Tag gegen den Lärm: «Lärm macht stumm»

Tag gegen Lärm 2013

Der Zürcher Künstler Linaz ist einer von insgesamt neun Pantomimen, die im Rahmen des Tages gegen Lärm auftreten. (Foto: Marco Sieber)

Bern – Ob im öffentlichen Raum, im Restaurant oder im Schulzimmer, Lärm hat einen negativen Einfluss auf unsere Kommunikation. Im Rahmen des diesjähigen Tages gegen Lärm am 24. April machen professionelle Pantomimen von 12.00 bis 14.00 Uhr in Ascona, Bern, Chur, Lausanne, Luzern und Zürich auf das Problem aufmerksam.

Die öffentlichen Räume werden vermehrt zum Verweilen, zum Essen, für Sport, als Treffpunkt oder zur kulturellen Betätigung genutzt. Das Bedürfnis der Bevölkerung nach Kommunikation im Aussenraum ist gross, doch Lärm ist ein regelmässiger Störfaktor für den ungehinderten Sprachfluss. Unter dem Motto «Lärm macht stumm» möchte die Trägerschaft «Tag gegen Lärm» – die Schweizerische Gesellschaft für Akustik, der VCS, die Schweizerische Liga gegen Lärm und Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz – die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren.

Kampagne auf öffentlichen Plätzen
Am «Tag gegen Lärm» 2013 wird unter dem Motto «Lärm macht stumm» der Einfluss von Lärm auf die Kommunikation im öffentlichen Raum thematisiert. In sechs verschiedenen Schweizer Städten machen Schauspieler und Pantomimen mit gezielten Interaktionen auf den «Tag gegen Lärm» aufmerksam. Das diesjährige Motto wird von den Pantomimen als Vorlage für eine Performance verwendet, die am 24. April von 12.00 bis 14.00 Uhr auf öffentlichen Plätzen mit grossem Publikumsverkehr gezeigt wird.

Spielplan 24.April von 12.00 bis 14.00 Uhr
Bern, Bärenplatz: Performance mit Selma Roth, Selina Senti
Chur, Bahnhofstrasse: Performance mit Riet Duri
Lausanne, Place St. Francois: Performance mit Samuel Sommer
Ascona, Post: Performance mit Andreas Manz, Bernard Stöckli
Luzern, Bahnhofplatz: Performance mit Rachel Röthlin, Gabriela
Renggli Zürich, Pestalozzianlage: Performance mit Linaz

Stumme Gesichter
Der öffentliche Raum ist die Lebensader einer Stadt oder eines Dorfes und wird durch die Interaktionen von Menschen wesentlich geprägt. Wird dieser Austausch durch verschiedene Lärmquellen verunmöglicht oder gestört, geht ein grosses Stück Lebensqualität verloren. Bilder von stummen Menschen an Strassenkreuzungen, öffentlichen Plätzen, Parkanlagen oder in Strassencafés gehören zum Stadtbild – oftmals ist es schlichtweg zu laut, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch wenn vielerorts Lärmschutzmassnahmen und Verkehrsberuhigungen zu einer Verbesserung der Situation beitragen, lässt die Aussicht, sein Gegenüber anzubrüllen um verstanden zu werden, viele Menschen zwischenzeitlich verstummen. Verständigungsprobleme bestehen allerdings nicht nur im öffentlichen Raum, auch in Innenräumen wie Restaurants oder Schulzimmern ist es oftmals zu laut.

Lärmige Restaurants und Schulzimmer
Die meisten Menschen kennen das unangenehme Gefühl, wenn der Schallpegel im Restaurant ein entspanntes Gespräch verunmöglicht. Das Zuhören wird zur Qual, das Sprechen zu einem Kraftakt. Neben dem Stimmengewirr summieren sich Hintergrundmusik, Gläserklirren oder das Zischen der Kaffeemaschine zu einem unablässigen Störgeräusch. Schuld an diesem Misstand ist meist die Raumakustik, die bei der Planung und Einrichtung von Innenräumen oftmals vernachlässigt wird. Ein Thema, das auch in vielen Schulzimmern nicht optimal gelöst ist. Grundsätzlich gilt: Je glatter ein Material ist, desto länger dauert die Nachhallzeit. In lauten Räumen lässt sich dies durch die Verwendung von Textilien wie Vorhänge oder Teppiche und durch Bilder, Pflanzen oder schallschluckenden Dämmplatten verbessern.

Reaktionen auf zu viel Lärm
Den negativen Auswirkungen des Lärms auf die sprachliche Verständigung kann man unterschiedlich begegnen. Die einen versuchen konzentrierter zuzuhören, andere beginnen lauter zu sprechen. Besseres Zuhören verlangt allerdings erhöhte Aufmerksamkeit. Dadurch werden in der Regel die Möglichkeiten zur gleichzeitigen Bewältigung anderer Aufgaben eingeschränkt. Im Schulzimmer etwa führen solche Voraussetzungen zu Konzentrationsstörungen und einer gereizten Stimmung bei Schülern und Lehrern. Im Restaurant bleiben oft nur zwei Auswege: Flucht in ein ruhigeres Lokal oder weniger reden und dafür mehr konsumieren.

Leidtragende sind insbesondere Kinder und Hörbehinderte
Die direkte Auswirkung von Lärm auf die Kommunikation besteht darin, dass das Sprachsignal durch den Lärm verfälscht wird. Der Zuhörer ist entweder darauf angewiesen, die fehlenden Inhalte aus dem Kontext zu erschliessen oder darauf, dass der Sprecher seinen Sprechpegel anhebt. Für Kinder wird die Verfälschung der Sprache und die Unterbrechung der Kommunikation (Verkehrslärm etc.) zum Problem, weil sie nur über einen kleinen Wortschatz und ein beschränktes akustisches Gedächtnis verfügen. Deshalb ist es für Kinder schwierig, die verpassten Inhalte in den richtigen Kontext zu stellen. Bei einer chronischen Lärmbelastung können sich daraus negative Konsequenzen für die kindliche Sprachentwicklung ergeben.

Zusätzlich benachteiligt sind auch Personen mit leichten und mittelgradigen Hörstörungen. Es ist nicht verwunderlich, dass unter Lärmeinfluss viele Hörgerätebenutzer nur eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten haben und sich resigniert aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. (mc/pg)

Hintergrund Tag gegen Lärm
1996 wurde der «International Noise Awareness Day» von der New Yorker «League for the Hard of Hearing» ins Leben gerufen. 2005 nahm die Schweiz auf Initiative des Cercle Bruit, der Schweizerischen Gesellschaft für Akustik, der Schweizerischen Liga gegen den Lärm und der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz zum ersten Mal aktiv an diesem Aktionstag teil. Seit 2013 gehört auch der VCS zur Trägerschaft. Unterstützt wird die Trägerschaft vom Bundesamt für Umwelt BAFU und vom Bundesamt für Gesundheit BAG. Mit der Teilnahme am Aktionstag setzte sich die Trägerschaft das Ziel, den «Tag gegen Lärm» in der Schweiz zu verankern und jedes Jahr eine andere Facette der Lärmproblematik in den Vordergrund zu stellen.

 

 

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