VP Bank Spotanalyse Emerging Markets: Türkei bekommt Investment Grade

Thomas Gitzel

Dr. Thomas Gitzel, Senior Economist (Emerging Markets) der VP Bank.

Vaduz – Fitch hebt die Bonität für die langfristigen türkischen Auslandsverbindlichkeiten von „BB+“ auf „BBB-„ an. Damit verfügt das Land über einen Investment Grade.

Die Ratingagentur begründet ihren Schritt mit den nachlassenden makroökonomischen Risiken. So hätte sich etwa das Leistungsbilanzdefizit als auch die Inflationsraten reduziert. Für das Land am Bosporus kommt die Bonitätsverbesserung einem Ritterschlag gleich. In der Tat, dem Land gebührt Respekt. Das Leistungsbilanzdefizit konnte von 9.3% des BIP im Jahr 2011 auf zuletzt 8.3% des BIP reduziert werden. Daneben fiel die Inflationsrate von über 11% im April auf 7.8% im Oktober.

Relativ robuste Wachstumsraten
Der Abbau des hohen Leistungsbilanzdefizits und der hohen Inflationsraten ging mit relativ robusten Wachstumsraten einher – und das ist bemerkenswert. Doch bei aller Freude sollte nicht vergessen werden, dass das absolute Leistungsbilanzdefizit im Zeitraum Januar bis August bei 36 Mrd. US-Dollar lag. Damit weist das Land immer noch einer der höchsten Negativsalden innerhalb der Schwellenländer aus. Die Türkei bleibt bei der Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits auf spekulative Kapitalzuflüssen angewiesen. Trotz Investment Grade dürfte das Land anfällig für eine höhere Risikoaversion an den Finanzmärkten bleiben. Die Botschaft der heutigen Bonitätsverbesserung ist deshalb vielmehr: Die langfristigen Perspektiven der Türkei sind günstig. Kurzfristig schützt es das Land nicht vor Turbulenzen. (VP Bank/mc/hfiu)

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