UPD-Studie belegt Erfolg von Job Coach Placement

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(Foto: Marco2811 – Fotolia.com)

Bern – «Erst platzieren – dann trainieren»: Die Umkehr der traditionellen Praxis erhöht den Erfolg der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt für Menschen mit einer psychisch bedingten Leistungseinschränkung. Das belegt eine Studie der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) und der IV-Stelle Bern.

Herkömmliche Wiedereingliederungen in den Berufsalltag nach dem Prinzip «erst trainieren – dann platzieren» zeigen geringe Erfolgsquoten bei schwer und anhaltend psychisch Kranker. Der grösste Teil der Betroffenen ist nach Abschluss der Massnahme arbeitslos, in einer geschützten Werkstatt beschäftigt oder befindet sich weiter in Rehabilitation. Lediglich 5 bis 30 Prozent erreichen das Ziel einer Festanstellung auf dem Arbeitsmarkt.

Erfolg dank Paradigmawechsel
Mit der Einführung des Supported Employment mit dem Prinzip «erst platzieren – dann trainieren» wurde für psychisch beeinträchtigte Menschen ein Paradigmawechsel bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt vollzogen. Dieser hat sich nicht nur in den USA, sondern mittlerweile auch in Europa bewährt. Die wissenschaftliche Evidenz für die Überlegenheit von Supported Employment konnte mittels zahlreicher weltweit durchgeführter randomisiert kontrollierter Studien erhärtet werden.

Eingliederungsquote konnte verdoppelt werden
Professor Holger Hoffmann, Psychiatrisch-therapeutischer Leiter der Direktion Psychiatrische Rehabilitation, und sein Team in den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern (UPD) waren 2002 die ersten, die Supported Employment (besser bekannt unter «Job Coaching») in der Schweiz einführten. Sie wurden dabei von der IV-Stelle Bern und dem Bundesamt für Sozialversicherung massgeblich unterstützt. Seither findet dieser Wiedereingliederungsansatz in der Schweiz in steigendem Masse Verbreitung.

Mit der nun vom renommierten «American Journal of Psychiatry» zur Publikation angenommen Studie haben die Berner Forscher weltweit erstmals den Verlauf über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht. Sie konnten dabei zeigen, dass in diesem Zeitraum 65 Prozent der von einem Job Coach begleiteten Teilnehmer eine Anstellung in der Wirtschaft fanden. Dies sind doppelt so viele wie bei den traditionellen Wiedereingliederungsmassnahmen. Zudem waren der Verdienst besser, die Anstellungsverhältnisse länger und nachhaltiger und die Inanspruchnahme stationärer und teilstationärer psychiatrischer Dienste geringer.

Rahmenbedingungen sollten verbessert werden
Diese Ergebnisse legen nahe, dass Supported Employment in der Schweiz als Methode der Wahl bei der beruflichen Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen empfohlen und gegenüber den weniger effizienten traditionellen Wiedereingliederungsmassnahmen bevorzugt werden sollte. Für eine erfolgreiche Weiterverbreitung in der Schweiz braucht es einheitliche Qualitätsstandards, Anreize für die Arbeitgeber sowie noch zu verbessernde gesetzliche Grundlagen und Finanzierungsmodelle, die unter anderem die unbefristete Begleitung durch einen Job Coach ermöglichen. Letzteres ist ein zentraler Faktor für den nachhaltigen Erfolg des Supported Employments. (UPD/mc/pg)

Weitere Informationen

Publikation Abstract – American Journal of Psychiatry (in Englisch)

Broschüre Job Coach Placement

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