VP Bank Spotanalyse: US-Dollar unter Druck

VP Bank Spotanalyse: US-Dollar unter Druck
Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Der Dollar steht unter breitflächigem Abgabedruck. Der Euro schafft es damit seit knapp vier Jahren wieder über die Marke von 1.20. Aber auch niedrigverzinsliche Währungen wie der Yen und der Schweizer Franken können gegenüber dem Greenback zulegen.

von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Auslöser der jüngsten Abwertungswelle des Dollar war der Grönland-Konflikt und die Aussicht auf mögliche Interventionen der Bank von Japan gemeinsam mit der US-Notenbank Fed, um den Yen zu stützen.

Der Status des Dollars als Weltreservewährung bleibt zwar unangetastet, dennoch zeigen die Kursverluste des Greenbacks in der angespannten geopolitischen Lage erste Anzeichen schwindenden Vertrauens.

Grundsätzlich gilt: Die USA verzeichnen mit rund 1.3 Billionen US-Dollar das grösste Leistungsbilanzdefizit weltweit. Dieses Defizit liesse sich ohne den Status des Dollar als Weltreservewährung nicht finanzieren.

Der US-Regierung kommen die jüngsten Abwertungen aber zupass. In den Augen von Donald Trump ist die Abwertung jedenfalls «grossartig», stärkt sie doch die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft.

Der breite Dollar-Index ist trotz der jüngsten Abwertung noch immer deutlich überbewertet. Auch das hohe US-Leistungsbilanzdefizit spricht im Grundsatz für eine weitere Schwäche des Dollar. Doch so hitzig es derzeit an den Devisenmärkten zugeht, für die kurzfristigen Aussichten ist ein nüchterner Blick erforderlich.

Spekulative Anleger haben den Dollar bereits in einem hohen Masse auf Termin verkauft. Historisch waren solch hohe Bestände an Terminverkäufen ein zuverlässiger Indikator für eine Dollar-Stärke. Auch die rekordhohen Optionsprämien für Dollar-Absicherungen mahnen als Kontraindikator zur Vorsicht.

Bei aller berechtigten Skepsis gegenüber dem Dollar sollten deshalb die jüngsten Abwertungen kurzfristig nicht als Einbahnstrasse verstanden werden. (VP Bank/mc)

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