VP Bank Spotanalyse: US-Inflation wieder fast auf 4%
Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Energiepreise machen sich erneut bemerkbar.
Die Inflationsrate in den USA steigt im April von 3.3% auf 3.8%. Gegenüber dem Vormonat steigen die Preise um 0.6%. Unter Herausrechnung der Energie- und Nahrungsmittelpreise (Kernrate) steigt die Teuerung im Jahresvergleich von 2.6% auf 2.8%.
Spätestens mit den heutigen Zahlen dürften Zinssenkungsdebatten vom Tisch sein. Der designierte Notenbankpräsident Kevin Warsh liebäugelt mit Zinssenkungen, doch in Anbetracht der aktuellen Inflationsentwicklung wird er davon wohl vorerst Abstand nehmen.
Dass die Inflationsrate weiter steigt, liegt auf der Hand, schliesslich halten die Spannungen an den globalen Energiemärkten an. Im Monatsvergleich steigen die Energiepreise um 3.8% und dies erklärt auch rund 40% der Teuerungsentwicklung. Deutlich ging es auch mit den Mieten nach oben, was wiederum den stärker als erwarteten Anstieg der Kerninflationsrate erklärt.
Die Teuerungsentwicklung vergrault auch die Wähler Donald Trumps. Der US-Präsident trat mit dem Versprechen an, die Inflationsrate zu senken. Jetzt passiert das Gegenteil: Die gestiegenen Energiepreise schmälern das real verfügbare Einkommen der US-Bürger. Der Blick auf die Zustimmungswerte zur Politik von Trump spricht Bände: Beim Umgang mit der Inflation schneidet der Präsident besonders schlecht ab.
Die gestiegene Inflation hat also nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Komponente. Die Republikaner könnten bei den Zwischenwahlen des Kongresses im Herbst unter Umständen die Mehrheit in beiden Kammern verlieren.