«Unternehmen geben Investoren zu viel Geld»

Laurence Fink

BlackRock-Chef Laurence Fink mahnt zu langfristigerem Denken.

New York – Laurence Fink, CEO des weltgrössten Vermögensverwalters BlackRock, mahnt Unternehmer, nicht so leichtfertig auf vermeintlich investorenfreundliche Schritte wie Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe zu setzen. Ein entsprechender Brief geht an die Geschäftsführer der 500 grössten US-Unternehmen, berichtet die «New York Times». Fink zufolge gefährdet das Verhalten, das oft auf Druck aktivistischer Investoren zurückgeht, die langfristige Wertschöpfung. Er spricht im Rahmen seiner Kritik sogar von einer «Glücksspiel-Gesellschaft».

Dividenden und Aktienrückkäufe bringen Investoren Profit – eine vermeintlich einfache Rechnung, wegen der sich Firmen oft dem Druck jener Geldgeber beugen, die schnell Geld sehen wollen. «Die Effekte dieses Kurzzeitismus-Phänomens sind beunruhigend sowohl für jene, die für langfristige Ziele wie die Pension sparen, als auch für die breitere Wirtschaft», so Fink. Die kurzfristigen Vorteile für Investoren gehen demnach zulasten von Innovation, einer qualifizierten Arbeitnehmerschaft und den nötigen Kapitalaufwendungen für nachhaltiges Wachstum.

Fragwürdiger Mega-Trend
US-Unternehmen haben 2014 fast eine Billion Dollar für Dividenden und Aktienrückkäufe ausgegeben. Fast jeder Konzern macht fleissig mit. Nach dem Verkauf von GE Capital will General Electric nun 50 Mrd. Dollar für Aktienrückkäufe ausgeben. Apple hat im vergangenen Jahr sogar 90 Milliarden Dollar dafür locker gemacht, IBM seit dem Jahr 200 insgesamt 108 Milliarden Dollar. Viele Investoren freuen sich über das schnelle Geld, doch Fink bewertet das Vorgehen nicht gerade positiv.

Solche massiven Rückkäufe «senden ein entmutigendes Signal, was die Fähigkeit eines Unternehmens betrifft, seine Ressourcen weise zu nutzen und einen kohärenten Plan zur langfristigen Wertschaffung zu entwickeln». Zudem verweist der BlackRock-CEO auf das aktuell fast bei null liegende Zinsniveau. Angesichts dessen seien exzessive Kapitalrückflüsse an Investoren gar nicht zielführend, «da sie in diesem Umfeld vergleichsweise magere Vorteile geniessen werden».

«Glücksspiel-Gesellschaft»
Laut Fink ist die Schuld nicht nur bei kurzsichtigen Managern zu suchen. Auch die Geldgeber seien gefordert. «Investoren müssen den Fokus auf langfristige Strategien und Ergebnisse legen.» In diesem Kontext verweist er auf die «Glücksspiel-Gesellschaft». Um diesem Trend gegenzusteuern, schlägt er vor, die US-Steuerpolitik anzupassen. Es sollte erst nach drei statt nur einem Jahr Steuervorteile für langfristige Investitionen geben, die dann sukzessive anwachsen – potenziell bis zu einem Null-Steuersatz nach zehn Jahren.

Fink betont auch, dass «nichts inhärent falsch daran ist, Kapital in gemässigter Weise an Aktionäre zurückfliessen zu lassen». Derzeite Extreme seien aber bedenklich. Damit geht er indirekt auf Konfrontationskurs mit aktivistischen Investoren wie Carl Icahn. Diese drängen Unternehmen zu schnellen Geldrückflüssen. Da BlackRock mittlerweile über 4,5 Billionen Dollar an Vermögen verwaltet, dürfte der Brief des CEOs Chefetagen zumindest stutzig werden lassen. (pte/mc/ps)

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