Tobias Achermann, CEO Zug Estates im Interview

Tobias Achermann
Tobias Achermann, CEO Zug Estates. (Foto: Zug Estates)

Tobias Achermann, CEO Zug Estates. (Foto: zvg)

von Robert Jakob

Moneycab.com, Herr Achermann, der Börsenwert der Zug Estates ist mittlerweile bis an den Nettoinventarwert Ihrer Liegenschaften gestiegen. Ist die Aktie jetzt nur noch eine Obligation?

Unsere beiden Areale im Zentrum von Zug und in Risch Rotkreuz verfügen über ein erhebliches Entwicklungspotenzial. Alleine in der Suurstoffi in Rotkreuz planen wir in den nächsten Jahren rund CHF 400 Millionen zu investieren. Damit werden wir den Wert unseres Portfolios und den NAV auch in Zukunft steigern können.

Sie haben es angetönt… Die Wertsteigerung des Immobilienportfolios im ersten Halbjahr 2015 war mit einem Plus von 33 Millionen erfreulich. Denken Sie, dass es in Zukunft gemächlicher bergauf geht?

Wie bereits erwähnt gehen wir davon aus, dass wir den Wert unseres Portfolios auch in Zukunft werden steigern können.

«Wir haben sowohl mit GfK als auch mit der Hochschule Luzern als weiterem Ankermieter langfristige Mietverträge abgeschlossen.»
Tobias Achermann, CEO Zug Estates

Aber Sie haben die durchschnittliche Restlaufzeit Ihrer Hypotheken um über zwei  Jahre auf 9.7 Jahre verlängert. Glauben Sie bereits an die drohende Zinswende?

Wir sind in einer Investitionsphase. Indem wir langfristig  finanzieren, können wir ein wesentliches mit der Projektenwicklung einhergehendes Risiko absichern. Das ist der Hauptgrund.

Die Grossüberbauung Suurstoffi bekommt mit dem Marktforschungsunternehmen GfK einen grossen Ankermieter. Wie langfristig laufen die Verträge?

Wir haben sowohl mit GfK als auch mit der Hochschule Luzern als weiterem Ankermieter langfristige Mietverträge abgeschlossen. Der Mietvertrag mit der HSLU sieht sogar  eine 30jährige feste Mietdauer mit zwei zehnjährigen Verlängerungsoptionen vor.

Auch in hohen mehrstöckigen Gebäuden setzt sich immer mehr die Holzbauweise durch. Eher aus Kosten- oder aus Umweltgründen?

Bauen mit Holz hat in der Zentralschweiz eine jahrhundertelange Tradition. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der über vielfältige Vorteile verfügt. Für die eben bezogenen Mehrfamilienhäuser in der Suurstoffi waren vor allem die im Vergleich zu konventionellen Bauten kurze Bauzeit und die damit einhergehenden geringeren Lärmemissionen von entscheidender Bedeutung.

Ihre Perlen im Zentrum von Zug werfen sehr hohe Mieterträge ab. Allein der Bereich Hotellerie und Gastronomie bringt  über 10 Millionen Franken. Sahen Sie dort gar keinen Einbruch nach dem SNB-Entscheid?

Der Business-Standort Zug entwickelt sich auch 2015 robust, kann sich der allgemeinen Marktdynamik jedoch nicht gänzlich entziehen. Unsere Hotelbetriebe konnten den Umsatz in diesem herausfordernden Umfeld sogar noch leicht steigern.

Sucht man natürlich krampfhaft nach einem Haar in der Suppe, könnte man sagen, dass die Einnahmen aus der Miteigentümergemeinschaft Metalli um dreieinhalb Prozent zurückgegangen sind….

Die Einnahmen und damit auch der Rohgewinn sind aufgrund eines grösseren Leerstandes vorübergehend tiefer. Wir sind für diese Flächen in fortgeschrittenen Verhandlungen. Weitere Leerstände sind nicht zu erwarten.

Zug hat ja jetzt ein Sparprogramm. Ich nehme an, Sie können das gelassen sehen?

Zug wird auch in Zukunft ein überdurchschnittlich attraktiver Standort bleiben.

«Wir werden  in den kommerziellen Hauptmietobjekten im Verlauf von 2016 eine weitgehende Vollvermietung erreichen.»

Wo kann bei Ihren älteren Bestandsimmobilien noch etwas punkto Gebäudeeffizienz gemacht werden?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mittelfristig das gesamte Immobilienportfolio ohne CO2-Emmissionen zu betreiben. Unsere Liegenschaften sind mehrheitlich jünger als 30 Jahre. Die neuen Liegenschaften in der Suurstoffi werden bereits heute weitgehend mit CO2-freier Energie zum Heizen und zur Erzeugung von Warmwasser versorgt. Im Rahmen von Sanierungen werden wir entsprechende Massnahmen auch für die Bestandsliegenschaften umsetzen.

Die Leerstandsquote lag Mitte Jahr bei 6,4 Prozent. Ich nehme an in einem Jahr soll sie deutlich tiefer sein. Was ist der Zielbereich?

Wir gehen davon aus, dass wir in den kommerziellen Hauptmietobjekten im Verlauf von 2016 eine weitgehende Vollvermietung erreichen werden.

Seit 2012 sind im Gewerbebereich schweizweit die Baugesuche um die Hälfte zurückgegangen. Dieses Umfeld stützt sicher Ihre Mieterträge, richtig?

Für die langfristig erfolgreiche Vermietung unserer kommerziellen Mietobjekte sind die zentrale Lage unserer beiden Areale mit hervorragender Erreichbarkeit – innerhalb von nur 60 Minuten erreicht man über zwei Drittel der Schweizer Wohn- und Arbeitsbevölkerung -, die breit diversifizierte Nutzungspalette, die hohe Aufenthaltsqualität, die attraktive Architektur sowie das CO2-freie Energiekonzept ausschlaggebend.

Gibt es im Kanton Zug denn nirgendwo Überkapazitäten?

Die Nachfrage entwickelt sich im Einklang mit dem Angebot, ist im Bereich der Luxuswohnobjekte jedoch weitgehend gesättigt.

Zur Person:
Tobias Achermann, geboren 1971, Schweizer Bürger machte seinen  Executive MBA, an der HTW Chur; sowie einen MAS in   Immobilienmanagement an der Hochschule Luzern. Zusätzlich ist er  Eidgenössischer diplomierter Immobilien-Treuhänder. Seinen Berufsstart machte er als Abteilungsleiter des HEV Aargau, Baden  von 1993–2001. Danach arbeitete er für die  BDO Visura Aarau als Leiter Immobilientreuhand von 2001 bis 2004, anschliessend bei der  Arthur Waser-Gruppe, Luzern, von 2004–2008 als Leiter Immobilien, und dann als Geschäftsführer der Clair AG, Cham, 2008–2014.

Zum Unternehmen:
Die Zug Estates Gruppe konzipiert, entwickelt, vermarktet und bewirtschaftet Liegenschaften in der Region Zug. Dabei konzentriert sie sich auf zentral gelegene Areale, welche vielfältige Nutzungen und eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Der grösste Teil des Immobilienportfolios befindet sich in zwei Arealen in Zug und Risch Rotkreuz und ist nach Nutzungsarten breit diversifiziert. Ergänzend betreibt die Gruppe in Zug ein City Resort mit den führenden Businesshotels Parkhotel Zug und City Garden und einem ergänzenden Gastronomieangebot. Der Gesamtwert des Portfolios betrug per 30. Juni 2015 CHF 1 142 Mio. Die Zug Estates Holding AG ist an der SIX Swiss Exchange, Zürich, kotiert.

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