VP Bank Spotanalyse: Die Kassen klingeln – Mutmacher für Europa

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank. (Foto: zvg)

«In den USA legen die Einzelhandelsumsätze im März um 9.8 % gegenüber dem Vormonat zu.

Wehe wenn sie losgelassen! In den USA herrscht Konsumrausch. Der kräftige Zuwachs der Einzelhandelsumsätze hat mehrere Gründe. Die Verteilung der staatlichen Schecks und die deutliche Lockerung von Eindämmungsmassnahmen stimulierten den Konsum. Die persönlichen Einkommen legten im März aufgrund der Hilfszahlungen von 1´400 US-Dollar für US-Bürger die weniger als 80´000 Dollar im Jahr verdienen deutlich zu. Es wurde im März also kräftig Geld in die US-Wirtschaft gepumpt, das dann auch teilweise über die Ladentheken wanderte.

Aber auch der kräftige Job-Aufbau im März stärkte die Zuversicht der US-Bürger. Im März wurden ausserhalb des Landwirtschaftssektors 916´000 neue Stellen geschaffen. Die rapiden Impffortschritte taten ihr Übriges. Je mehr Menschen immunisiert sind, desto weniger Gefahr geht vom Corona-Virus aus. Damit nehmen die Sorgen um die eigene Gesundheit ab. Die Menschen trauen sich wieder in die Läden und Restaurants.

Und noch ein weiterer Faktor zählt, die Einzelhandelsumsätze waren im Februar unerwartet deutlich eingebrochen. Die Vergleichsbasis im direkten Monatsvergleich war also entsprechend niedrig. Im Februar litt der Konsum unter eisigen Temperaturen und Schneestürmen. In Texas kam es sogar zu Stromausfällen. Die höheren Temperaturen im März trieben die Menschen umso zahlreicher nach draussen, was wiederum den Restaurants und Bars zugutekam.

So schön sich das Zahlenmaterial auch liest, ein Wermutstropfen bleibt. Der starke Zuwachs lässt sich in dieser Höhe nicht mehr wiederholen. Zwar dürften aufgrund der Lockerungen die Einzelhandelsumsätze weiterhin gut unterstützt bleiben, doch das Umsatzplus im März wird im laufenden Jahr ein Unikat bleiben.

Das gute US-Zahlenmaterial ist ein Mutmacher für Europa. Im Falle von Lockerungen wird es die Menschen auch hierzulande nach draussen treiben. Restaurants und Bars werden sich auch in Barcelona, Paris, Berlin und Zürich wieder füllen. Und noch etwas zählt: In den USA halfen Schecks. In Europa tragen die Hilfen einen anderen Namen, die Rede ist vom «Kurzarbeitergeld». Die Arbeitsmärkte nahmen in Anbetracht der schwerwiegenden Krise einen relativ geringen Schaden. Das gute US-Zahlenmaterial gibt also einen Ausblick, was in den kommenden Monat in Europa möglich sein kann.»

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.