VP Bank Spotanalyse Deutschland: Privater Konsum macht der Wirtschaft Dampf

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Pandemie führt zu Stop-and-Go-Wachstum

Vaduz – Die deutsche Wirtschaft wächst im dritten Quartal um 1.7 % gegenüber dem Vorquartal. Dies ist etwas weniger als die ursprüngliche Schätzung von 1.8%.

Wie schön war doch der Sommer! Das weitgehend von der Pandemie befreite dritte Quartal bescherte den Menschen nicht nur ein unbeschwerteres Leben, sondern heizte auch den privaten Konsum kräftig an. Letzterer konnte um satte 6.2 % gegenüber dem Vorquartal zulegen. Nachholeffekte im Dienstleistungssektor spiegeln sich darin. Vor allem Restaurants, Bars und die Hotellerie profitierten. Der Staat reduzierte hingegen seine Konsumausgaben um 2.2 %.

Der Materialmangel manifestiert sich in rückläufigen Ausrüstungsinvestitionen. Sie sanken um 3.7 % gegenüber dem Vorquartal. Die Bauinvestitionen gingen um 2.3 % zurück. Wird weniger produziert, kann auch weniger exportiert werden. Die Ausfuhren verzeichnen deshalb ebenfalls ein Minus von 1 % gegenüber dem Vorquartal.

Die Folgen der Pandemie führen zu einem Stop-and-Go-Wachstum. So kräftig das Wachstum im dritten Quartal war, so abrupt setzt es im vierten Quartal zur Vollbremsung an. Die vierte Corona-Welle wirkt ähnlich einer Handbremse.

Es ist nicht mal ein Lockdown notwendig. Allein die wieder vorsichtigeren Verbraucher führen zu einer Erosion der Umsätze im Hotel- und Gaststättengewerbe und des stationären Einzelhandels. Für die betroffenen Betriebe ist die Situation stellenweise fatal. Kunden bleiben fern und da es keinen offiziellen Lockdown gibt, fliessen auch keine staatlichen Hilfsgelder.

Gleichzeitig bremst der Materialmangel die Industrie aus. Das verarbeitende Gewerbe kann also den geringeren Umsätzen im Dienstleistungssektor nichts entgegensetzen. Die Wintermonate werden deshalb keine einfachen sein.

Die Ampelkoalition hat sich lobenswerte ambitionierte Ziele gesetzt. Die geplante Erneuerung Deutschlands setzt aber voraus, dass die Corona-Pandemie zu einem Ende kommt. Dem Infektionsgeschehen muss mit strikten Massnahmen ein rasches Ende bereitet werden. Das wäre für die Ampelkoalitionäre kurzfristig das geeignetste wirtschaftspolitische Werkzeug. Der vorausschauende Umgang mit der Pandemie muss als Wachstumsprogramm verstanden werden. (VP Bank/mc/ps)

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