtschaft unterstellt.

Die restriktivere Geldpolitik der Fed ist jedoch angebracht. Die Ausweitung des jährlichen Budgetdefizits unter Trump von 600 Mrd. Dollar auf 800 Mrd. Dollar ist ein fiskalischer Stimulus, der die schon vorher gut laufende Wirtschaft der Gefahr der Überhitzung aussetzt. Die Arbeitslosenrate ist mit 3.7% so tief wie seit der Kriegswirtschaft während dem Vietnam-Krieg nicht mehr. Die Zahl der offenen Stellen ist in diesem Jahr um 1.5 Millionen auf über 7.1 Millionen und damit auf einen absoluten Höchstwert emporgeschnellt.

Optimierung der Wirtschaftsentwicklung
Früher oder später wird dies den Lohndruck deutlich erhöhen. Die Erhöhung der Mindestlöhne von Walmart und Amazon sind deutliche Anzeichen dafür. Die Fed tut gut daran, rechtzeitig Gegensteuer zu geben, damit der Inflationsdruck durch eine Lohn-/ Preis-Spirale nicht zu stark zunimmt. Der von der Fed favorisierte Inflationsindikator, die Kernrate der Konsumausgaben, ist in den letzten 12 Monaten bereits von 1.4% auf 1.9% gestiegen.

Die Fed wird ihre Unabhängigkeit bewahren. Fed-Präsident Jerome Powell hinterlässt mit seiner ruhigen aber konsequenten Art einen sehr guten Eindruck. Die Fed wird die Zinsen im nächsten Jahr über die neutrale Rate anheben und damit die überbordende Konjunktur dämpfen. Das mag Donald Trump und den Aktienmärkten nicht gefallen. Im Sinne einer langfristigen Glättung und damit Optimierung des Wirtschaftswachstums ist es aber nötig. (SGKB/mc)

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 35 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von 7,5 Milliarden Franken. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

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