Unternehmen glauben laut UBS-Umfrage an eine mittelfristige Erholung

Unternehmen glauben laut UBS-Umfrage an eine mittelfristige Erholung
(Photo by Austin Chan on Unsplash)

Zürich – Die Schweizer Unternehmen lassen sich nicht unterkriegen. Trotz des massiven Wirtschaftseinbruchs infolge der Corona-Pandemie bleibt bei den Unternehmen der Glaube an eine mittelfristige Erholung intakt. Das hat eine Umfrage unter 2’500 Schweizer Firmen durch die UBS ergeben.

„Wir sehen schon einen gewissen Grundoptimismus bei den Schweizer Unternehmen“, sagte Daniel Kalt, Chefökonom der UBS Schweiz am Donnerstag im Gespräch mit AWP. Es sei eine „gewisse Hoffnung da“, die Pandemie zu überwinden.

So erwarten 71 Prozent der befragten Unternehmen für das 2022 im Vergleich zu 2019 einen gleich hohen oder sogar höheren Umsatz. 87 Prozent rechnen damit, gleich viele oder mehr Mitarbeitende zu beschäftigen. Dies gelte erfreulicherweise nicht nur über alle Unternehmen hinweg, sondern auch in allen Branchen und Regionen, so die Experten.

Sogar im stark betroffenen Gastgewerbe herrsche bei drei Viertel der Umfrageteilnehmer ein entsprechender Optimismus. Zudem sehen rund 90 Prozent der Unternehmen ihren Fortbestand mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit gesichert.

Grundlage für nachhaltige Erholung
Diese stabilen Erwartungen bilden für die UBS die Grundlage dafür, dass eine nachhaltige Erholung gelingen könne. Eine Garantie gebe es dafür aber nicht. Dank Kurzarbeit und Überbrückungskrediten sei ein drastischer Anstieg der Arbeitslosigkeit bislang abgewendet worden. Diese Instrumente seien aber für die kurze Frist konzipiert, die Wirkung lasse mit der Zeit nach.

„Die Unternehmen müssen dann bereit sein, den ‚Staffel-Stab‘ von Bund und Behörden zu übernehmen und mit Investitionen und Arbeitsplätzen die Erholung zu sichern. Ob sie dazu bereit sind, hängt von ihrem mittelfristigen Ausblick ab“, sagte UBS-Ökonom Kalt. Denn eine zweite Welle könnte den Ausblick grundlegend verändern – die Verletzlichkeit bleibe gross. Diese Unsicherheit werde die Schweizer Wirtschaft in den nächsten Quartalen begleiten.

Für das laufende Jahr erwarten die Experten weiterhin eine tiefe Rezession mit einem BIP-Rückgang um 5,5 Prozent, gefolgt von einer lebhaften Erholung um 4,4 Prozent für 2021. Im dann folgenden Jahr 2022 dürfte das Schweizer BIP dann wieder das Niveau von 2019 erreicht oder gar leicht übertreffen. Die UBS erwartet derzeit ein Plus von 1,8 Prozent. Um diesen Prozess zu unterstützen dürfte die Nationalbank SNB die Leitzinsen auf absehbare Zeit im negativen Bereich belassen.

Höhere Verschuldung belastet Investitionen
Durch den Lockdown kam es bei manchen Unternehmen zu Liquiditätsengpässen und damit zu einer höheren Verschuldung. Fast 30 Prozent der Befragten sieht sich mit steigenden Schulden konfrontiert. Eine Mehrheit nutzte die vom Bund garantierten Überbrückungskredite, eine Minderheit griff auf Kreditlinien der Hausbank zurück.

Bei den von der UBS gewährten Kredite zeige sich ein positives Bild, erklärt Schweiz-Präsident Axel Lehmann während der Medienkonferenz. Es seien erst etwa rund die Hälfte der eingeräumten Kreditlimiten gezogen worden und erste Firmen zahlten sogar bereits ihre Kredite wieder zurück. Diese Resultate stimmen Lehmann zuversichtlich.

Die höhere Verschuldung engt allerdings für 70 Prozent der Unternehmen den finanziellen Spielraum ein. Das treffe an erster Stelle die Investitionen. Für diese Betriebe gelte es nun, einen Teufelskreis zu verhindern. Denn geringere Investitionen vermindern die Konkurrenzfähigkeit und erschweren wiederum eine Reduktion der Schulden, gibt die UBS zu bedenken.

Lehren aus der Krise
Neben den zahlreichen Belastungen ziehen die Unternehmen aber auch einige Lehren aus der Krise. „Die Unternehmen, die am stärksten betroffen waren, sind am ehesten bereit, Massnahmen vorzunehmen“, sagte Kalt. „Das sind in erster Linie pragmatische Dinge, wie etwa bei den Wertschöpfungsketten mehr Puffer einzubauen, mehr Lagerbestände zu führen oder die finanziellen Polster zu stärken.“

Aber auch die Digitalisierung ist ein wichtiges Thema. So wollen vier von fünf Firmen, die in der Zeit verstärkt das Homeoffice genutzt haben, daran festhalten. Auch andere digitale Lösungen werden vermehrt eingesetzt. Damit besteht für die UBS die Hoffnung, dass die Krise der Schweizer Wirtschaft auch längerfristig einen technologischen Schub verleiht.

Zudem planen viele Unternehmen Investitionen in die Digitalisierung und eine Erhöhung der finanziellen Reserven. Denn es stellt sich auch die Frage, wie sich die Unternehmen künftig besser gegen solche Risiken schützen können. Nur ein Drittel der Befragten denkt, dass sie bereits heute genügend vorbereitet sind.

Die übrigen Firmen fühlen sich zwar nicht genügend vorbereitet, es fehlt aber an Ressourcen für ein besseres Risikomanagement. Vor starken Eingriffen in die Unternehmensorganisation schrecken viele noch zurück. Auch Insourcing oder Homeshoring haben keine Priorität. (awp/mc/ps)

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