Stressige Erlebnisse im Gehirn eingebrannt

Stressige Erlebnisse im Gehirn eingebrannt
Stress: Daran erinnert sich das Gehirn sehr gut. (Photo by JESHOOTS.COM on Unsplash)

Bochum – Stressige Erlebnisse werden besser erinnert als neutrale. Denn Erinnerungen an Objekte aus stressigen Situationen beruhen auf einer ähnlichen Gehirnaktivität wie die Erinnerungen an den Stressauslöser selbst. Das haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) herausgefunden. Details wurden in «Current Biology» veröffentlicht.

Fiktive Bewerbungsgespräche
Mithilfe von fiktiven Bewerbungsgesprächen haben die Wissenschaftler Personen in stressige Situationen gebracht (Trier Social Stress Test) und erfassten anschliessend deren Erinnerung an Gegenstände aus dem Interview. Mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) wurde die Gehirnaktivität analysiert, während die Teilneher die Objekte erneut sahen.

Während der Bewerbungssituation benutzte das Komitee eine Reihe von Alltagsobjekten; eines der Komitee-Mitglieder trank etwa einen Schluck aus einer Kaffeetasse. In einer Kontrollgruppe waren Probanden mit den gleichen Objekten konfrontiert, aber keinem Stress ausgesetzt. Am Tag danach zeigten die Forscher den Teilnehmern beider Gruppen die Objekte, während sie die Gehirnaktivität via MRT aufzeichneten. Ergebnis: Die gestressten Teilnehmenden erinnerten sich besser an die Objekte als Personen aus der Kontrollgruppe.

Objekte und Auslöser verknüpft
Den RUB-Experten nach waren die Gedächtnisspuren von verwendeten Objekten ähnlicher zueinander als von nicht verwendeten Objekten. Dies war in der Kontrollgruppe nicht der Fall. Anders gesagt, waren die Gehirnrepräsentationen der Objekte aus den Stresssituationen sehr eng miteinander verbunden und somit von anderen Erlebnissen abgegrenzt.

Die Forscher zeigten den Probanden am Tag nach dem Test nicht nur Bilder der Objekte aus der Bewerbungssituation, sondern auch Fotos von den Personen des Bewerbungskomitees. Die Probanden erinnerten insbesondere diejenigen Objekte, deren Gehirnaktivität ähnlich zu der Aktivität war, die durch die Präsentation der Komitee-Mitglieder ausgelöst wurde.

«Die Komitee-Mitglieder lösten in der Interview-Situation den Stress aus. Es scheint also so zu sein, dass die Verbindung zwischen den Objekten und den Stressauslösern ausschlaggebend für die verbesserte Erinnerung war», so RUB-Neurologe Nikolai Axmacher. Die Erkenntnisse der Studie sprächen – zumindest für emotionale oder stressige Erinnerungen – gegen die Theorie, dass stärkere Erinnerungen durch möglichst unterschiedliche Gedächtnisrepräsentationen ausgelöst werden. (pte/mc/ps)

RUB
Original-Beitrag bei pressetext

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert