VP Bank Spotanalyse Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex weckt Hoffnungen

Thomas Gitzel
Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

ifo-Geschäftsklimaindex: Frühlingsluft mitten im Winter

Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Januar von 94.8 auf 95.7.

Noch hält uns der Corona-Winter in seinem schwierigen wirtschaftlichen Bann, doch in Deutschland wittern die vom ifo-Institut befragten Unternehmen bereits Frühlingsluft. Nach sechs Rückgängen in Folge, hellt sich die Stimmung pünktlich im ersten Monat des Jahres wieder auf. Allerdings reflektiert der ifo-Geschäftsklimaindex die sich in den vergangenen Tagen zugespitzte Situation an der Ostgrenze der Ukraine noch nicht. Vor allem Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe dürften die Situation mit Sorge verfolgen. Schwere politische Konflikte bergen derzeit das Risiko, dass sich die angespannte Lieferkettensituation weiter verschärft.

Zunächst aber gilt: Dienstleistungsunternehmen sind wieder zuversichtlicher. Wer am Wochenende spontan ins Restaurant möchte, bekommt mittlerweile nicht selten eine Absage. Gaststätten sind wieder stärker frequentiert. Das zeigen auch Daten der Reservierungsplattform «Open Table». Die Reservierungsrückgänge gegenüber dem Vorkrisenniveau wurden zuletzt kleiner. Einerseits fühlen sich die Menschen in Anbetracht der Impfungen sicherer. Andererseits war die Intensivbettenbelegung trotz rekordhoher Neuinfektionen zuletzt weiterhin rückläufig. Das nimmt der Omikron-Mutation des Corona-Virus den Schrecken. Mit steigenden Temperaturen dürfte das Infektionsgeschehen merklich abebben, was dem gesamten Freizeitsektor dann deutlichen Rückenwind verleihen wird. Die Zuversicht unter den Dienstleistungsbetrieben ist also durchaus angebracht.

Auch innerhalb der Industrie haben sich die Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf weiter verbessert. Zwar fehlt es gegenwärtig an einer klaren Indikation für einen besseren Materialfluss im Bereich von Vorprodukten und Rohstoffen, doch zumindest gibt es bereits punktuell Erholungen. Die Unternehmensbefragung der EU-Kommission zeigt eine leichte Entspannung bei der Lagerhaltung für industrielle Vorprodukte für Deutschland an. Der bessere Geschäftsausblick des verarbeitenden Gewerbes untermauert die These einer Entspannung bei den Lieferketten einmal mehr.

Die deutsche Wirtschaft scheint aus dem Winterloch herauszukommen. Vor allem der Dienstleistungssektor wittert Morgenluft. Die höheren Notierungen des ifo-Geschäftsklimaindex senden Signale, dass die hohen Wachstumserwartungen für das laufende Jahr keineswegs abwegig sind. Ein Risiko bleibt jedoch eine Eskalation im ukrainischen Grenzgebiet zu Russland. Käme es allerdings zu einer Entspannung im Ukraine-Konflikt, springen die Ampeln vollends auf Grün. (VP Bank/mc/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.